Bachelorarbeit, 2016
37 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Das Vorurteil
2.2. Offene und Subtile Vorurteile
2.3. Diskriminierung als Folge
2.4. GMF - Ideologie der Ungleichwertigkeit
3. Antisemitismus
3.1. Definition
3.2. Sekundärer Antisemitismus
3.3. Forschungsstand
4. Islamfeindlichkeit
4.1. Definition
4.2. Forschungsstand
5. Der Vergleich
5.1. Strukturprinzipien des Antisemitismus
5.2. Personifizierung
5.3. Manichäisches Denken
5.4. Konstruktion Kollektiver Identität
5.5. Zwischenfazit
6. Rechter und linker Antisemitismus
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Determinanten von Islamfeindlichkeit und Antisemitismus im Kontext der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (GMF), um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Vorurteilsstrukturen beider Phänomene herauszuarbeiten.
5.2 Personifizierung
Bezogen auf den Antisemitismus verbirgt sich hinter dem Strukturprinzip „Personifizierung“ der Befund, den sozialen Wandel der Moderne, der als abstrakt und rätselhaft empfunden wird, in eine erfassbare, konkrete Form zu bringen. Dabei werden allerdings „die Juden“ mit gesellschaftlichen Prozessen wie Modernisierung und Ökonomisierung identifiziert (vgl. Haury 2002: 106f.). Somit werden Juden zu Hauptverantwortlichen eigener gesellschaftlicher Missstände gemacht, mit dem Ziel die Komplexität der Wirklichkeit zu reduzieren. Außerdem verbirgt sich dahinter eine jüdische Konnotation mit dem Kapitalismus bzw. mit dem Geld.
Durch diese Konkretisierung liefert der Antisemitismus eine Art Gesellschaftstheorie, die in der Lage zu sein scheint, insbesondere ökonomische Gesetzmäßigkeiten zu erklären (vgl. Beyer 2015). Ein Kampf gegen den Kapitalismus wird dadurch auch zu einem Kampf gegen „die Juden“ stilisiert. Dieses Bild ist in verschiedenen sozialen Gruppen (Linke und Rechte z.B.) anschlussfähig und suggeriert außerdem eine gewisse „Macht“ bei den Juden, die das Kapital, die Medien, sowie die Politik besitzen würden (vgl. Müller 2010).
Werden die Erklärungsmuster der islamfeindlich eingestellten Menschen in den Fokus gerückt, so erschließt sich ein Bild über die Muslime, der alles andere als „mächtig“ ist. Die Argumentationsweise erfolgt „von oben nach unten“ (ebd.). Pauschal werden Muslime und ihre Religion, in kolonialistischer und rassistischer Weise, als zurückgeblieben und unaufgeklärt diskriminiert. Dem Islam wird vorgeworfen keine Aufklärung genossen zu haben und frauenfeindlich eingestellt zu sein und mit Despotismus und Fanatismus sowie Fundamentalismus wesensgleich zu sein (vgl. Hafez 2010: 111). Dadurch betrachten islamfeindlich gesinnte Akteure sich als Beschützer der modernen „westlichen“ Zivilisation.
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und Erläuterung der Relevanz der Untersuchung von Islamfeindlichkeit und Antisemitismus.
2. Theoretische Grundlagen: Definition von Vorurteilen, deren Subkategorisierung in offene und subtile Formen sowie die Erläuterung von Diskriminierung und des GMF-Konzepts.
3. Antisemitismus: Untersuchung des modernen Antisemitismusbegriffs, des sekundären Antisemitismus und des wissenschaftlichen Forschungsstandes.
4. Islamfeindlichkeit: Klärung der Begrifflichkeiten, Definition des Phänomens und Einordnung der aktuellen Forschungsergebnisse.
5. Der Vergleich: Vergleichende Analyse der beiden Phänomene anhand der Strukturprinzipien von Thomas Haury sowie ein Zwischenfazit.
6. Rechter und linker Antisemitismus: Spezifische Betrachtung der Determinanten im rechten und linken politischen Spektrum bezüglich des Antisemitismus.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Beantwortung der aufgestellten Hypothese.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Vorurteile, Diskriminierung, Ideologie der Ungleichwertigkeit, Personifizierung, Manichäisches Denken, Identitäre Kollektive, Schuldabwehr, Antizionismus, Rechtspopulismus, Sozialpsychologie, Moderne.
Die Arbeit analysiert die Phänomene Antisemitismus und Islamfeindlichkeit als Ausprägungen der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ und vergleicht deren zugrundeliegende Mechanismen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Vorurteilsbildung, der Definition beider Feindbilder sowie deren wissenschaftlichem Forschungsstand.
Das Ziel ist es, die Determinanten beider Phänomene zu identifizieren und zu untersuchen, ob die Islamfeindlichkeit denselben Strukturprinzipien des Antisemitismus folgt.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, basierend auf den von Thomas Haury formulierten Strukturprinzipien (Personifizierung, Manichäismus, Konstruktion identitärer Kollektive).
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen und der Forschungsstand dargelegt, gefolgt von einer detaillierten vergleichenden Anwendung der Strukturprinzipien sowie einer Differenzierung zwischen rechtem und linkem Antisemitismus.
Wichtige Begriffe sind Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Vorurteile, Diskriminierung und die Ideologie der Ungleichwertigkeit.
Während beim Antisemitismus oft das Bild des „mächtigen, reichen Juden“ (als Lenker im Hintergrund) dominiert, werden Muslime im islamfeindlichen Diskurs als „minderwertig“ oder „zurückgeblieben“ dargestellt, von denen man die „westliche Zivilisation“ beschützen müsse.
Sie beschreibt den psychologischen Mechanismus, bei dem Schuldgefühle bezüglich des Holocausts verdrängt und rationalisiert werden, indem die Schuld indirekt den Opfern bzw. dem jüdischen Mitbürger zugeschrieben wird.
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