Examensarbeit, 2010
65 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Hochindustrialisierung und soziale Frage im wilhelminische Kaiserreich
2.1 Die Phase der Hochindustrialisierung um 1870
2.2 Die soziale Frage
2.3 Die Sozialdemokratie und das Sozialistengesetz
3. Der Protestantismus und die soziale Frage
3.1 Der Kulturkampf
3.2 Sozialer Protestantismus?
3.3 Kirchenparteien: Liberale, Konservative und die „Mittelpartei“
3.4 Themen und Gedanken der Theologie: Liberale und „Positive“
4. Adolf Stoecker: Rechristianisierung und Sozialpolitik
4.1 Stoeckers Werdegang bis 1874
4.1.1 Theologische Grundgedanken Stoeckers
4.1.2 Das Konzept der Volkskirche
4.2 Stoecker in Berlin
4.2.1 Stoeckers kirchenpolitische Position
4.2.2 Die Berliner Stadtmission
4.3 Stoecker als Politiker
4.3.1 Politik als „Seelsorge am Volk“
4.3.2 Stoeckers Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie
4.3.3 Stoeckers „Sozialismus“
4.3.4 Stoeckers Nationalismus
4.3.5 Die Eiskellerversammlung 1878
4.3.6 Die Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei
4.3.7 Die Entwicklung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei
4.4 Stoecker als Redner
4.4.1 „Die soziale Frage ist die Judenfrage“
4.4.2 Die Berliner Bewegung
4.4.3 Stoeckers Antisemitismus und demagogische Rhetorik
4.4.4 Stoecker und die Jugend
4.5 Der Evangelisch-Soziale Kongress
4.5.1 Die Entwicklung des Evangelisch-Sozialen Kongresses
4.6 Der „Fall“ Stoecker
4.7 Die Wirkungsgeschichte Stoeckers
5. Schlussbetrachtungen
6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Adolf Stoecker im Kontext der sozialen Frage während der Hochindustrialisierung im wilhelminischen Kaiserreich und analysiert, inwiefern seine politische und soziale Agenda zur Rechristianisierung der Arbeiterschicht beitrug.
4.3.1 Politik als „Seelsorge am Volk“
In Rekapitulation seines Wirkens beschrieb Stoecker 1906 seine politische und agitatorische Arbeit als „Seelsorge am Volk“.99 Um die Menschen wieder für die evangelische Kirche zu gewinnen, war es nötig, sie auf ihre Nöte und Sorgen anzusprechen, ihnen einen Ausweg zu weisen und die für ihre schlimme Lage Verantwortlichen klar zu benennen. Dabei war Stoecker, gerade im Eifer der politischen Debatte, nicht zurückhaltend in der Wahl seiner Mittel. Sie reichten von gezielter Übertreibung und Polemik bis hin zur Demagogie.
Im Dezember 1877 unternahm Stoecker seine erste Schritte in Richtung aktive Politik. Er gründete gemeinsam mit den Nationalökonomen Rudolf Meyer und Adolph Wagner100 und dem Brandenburger Pfarrer Rudolf Todt den „Central-Ausschuss101 für Socialreform auf religiöser und konstitutionell-monarchischer Grundlage“.102 Der Name dieses Vereins bildet sogleich anschaulich Stoeckers (sozial-) politisches Programm ab. Der „Central-Verein“ befasste sich auf theoretischer Ebene mit der sozialen Frage. Es wurden aber auch Forderungen nach Gründung einer christlich-sozialen Partei laut. Diese Forderung sollte Stoecker bald in die Tat umsetzen.103
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsperspektive auf das Leben und Wirken von Adolf Stoecker im wilhelminischen Kaiserreich dar und benennt den Fokus der Arbeit auf das soziale Engagement und die Sozialpolitik des Hofpredigers.
2. Hochindustrialisierung und soziale Frage im wilhelminische Kaiserreich: Dieses Kapitel zeichnet die politische Neugründung des Kaiserreiches sowie die tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen durch die Hochindustrialisierung nach, die zu einer neuen sozialen Schichtung im Proletariat führten.
3. Der Protestantismus und die soziale Frage: Das Kapitel analysiert die zwiespältige Haltung des deutschen Protestantismus, der einerseits als Stütze des Obrigkeitsstaates fungierte, andererseits durch den Kulturkampf in seiner Selbstwahrnehmung und seinem Verhältnis zur wachsenden Arbeiterschaft erschüttert wurde.
4. Adolf Stoecker: Rechristianisierung und Sozialpolitik: Der Hauptteil untersucht detailliert Adolf Stoeckers Werdegang, sein Konzept der Volkskirche, seinen Eintritt in die aktive Politik durch die Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei und seine zunehmend antisemitisch geprägte Agitation.
5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit resümiert das politische Scheitern Stoeckers, das durch die Unvereinbarkeit seiner Ämter, eine oft kurzsichtige Wahl der Mittel und eine demagogische Rhetorik begründet war, die letztlich zur Spaltung statt zur erhofften Rechristianisierung beitrug.
6. Anhang: Der Anhang bietet eine umfassende Auflistung der verwendeten Literatur, Quellen und Lexikonartikel, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Adolf Stoecker, Soziale Frage, Wilhelminisches Kaiserreich, Christlich-soziale Arbeiterpartei, Protestantismus, Volkskirche, Antisemitismus, Berliner Stadtmission, Sozialdemokratie, Rechristianisierung, Christlicher Sozialismus, Konservatismus, Demagogie, Industrialisierung, Evangelisch-Sozialer Kongress.
Die Arbeit beleuchtet das Leben und das politische Handeln von Adolf Stoecker im Kontext des wilhelminischen Kaiserreichs, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf seinen Bemühungen liegt, die Arbeiterschaft mittels christlicher Sozialpolitik und Rechristianisierung an Kirche und Monarchie zu binden.
Zu den zentralen Themen gehören die sozioökonomische Lage im späten 19. Jahrhundert, das Verhältnis zwischen Protestantismus und Staat, der Aufstieg der Sozialdemokratie sowie die politische Radikalisierung Stoeckers durch Antisemitismus.
Das Ziel ist es, Stoeckers sozialen Anspruch, die prekäre Lebenssituation der Arbeiterschaft durch kirchliche Reformen zu verbessern, kritisch zu hinterfragen und die Konsequenzen seiner politisch-agitatorischen Arbeit zu bewerten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur, um Stoeckers Wirken chronologisch und ideengeschichtlich einzuordnen.
Der Hauptteil widmet sich Stoeckers Werdegang, seinen kirchenpolitischen Positionen, seiner Tätigkeit als Stadtmissionsleiter, seinen Versuchen der Parteigründung und seiner zunehmenden Anwendung antisemitischer Rhetorik in der politischen Auseinandersetzung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Soziale Frage", "Volkskirche", "Antisemitismus", "Protestantismus" und "Christlich-soziale Arbeiterpartei" geprägt.
Der Begriff bezieht sich auf Stoeckers Argumentation, dass die vermeintliche Übermacht des modernen Judentums im öffentlichen Leben als Wurzel der sozialen Missstände anzusehen sei, was er zur Rechtfertigung seiner Ausgrenzungspolitik nutzte.
Stoecker sah in der politisch heimatlosen Jugend und den Studenten Multiplikatoren für sein Gedankengut, die er in Vereinen wie dem VdSt organisierte, um eine "Erneuerung" des deutschen Volkes voranzutreiben.
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