Diplomarbeit, 2005
81 Seiten, Note: sehr gut
1 Einleitung
2 Kunde und sozialer Markt
2.1 Soziale Dienstleistung in Non-Profit-Unternehmen zwischen Qualität und Ökonomie
2.2 Kundenverständnis und Kundenrolle in sozialen Unternehmen
2.3 Markterschließung und „neue Kunden“
3 Menschen im Wachkoma
3.1 Wachkoma – ein medizinisches Phänomen zwischen Leben und Tod oder Wachheit und tiefem Schlaf
3.2 Medizinische und soziale Rollenzuschreibung von „Wachkoma-Patienten“
3.3 Das Kundendasein in der Abhängigkeit
4 Kommunikation mit Menschen im Wachkoma
4.1 Nonverbale Kommunikation nach Watzlawick
4.2 „Echte Kommunikation“ und der „Kontakt“ nach F. Perls
4.3 Elementare Kommunikationsformen der heilpädagogischen Praxis
4.3.1 Basale Kommunikation nach Winfried Mall
4.3.2 Heilpädagogisch-musiktherapeutische Kommunikation
4.3.2.1 Exkurs: Der Einsatz der menschlichen Stimme in der heilpädagogisch-musiktherapeutischen Kommunikation
4.4 Kommunikation mit Menschen im Wachkoma gemeinsam mit deren Angehörigen als weitere Kunden
5 Praxisdarstellung – wie erlebe ich Kunden in der Kommunikation im Wachkoma und deren Angehörige ?
5.1 Die Anfrage und das Konzept der regionalen Dienstleistung
5.1.1 Die Anfrage
5.1.2 Regionale Dienstleistung als konzeptionelle Intention
5.2 Erstes Kennen lernen und erste Kommunikation mit einem Mädchen im Wachkoma und ihren Angehörigen
5.2.1 Erster Eindruck
5.2.2 Wie habe ich Angefangen – meine Vorüberlegungen und erstes Ausprobieren des Mediums Musik in der Kommunikation mit dem Mädchen im Wachkoma
5.2.3 Erste Begegnungen – ein bewegendes Erleben
5.3 Entwicklung einer Heilpädagogisch-musiktherapeutischen Kommunikation mit dem System Familie als Kunde
5.3.1 Ablauf einer Einheit „Begegnung und Kommunikation mit Musik“
5.4 Das Erleben von Kommunikation, Kontakt und Beziehungen im Kundenverhältnis
5.4.1 Einbeziehung und Erleben unterschiedlicher Angehöriger
5.4.2 Wandlungen und Sensibilisierungen durch Reflexionen
5.4.3 Erlebnisse vor und Reflexionen nach dem Tod von Jirina
6 Kunde-Koma-Kommunikation – ein Spannungsfeld im Blickwinkel von phänomenologischer, dialogphilosophischer, religionsphilosophischer und wortsemantischer Reflexion
6.1 Die phänomenologische Reduktion nach Husserl
6.2 Das dialogische Prinzip nach Buber
6.3 Die sinnlich-ursprüngliche Kommunikation nach Lévinas
6.4 Gottes Anruf oder das „Drei-Eins-Sein“ nach Jörg Splett
6.5 Begriffsbestimmungen und Begriffsrückführungen:
6.5.1 Der Begriff „Kunde“ zunächst nach Grimm`s Wörterbuch
6.5.2 Der Begriff „Kommunikation“
6.5.3 Der Begriff „(Wach)koma“ und seine Geschichte
6.6 Neuausrichtung eines Kundenverständnisses durch Impulse der Philosophie und der Wortsemantik
7 Folgerungen und Konsequenzen für die Heilpädagogik
7.1 Widerstand und Ruf des Anderen versus Verdinglichung des Anderen (Kundschafter versus Kundschaft)
7.2 Dienstgemeinschaft versus Dienstleistung
7.3 Gemeinsames Leben und Lernen in „Resonanz im Trialog“
8 Zusammenfassung und Schlussbemerkung
9 Persönliche Reflexion
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Kundenbegriffs im Kontext der heilpädagogischen Kommunikation mit Menschen im Wachkoma. Ziel ist es, ein neues, vertieftes Verständnis von „Kunde“ zu entwickeln, das über rein ökonomische Aspekte hinausgeht und das zwischenmenschliche Miteinander in den Vordergrund rückt.
4.1 Nonverbale Kommunikation nach Watzlawick
ZIEGER betont, dass es bei Menschen im Wachkoma um ein positives Gelingen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens, der „zwischenleiblichen Kommunikation und des körpernahen Dialogaufbaus“ mit dem Anderen geht (vgl. ZIEGER 2001 : 2). Diese Erfahrung des Wachkoma-Forschers unterstreicht die These von Paul WATZLAWICK als erstes pragmatisches Axiom seiner Kommunikationstheorie: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (WATZLAWICK u.a. 1996 : 53). Er erinnert damit, dass das „Material“ jeglicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, sondern auch alle paralinguistischen Phänomene (wie z.B. Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen und Seufzen), Körperhaltung, Ausdrucksbewegungen (Körpersprache) usw. innerhalb eines bestimmten Kontextes umfasst – kurz, Verhalten jeder Art.
Verhalten hat vor allem eine Eigenschaft, die so grundlegend ist, dass sie oft übersehen wird: Verhalten hat kein Gegenteil, oder um dieselbe Tatsache noch simpler auszudrücken: Man kann sich nicht nicht verhalten. Wenn man also akzeptiert, dass alles Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Mitteilungscharakter hat, d.h. Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann (vgl. WATZLAWICK u.a. 1996 : 51).
