Masterarbeit, 2018
71 Seiten, Note: 2.3
1. Einleitung
1.1 Anspielungen auf Schutzengelvorstellungen im frühen Christentum
1.2 Zur Verortung des „Perlenliedes“
1.3 Struktur und Methodik
2. Zu Text und Inhalt des „Perlenliedes“
2.1 Grundzüge der Erzählung
2.2 Deutungsmöglichkeiten
3. Analogien von Schutzengelvorstellungen im „Perlenlied“
4. Religionsgeschichtliche Hintergründe zu Schutzengelvorstellungen im „Perlenlied“
4.1 Platons Seelenwanderungslehre
4.2 Die platonischen „Daimonia“ als Lebensbegleiter
4.3 Die Überlieferungen zu platonischen „Daimonia“ bei Plutarch
4.4 Traditionen des Thomasevangeliums als Parallelen zum „Perlenlied“
5. Die Verdrängung der Schutzengel aus Theologie und Kirche
5.1 Warnung vor den Engeln
5.2. Systematisch-theologische Perspektiven zur Angelologie
5.2.1 Thomas Ruster
5.2.2 Karl Rahner
5.2.3 Karl Barth
5.2.4 Wolfhart Pannenberg
5.2.5 Wilfried Härle
6. Der Glaube an Schutzengel als Phänomen der Gegenwartsreligiösität
6.1 Der Schutzengelglaube als religionssoziologisches Massenphänomen
6.2 Schutzengelvorstellungen von Jana Haas als Beispiel einer Gegenwartsreligiösität
6.3 Parallelen der Schutzengelvorstellungen von Jana Haas zu platonischen Schutzengelvorstellungen
6.4 Parallelen der Schutzengelvorstellungen von Jana Haas zum „Perlenlied“
7. Potenziale von Schutzengelvorstellungen für Theologie und Kirche in der Gegenwart
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die religionsgeschichtlichen Hintergründe und theologischen Potenziale von Schutzengelvorstellungen, wobei ein besonderer Fokus auf dem frühchristlichen „Perlenlied“ sowie dessen Parallelen zu platonischen Konzepten und zeitgenössischen esoterischen Phänomenen liegt. Ziel ist es, die systematische Verdrängung dieser Denkfigur aus der akademischen Theologie kritisch zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie das Bedürfnis nach spiritueller Begleitung wieder in den kirchlichen Kontext integriert werden kann.
1.1 Anspielungen auf Schutzengelvorstellungen im frühen Christentum
In frühchristlichen Texten, kanonisch wie außerkanonisch, sind Andeutungen auf Schutzengelvorstellungen vorzufinden. Diese Vorstellungen sind jedoch heterogen, sodass das Verständnis von Schutzengeln kein manifestiertes Konzept aufweist und sich nicht eindeutig definieren lässt. Die unterschiedlichen Anspielungen auf Schutzengelvorstellungen im frühen Christentum werden anhand ausgewählter Texte im Folgenden dargestellt.
Das Motiv des begleitenden Schutzengels erhält im apokryphen Tobitbuch eine zentrale Rolle, denn jenes setzt die Vorstellung voraus, dass jeder Mensch von einem Engel beschützt wird. So wird der Engel Raphael von Gott entsendet, um Tobias auf seiner Reise zu begleiten, wobei jener Engel wie ein menschlicher Führer wirkt, was in Tob 5, 4 mit der Beschreibung seiner menschlichen Gestalt deutlich wird: „Und er ging hinaus und fand den Engel Rafael, der bereits zur Reise gerüstet dastand. Und Tobias erkannte nicht, dass er ein Engel Gottes war [...].“ Der Schutzengel zeigt daher keine überirdischen Züge auf und drückt nicht mit seinem Aussehen, sondern vielmehr mit seiner Funktion die göttliche Macht aus. Übersinnliche und wundersame Charakteristika liegen bei Raphael somit nicht vor. Doch sein Handeln und Wirken als persönlicher Schutzengel von Tobias zeigen auf, wie die Menschen das Wohlwollen Gottes überhaupt noch erfahren können.
