Diplomarbeit, 2001
119 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Vorgeschichte des litauischen Unabhängigkeitsprozesses
2.1 Stationen der Geschichte Litauens
2.2 Der Verlust der Rechtsgrundlage der Annexion
2.3 Perestroika und Glasnost – Umbau und Transparenz
2.4 Die Anfänge von Sajudis
3. Die beteiligten Akteure
3.1 Die Litauer
3.2 Die Sowjets
3.3 Die Amerikaner
4. Das verwendete Modell
4.1 Rationales Verhalten und strategisches Verhalten
4.2 Wie arbeitet die Spieltheorie?
4.3 Strategische Züge
4.4 Die Anwendung der Spieltheorie in Kapitel 5
5. Verhandlungssituationen im Prozeß der Unabhängigkeit
5.1 Vom ersten Sajudis-Kongreß bis zur Unabhängigkeitserklärung (22. Oktober 1988 – 11. März 1990)
5.2 Von der Unabhängigkeitserklärung bis zum Rücktritt von Premierministerin Prunskiene (11. März 1990 – 6. Jänner 1991)
5.3 Von der Besetzung des Pressezentrums in Vilnius bis zur Anerkennung der Unabhängigkeit durch die Sowjetunion (11. Jänner 1991 – 6. September 1991)
6. Die Übernahme der Kontrolle im Staat
7. Zusammenfassung
Die Arbeit analysiert die politischen Erfolgsaussichten der litauischen Unabhängigkeitsbestrebungen in der hochkomplexen Machtkonstellation der Jahre 1990 und 1991. Ziel ist es, durch die Anwendung spieltheoretischer Modelle das Verhalten und die strategischen Kalkulationen der beteiligten Akteure – Litauen, der Sowjetunion und der USA – in dieser historischen Umbruchphase zu durchleuchten.
Die Frage, die ich mit dieser Arbeit beantworten will, lautet: Wie groß waren die Erfolgsaussrichten einer Unabhängigkeit Litauens in der politischen Machtkonstellation der Jahre 1990 und 1991?
Wir tendieren dazu, an die Unausweichlichkeit der Ereignisse zu glauben, die tatsächlich eingetroffen sind, und übersehen dabei oft, daß auch sie den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unterlagen. In ein Gedankenexperiment übertragen, würde die Frage in etwa lauten: Wenn eine Wiederholung der Lage Litauens zu Anfang des Jahres 1990 möglich wäre, gäbe es berechtigte Gründe zu erwarten, dass am Ende wieder ein unabhängiges Litauen steht? War die Sicherheit, die aus der oben zitierten Rede von Landsbergis spricht, berechtigt?
Die litauische Außenpolitik des Zeitraums von 11. März 1990, als der Oberste Rat der Sowjetrepublik Litauen die Unabhängigkeit erklärte, bis zum 6. September 1991, als der sowjetische Staatsrat diese Unabhängigkeit anerkannte, ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen entfaltete der litauische Unabhängigkeitsprozess weitreichende Folgen, und das Thema Litauen war ein wichtiger Faktor im Verhältnis der Sowjetunion zur USA. Zum anderen trafen die Betreiber der litauischen Unabhängigkeit folgenreiche Entscheidungen, wobei sie sich selbst und ihr Land der Gefahr einer Gewaltanwendung von Seiten der Moskauer Zentrale aussetzten.
Der Entschluss, meine Diplomarbeit über den litauischen Unabhängigkeitsprozeß zu schreiben, reifte, bevor ich im Herbst 2000 zu einem Journalistenpraktikum im Baltikum aufbrach. Als ich mich mit der jüngeren politischen Geschichte dieser Länder vertraut machte, stieß ich auf eine Reihe von Ereignissen, die zur Unabhängigkeit der baltischen Staaten geführt und zum Ende der Sowjetunion beigetragen haben. Besonders die Verhandlungen zwischen den höchsten Vertretern der Sowjetunion, des Westens und den Betreibern der Unabhängigkeit der baltischen Staaten sind interessant und geben ein dankbares Objekt einer etwas tiefergehenden Analyse ab.