Watzlawick unterscheidet in seiner weiteren Theorie der Kommunikations-Axiome die stark inhalbsbezogene und wissensvermittelnde digitale Kommunikation von der beziehungsvermittelnden und völkerarchaischen analogen Kommunikation. Tinbergen, Lorenz und Bateson entdeckten, dass Tiere auf die Worte der Tierbesitzer nicht inhaltsbezogen sondern aufgrund der analogen Kommunikation auf den Ton der Sprache mitsamt ihrer Gestik reagieren. Diese Form der Kommunikation ist besonders bedeutend überall dort, wo Beziehung zum zentralen Thema der Kommunikation wird und das nach WATZLAWICK in zahllosen Situationen des menschlichen Lebens vor allem im Umgang mit sehr kleinen Kindern und schwer gestörten Patienten. WATZLAWICK. folgert daraus: „eine Geste oder Miene sagt uns mehr darüber , wie ein anderer über uns denkt, als hundert Worte“ (vgl. WATZLAWICK u.a. 1996 : 64).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung menschlicher Beziehungen und führt in das Spannungsfeld der Begriffe Kunde, Koma und Kommunikation ein.
2 Kunde und sozialer Markt: Dieses Kapitel analysiert, wie sich das Verständnis von Qualität und Kundenorientierung im sozialen Bereich gewandelt hat und welche Auswirkungen dies auf Einrichtungen hat.
3 Menschen im Wachkoma: Hier werden das medizinische Phänomen Wachkoma sowie die damit verbundenen sozialen Rollenzuschreibungen und die existenzielle Abhängigkeit der Betroffenen erörtert.
4 Kommunikation mit Menschen im Wachkoma: Dieses Kapitel stellt theoretische Grundlagen der Kommunikation nach Watzlawick und Perls sowie heilpädagogische Methoden, insbesondere die musiktherapeutische Kommunikation, vor.
5 Praxisdarstellung – wie erlebe ich Kunden in der Kommunikation im Wachkoma und deren Angehörige ?: Die Praxisdarstellung veranschaulicht den Einsatz musiktherapeutischer Maßnahmen und den systemischen Umgang mit betroffenen Familien anhand eines konkreten Fallbeispiels.
6 Kunde-Koma-Kommunikation – ein Spannungsfeld im Blickwinkel von phänomenologischer, dialogphilosophischer, religionsphilosophischer und wortsemantischer Reflexion: Das Kapitel bietet eine tiefgehende philosophische Reflexion, die das Miteinander über die Ansätze von Husserl, Buber, Lévinas und Splett neu bestimmt.
7 Folgerungen und Konsequenzen für die Heilpädagogik: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete heilpädagogische Handlungsanweisungen überführt, insbesondere im Hinblick auf den "Trialog" zwischen Patient, Angehörigen und Fachdienst.
8 Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Die Zusammenfassung führt die wesentlichen Argumente der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer spirituell fundierten, empathischen Kommunikation.
9 Persönliche Reflexion: Der Autor reflektiert seinen persönlichen Lernprozess während der Arbeit und ordnet das Thema in den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs ein.
Wachkoma, Kundenbegriff, Heilpädagogik, Musiktherapie, Kommunikation, Dialog, Phänomenologie, Soziale Arbeit, Angehörigenarbeit, Ethik, Existenzphilosophie, Basale Kommunikation, Verantwortung, Resonanz.
Die Arbeit untersucht den Wandel des Kundenbegriffs im Sozialwesen und dessen Anwendung auf die heilpädagogische Arbeit mit Menschen im Wachkoma.
Im Zentrum stehen die ökonomische Ausrichtung sozialer Einrichtungen, die theoretischen Ansätze der Kommunikation (verbal und nonverbal) sowie die philosophische Fundierung menschlicher Begegnung.
Das Ziel ist eine Neubestimmung des Kundenverständnisses, um Menschen im Wachkoma nicht nur als passive Empfänger von Dienstleistungen, sondern als aktive Partner in einem zwischenmenschlichen Dialog wahrzunehmen.
Der Autor verbindet deskriptive Fallbeschreibungen aus der eigenen musiktherapeutischen Praxis mit einer philosophischen Reflexion existenzialistischer, dialogischer und religionsphilosophischer Ansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung konkreter heilpädagogischer Kommunikationsformen (Musiktherapie, basale Kommunikation) und eine tiefgehende philosophische Reflexion der Begriffe Kunde, Koma und Kommunikation.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "Resonanz", das "Kundig-Sein", "Begegnung" und die "Dienstgemeinschaft" anstelle einer rein profitorientierten Dienstleistung.
Musik wird als zentrales Medium genutzt, um eine "basale Kommunikation" zu ermöglichen, die körpernahe Signale (wie Atemrhythmen) aufgreift und den Klienten in seiner Individualität anerkennt.
Angehörige werden als notwendige Begleiter und "System" begriffen; sie fungieren als Experten für die feinen Signale des Patienten und werden ebenfalls als "Kunden" in den heilpädagogischen Prozess integriert.
Der Autor arbeitet die Spannung heraus, dass moderne Dienstleistungsstrukturen ökonomisch motiviert sind, aber durch ein "Zeugenverständnis" und den Fokus auf den Menschen als "Du" zu einer erfüllten, persönlichen Begegnung transzendiert werden können.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