Aus diesem Grund handelt der Engel Raphael auf dem irdischen Plateau, sodass sein Wirken dem menschlichen Verständnis zugänglich ist. Während Raphael seinen Schützling Tobias begleitet, erfüllt er die zentrale Funktion des Heilers, indem er Sara als auch Tobit heilt (Tob 3, 17) und somit der Bedeutung seines Namens aus dem Hebräischen (Gott heilt) entspricht.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Hochkonjunktur des Glaubens an Schutzengel in der heutigen Gesellschaft und kontrastiert dies mit der systematisch-theologischen Nichtbeachtung des Themas.
2. Zu Text und Inhalt des „Perlenliedes“: Es werden die narrative Struktur der Hymne sowie die verschiedenen Möglichkeiten einer metaphorischen Deutung, insbesondere im Hinblick auf das „Strahlenkleid“, dargelegt.
3. Analogien von Schutzengelvorstellungen im „Perlenlied“: Das Kapitel untersucht, wie die Funktionen eines Schutzengels im „Perlenlied“ trotz des Fehlens des expliziten Begriffs „Engel“ metaphorisch wirksam werden.
4. Religionsgeschichtliche Hintergründe zu Schutzengelvorstellungen im „Perlenlied“: Hier werden die platonischen Konzepte der Seelenwanderung und der „Daimonia“ sowie Parallelen aus dem Thomasevangelium als historische Wurzeln diskutiert.
5. Die Verdrängung der Schutzengel aus Theologie und Kirche: Das Kapitel analysiert, warum das Thema in der Systematischen Theologie weitgehend ignoriert wurde, und prüft verschiedene moderne theologische Positionen.
6. Der Glaube an Schutzengel als Phänomen der Gegenwartsreligiösität: Der Fokus liegt auf der „Engelreligion“ als religionssoziologischem Massenphänomen und der Untersuchung zeitgenössischer Praktiken durch Beispiele wie Jana Haas.
7. Potenziale von Schutzengelvorstellungen für Theologie und Kirche in der Gegenwart: Abschließend werden Impulse für eine pastoralpsychologische Aufarbeitung der Thematik gegeben, um das Bedürfnis der Menschen nach spiritueller Orientierung kirchlich zu integrieren.
Schutzengel, Perlenlied, Engelreligion, Systematische Theologie, Platonismus, Seelenwanderung, Daimonion, Gegenwartsreligiösität, Angelologie, Lebensaufgabe, Spiritualität, Seelsorge, Jana Haas, Religionssoziologie, Thomasakten
Die Arbeit untersucht das Wiederaufleben des Glaubens an Schutzengel in der heutigen Gesellschaft und analysiert, warum dieses Thema in der akademischen Theologie weitgehend verdrängt wird, während es im spirituellen Sektor boomt.
Die Schwerpunkte liegen auf dem frühchristlichen „Perlenlied“, der platonischen Philosophie (insbesondere der Seelenwanderung und der Dämonenlehre) sowie der Analyse moderner esoterischer Strömungen und ihrer Bedeutung für die Seelsorge.
Das Ziel ist es, das „Perlenlied“ als christliches Zeugnis für Schutzengelvorstellungen zu etablieren und aufzuzeigen, wie Kirche und Theologie diesen Impuls nutzen können, um Menschen in Lebenskrisen spirituell besser zu begleiten.
Die Arbeit nutzt eine religionsgeschichtliche und systematisch-theologische Analyse, um Texte aus dem frühen Christentum und der Philosophie mit aktuellen soziologischen und esoterischen Phänomenen zu vergleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Perlenliedes“, die Rückführung der Engelvorstellungen auf antike platonische Wurzeln, die Kritik an der angelologischen Verdrängung in der Dogmatik sowie eine Fallstudie zum zeitgenössischen Engelglauben.
Zentrale Begriffe sind neben Schutzengel und Perlenlied auch die „Engelreligion“, das „Daimonion“ bei Platon/Plutarch, die Seelenwanderung und die Relevanz der Lebensaufgabe.
Während der biblische Schutzengel meist als von Gott gesandtes, oft menschenähnliches Wesen auftritt, wird das platonische „Daimonion“ als göttlicher Anteil oder begleitender Geist verstanden, der den Prozess der Seelenentwicklung und der Selbstverwirklichung steuert.
Die Arbeit argumentiert, dass die sogenannte „Engelreligion“ ein modernes religionssoziologisches Phänomen ist, das für Menschen attraktiv ist, weil es individuelle Erfahrungen und Freiheit in den Vordergrund stellt, ohne an starre kirchliche Dogmen gebunden zu sein.
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