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage nach den Erfolgsaussichten der litauischen Unabhängigkeit in den Jahren 1990/91 und legt die methodische Herangehensweise dar.
2. Die Vorgeschichte des litauischen Unabhängigkeitsprozesses: Beleuchtet historische Etappen, die Auswirkungen der Perestroika und den Aufstieg der Unabhängigkeitsbewegung Sajudis.
3. Die beteiligten Akteure: Charakterisiert die politischen Entscheidungsträger und Machtstrukturen in Litauen, der Sowjetunion und den USA als Hauptakteure des Prozesses.
4. Das verwendete Modell: Führt in die Spieltheorie ein und erklärt, warum rationale Wahlhandlungsmodelle zur Analyse der komplexen Verhandlungen geeignet sind.
5. Verhandlungssituationen im Prozeß der Unabhängigkeit: Rekonstruiert detailliert die strategischen Interaktionen in den verschiedenen Phasen der litauischen Unabhängigkeitserklärung bis zur internationalen Anerkennung.
6. Die Übernahme der Kontrolle im Staat: Beschreibt die Herausforderungen bei der Etablierung staatlicher Souveränität, den Abzug der sowjetischen Armee und die wirtschaftlichen Reformbemühungen.
7. Zusammenfassung: Reflektiert die Ergebnisse und zieht ein Fazit über die Rolle der Akteure und den Einfluss externer Faktoren auf den Erfolg des litauischen Staates.
Litauen, Unabhängigkeitsprozess, Sowjetunion, Spieltheorie, Vytautas Landsbergis, Perestroika, Glasnost, Sajudis, Außenpolitik, Machtkonstellation, Transformation, Verhandlungen, Nationale Souveränität, Wirtschaftsreform, Internationale Beziehungen.
Die Diplomarbeit untersucht die Dynamik und die Erfolgsaussichten der Unabhängigkeit Litauens von der Sowjetunion in den Jahren 1990 und 1991 unter Berücksichtigung der damaligen geopolitischen Machtkonstellation.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Vorgeschichte der baltischen Staaten, den beteiligten Akteuren (Litauen, Sowjetunion, USA), der Anwendung spieltheoretischer Methoden zur Analyse dieser Verhandlungen sowie der Phase des Staatsaufbaus.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie groß die tatsächlichen Erfolgsaussichten für Litauen in der gegebenen politischen Konstellation waren und ob die Unabhängigkeit ein Ergebnis rationaler strategischer Entscheidungen oder eher zufälliger Faktoren war.
Der Autor nutzt ein Modell rationaler Wahlhandlungen, insbesondere die Spieltheorie, um die strategischen Züge, Drohungen und Verhandlungsentscheidungen der verschiedenen Akteure modellhaft abzubilden und zu erklären.
Der Hauptteil gliedert den Unabhängigkeitsprozess chronologisch in verschiedene Verhandlungssituationen, von der ersten Sajudis-Kongressphase über die Unabhängigkeitserklärung bis hin zur Anerkennung durch die sowjetische Führung und der Konsolidierung der staatlichen Kontrolle.
Wichtige Begriffe sind Litauen, Unabhängigkeitsprozess, Spieltheorie, Machtkonstellation, Transformation, Verhandlungen und nationale Souveränität.
Der Autor stellt Landsbergis als eine Figur mit starkem Gerechtigkeitssinn und Festigkeit dar, die ihn zum "Vater der Unabhängigkeit" machte, attestiert ihm aber zugleich eine mangelnde Flexibilität und Kompromissbereitschaft, die ihn politisch angreifbar machte.
Der Autor argumentiert, dass Gorbatschows Reformversuche (Perestroika/Glasnost) dem Zentrum die Mittel zur Unterdrückung nahmen und Litauen die notwendige politische Dynamik verliehen, um Schritt für Schritt die Unabhängigkeit zu erzwingen, während die ökonomische Abhängigkeit vom Westen Gorbatschows Handlungsspielraum begrenzte.
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