Bachelorarbeit, 2018
59 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Rollenzuschreibungen in Erstlesefibeln
2.1 Theoretischer Zugang
2.1.1 Metatheoretische Bestimmung
2.1.2 Thematische Verortung basierend auf Butler und Foucault
2.2. Geschlechterverständnis in der DDR und aktuelle Tendenzen
2.2.1 Das Rollenverständnis der DDR
2.2.2 Der Wandel des Rollenbildes und aktuelle Tendenzen
3. Untersuchungszeitraum und Datenmaterial
3.1 Untersuchungszeitraum
3.1.1 Periodisierung
3.1.2 Bildungspolitische und pädagogische Rahmenbedingungen
3.2. Datenmaterial
3.2.1 Der Verlag „Volk und Wissen“ und seine Sonderstellung
3.2.2 Ausgewählte Fibeln des Verlages „Volk und Wissen“
4.Methodik
4.1 Methodische Grundlagen
4.2 Methodische Untersuchung der Quellen
5. Ergebnisse und Diskussion
5.1 Analyseergebnisse
5.2 Diskussion im Anschluss an Judith Butler
6. Zusammenfassende Darstellung und Fazit
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
7.1 Literatur
7.2 Erstlesewerke
8. Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Erstlesewerke des ostdeutschen Verlages „Volk und Wissen“ von 1968 bis heute, inwieweit sich die Restauration von Rollenstereotypen präzisieren lässt. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich in diesen Lehrmaterialien ein differenzierteres Geschlechterbild erst nach der Wende verfestigte und welche Rolle aktuelle Retraditionalisierungstendenzen spielen.
2.1.2 Thematische Verortung basierend auf Butler und Foucault
Diese Passage beschäftigt sich mit den Grundzügen der feministischen Theorie Judith Butlers und ihre theoretischen Annahmen zur Thematik der Rollenverteilung. Im Abschluss des Kapitels findet sich eine kurze Darstellung der Verknüpfung von Foucault in Butlers Werk. Hannelore Bublitz und Paula-Irene Villa haben sich in zahlreichen Schriften mit Butler auseinandergesetzt. Für die folgende Darstellung wird daher autoritativ auf ihre Interpretationen Bezug genommen. Butler gilt als Vorreiterin, wenn nicht gar Initiatorin der ‚linguistischen Wende‘ in der feministischen Theorie, bzw. der Gender Studies (Villa, 2012, p. 19). Das theoretische Werk Butlers lässt sich, Bublitz folgend, vornehmlich um fünf Komplexe anordnen: (1) ihr Theorieprogamm mit seinen sprachphilosophischen und diskurstheoretischen Grundannahmen, (2) ihre Kritik am Identitäts- und Subjektbegriff, sowie das Konstrukt des normativen Geschlechterapparats, (3) Butlers philosophischer Entwurf der Darstellung subjekttheoretischer Annahmen und Dimensionen performativer Machtwirkungen und die darauf resultierende (4) politische Philosophie (Bublitz, 2010, pp. 14–15). Das Augenmerk in dieser Arbeit liegt indes (5) in Butlers genuin feministischer Theorie. In ihr geht es um die Frage, wie zentrale Strukturen des Denkens der Zweigeschlechtlichkeit normative Wirkungen entstehen lassen (ebd., p.15). In all diesen Komplexen untersucht sie die Frage nach dem Zusammenhang der Phänomene Macht, Geschlecht, Sexualität und Identität (ebd., p. 49). Der folgende Abschnitt wird sich hauptsächlich mit diesem letztgenannten Topos beschäftigen.
„Die feministische Theorie ist zum größten Teil davon ausgegangen, dass eine vorgegebene Identität existiert, die durch die Kategorie ‚Frau(en)‘ bezeichnet wird.“ (Butler, 2016, p. 15) Eine solche homogene Gruppe mit gleichen Interessen und Merkmalen existiert jedoch nicht (vgl. Bublitz, 2010, p. 49; Butler, 2016, p. 15). Bublitz zufolge habe der Feminismus die Vorstellung von Anatomie als Schicksal abgelehnt, aber dennoch die Sichtweise einer patriarchalischen Kultur verinnerlicht. Ein binäres zweigeschlechtliches System sei kulturell nicht vermeidbar (Bublitz, 2010, pp. 49-50).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob sich durch Erstlesewerke eines ostdeutschen Verlages die Restauration von Rollenstereotypen nachweisen lässt.
2. Rollenzuschreibungen in Erstlesefibeln: Dieser Teil erörtert den theoretischen Rahmen des Poststrukturalismus sowie das Geschlechterverständnis der DDR und aktuelle gesellschaftliche Tendenzen.
3. Untersuchungszeitraum und Datenmaterial: Hier werden die historische Periodisierung der DDR-Bildungspolitik und die Auswahl der untersuchten Fibeln begründet.
4.Methodik: Die Autorin legt die methodische Vorgehensweise dar, die auf der Grounded Theory, der Bildanalyse und der kritischen Diskursanalyse basiert.
5. Ergebnisse und Diskussion: Die Ergebnisse der Untersuchung werden präsentiert und im Anschluss an die Theorien von Judith Butler diskursanalytisch diskutiert.
6. Zusammenfassende Darstellung und Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Retraditionalisierung von Rollenbildern zusammen und vergleicht diese mit den Ansprüchen einer Gendernormen-befreiten Bildung.
Erstlesewerke, DDR, Rollenstereotype, Geschlechterverständnis, Retraditionalisierung, Grounded Theory, Judith Butler, Poststrukturalismus, Schulbuchforschung, Emanzipation, Zweigeschlechtlichkeit, Bildanalyse, Geschlechterrolle, Sozialisation, Volk und Wissen.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Rollenbildern in ostdeutschen Erstlesewerken (Fibeln) des Verlages „Volk und Wissen“ über einen Zeitraum von 1968 bis 2015.
Im Fokus stehen die Rollenzuschreibungen von Mann und Frau, die Entwicklung der Geschlechterverständnisse in der DDR und deren Wandel nach der Wende bis in die Gegenwart.
Ziel ist es zu analysieren, ob sich eine Restauration von Rollenstereotypen in diesen Fibeln nachweisen lässt und wie sich das Geschlechterbild über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Die Autorin verwendet die Grounded Theory als methodisches Verfahren, kombiniert mit Ansätzen der visuellen Bildanalyse und der kritischen Diskursanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (u.a. durch Judith Butler), eine historische Kontextualisierung der DDR-Bildungspolitik sowie eine empirische Analyse und Diskussion der Fibeln.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rollenstereotype, Retraditionalisierung, Gender Studies, DDR-Fibeln, Bildinterpretation und das sogenannte Adult Worker Model.
Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere in der aktuellen Ausgabe von 2015 wieder verstärkt stereotype Rollenbilder und eine „Pinkifizierung“ bei der Darstellung von Mädchen auftreten.
Es hilft zu verstehen, dass die DDR-Frauenpolitik zwar staatlich gelenkt war, aber die tatsächliche Aufteilung von Hausarbeit und Beruf auch dort ein ambivalentes Thema blieb.
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