Bachelorarbeit, 2018
30 Seiten, Note: 2.7
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Automaten in Technik und Literatur
3. Philosophische Ansichten zum Automaten
4. Das Automatenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“
4.1. Wirkung und Funktion des Automatenmädchens Olimpia
4.2. Konträre Weiblichkeitsbilder: Clara und Olimpia
4.3. Nathanael als Automat
5. Das Automatenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Die Automate“
5.1. Wirkung und Funktion des wahrsagenden Türken
5.2. Künstlichkeit oder tatsächlich Lebendigkeit?
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Automatenmotiv in den Erzählungen „Der Sandmann“ und „Die Automate“ von E.T.A. Hoffmann, wobei der Fokus auf der Funktion dieser Androiden als Spiegel für die Psyche der Protagonisten liegt.
4.1. Wirkung und Funktion des Automatenmädchens Olimpia
Die erste Begegnung mit dem Automatenmädchen Olimpia ist für Nathanael selbst nicht von großer Bedeutung. Von seiner Wohnung aus kann er in ihr Zimmer blicken und Olimpia sehen, wobei Nathanael ihre Schönheit zwar wahrnimmt, doch mit „Clara im Herzen, blieb ihm die steife, starre Olimpia höchst gleichgültig“46. Für Nathanael spielt Olimpia noch keine Rolle, da er sie unmittelbar mit seinen eigenen Augen betrachtet, was sich aber mit dem erworbenen Perspektiv von Coppola ändert. Denn sobald Nathanael Olimpia durch das Fernglas erblickt, scheint sie zum Leben zu erwachen:
„Nun erschaute Nathanael erst Olimpias wunderschön geformtes Gesicht. Nur die Augen schienen ihm gar seltsam starr und tot. Doch wie er immer schärfer und schärfer durch das Glas hinschaute, war es, als gingen in Olimpias Augen feuchte Mondstrahlen auf. Es schien, als wenn nun erst die Sehkraft entzündet würde; immer lebendiger und lebendiger flammten die Blicke“ (Der Sandmann, S.28).
Das Perspektiv des Wetterglashändlers scheint also eine magische Wirkung zu haben, denn je schärfer Nathanael hineinguckt, desto lebendiger wird das Automatenmädchen, sodass Nathanael sie nicht als einen künstlichen Menschen erkennen kann. Die tote Olimpia erhält also nur durch den Blick Nathanaels ihre Scheinlebendigkeit, die nur er wahrnimmt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Faszination für das Automatenmotiv ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Funktion der Androiden in Hoffmanns Erzählungen zu analysieren.
2. Die Geschichte des Automaten in Technik und Literatur: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von Automaten als technische Kuriositäten bis hin zu ihrem literarischen Einzug in die Romantik nach.
3. Philosophische Ansichten zum Automaten: Hier werden die mechanistischen Theorien von Philosophen wie Descartes, La Mettrie und Leibniz hinsichtlich des Verhältnisses von Körper, Seele und Maschine beleuchtet.
4. Das Automatenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“: Dieses Kapitel untersucht die Spiegelungsfunktion Olimpias für Nathanaels Psyche, das Kontrastverhältnis zu Clara und Nathanaels eigenen Verlust der Selbstbestimmung.
5. Das Automatenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Die Automate“: Der Fokus liegt hier auf der Ambivalenz des wahrsagenden Türken, der für die Protagonisten Ferdinand und Ludwig zum mysteriösen Spiegel ihrer eigenen Zukunft wird.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Automaten bei Hoffmann primär als Projektionsflächen dienen, die den Protagonisten zu Selbsterkenntnis verhelfen, aber zugleich ihre psychische Integrität gefährden.
Automatenmotiv, E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Die Automate, Androiden, Künstlichkeit, Scheinlebendigkeit, Spiegelmechanismus, Wahnsinn, Narzissmus, Romantik, Maschinenmensch, Projektionsfläche, Mechanik, Philosophie.
Die Bachelorarbeit behandelt die literarische Auseinandersetzung mit künstlichem Leben, speziell das Automatenmotiv in ausgewählten Erzählungen von E.T.A. Hoffmann.
Die Schwerpunkte liegen auf der Technikgeschichte der Automaten, der philosophischen Diskussion über die "Maschine Mensch" sowie der psychologischen Funktion von Androiden als Spiegelbilder ihrer Erschaffer oder Betrachter.
Ziel ist die detaillierte Analyse, wie Hoffmann die Automaten Olimpia und den wahrsagenden Türken nutzt, um die psychische Verfassung und den drohenden Identitätsverlust seiner Protagonisten darzustellen.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Primärtexte unter Einbeziehung von Forschungsliteratur zu Philosophie, Technikgeschichte und Hoffmanns Erzählpoetik.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-philosophische Einbettung, eine intensive Untersuchung von "Der Sandmann" (Fokus auf Olimpia und Nathanael) und "Die Automate" (Fokus auf den orakelnden Türken).
Begriffe wie Spiegelmechanismus, Scheinlebendigkeit, Narzissmus und der Kontrast zwischen Künstlichkeit und menschlicher Natur sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Das Perspektiv fungiert als entscheidendes Instrument, das die Scheinlebendigkeit der Puppe Olimpia für Nathanael erst erzeugt und seine Wahrnehmung der Realität trübt.
Während Olimpia als privater Spiegel der narzisstischen Idealfantasien Nathanaels dient, fungiert der wahrsagende Türke eher als übernatürliche Instanz, die Ferdinand und Ludwig zur Reflexion über Schicksal und Zukunft zwingt.
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