Bachelorarbeit, 2015
51 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten
2.1 Widerstand als politischer Widerstand
2.2 Politischer Widerstand und Widerstandsrecht
2.3 Politischer Widerstand in der Literatur
3 Empört Euch! – mehr als nur ein Aufruf zu politischem Widerstand
3.1 Aktualität von politischem Widerstand
3.2 Systematisierung von politischem Widerstand
3.2.1 Ursprung der Empörung und des politischen Widerstandes
3.2.2 Wesen der Empörung und des politischen Widerstandes
3.2.3 Umsetzung der Empörung und des politischen Widerstandes
4 Politischer Widerstand in Heinrich von Kleists Erzählung Michael Kohlhaas
4.1 Politischer und (rechts-)philosophischer Entstehungskontext
4.2 Ursprung des politischen Widerstandes im Kohlhaas
4.2.1 Der konkrete Unrechtsfall: Eine „Gewalttätigkeit“
4.2.2 Zu „den Wilden der Einöde“ verstoßen – Kohlhaas’ Rechtsverständnis
4.3 Wesen des politischen Widerstandes im Kohlhaas
4.3.1 „Leidenschaftliches politisches Wollen“ oder „stockblinde Leidenschaft“?
4.3.2 Die Verantwortung des Einzelnen: „Der Welt in der Pflicht verfallen“
4.3.3 „So zweifle ich nicht“ – die implizite Hoffnung auf Erfolg
4.4 Umsetzung des politischen Widerstandes im Kohlhaas
4.4.1 Die Versperrung des Rechtsweges: Fiat potestas et pereat iustitia
4.4.2 Gewalttätige Selbsthilfe: Fiat iustitia et pereat mundus
5 Politischer Widerstand in Friedrich Schillers Drama Die Räuber
5.1 Politischer und philosophischer Entstehungskontext
5.2 Ursprung des politischen Widerstandes in den Räubern
5.2.1 Menschen als „Krokodilbrut“ – Familienintrige und persönliche Enttäuschung
5.2.2 Ordnungsverlust im „schlappen Kastratenjahrhundert“
5.3 Wesen des politischen Widerstandes in den Räubern
5.3.1 Leidenschaft eines „idealistische[n] Schwärmer[s]“
5.3.2 Der Idee der Gerechtigkeit verpflichtet?
5.3.3 Treibende Verzweiflung statt treibender Hoffnung
5.4 Umsetzung des politischen Widerstandes in den Räubern
5.4.1 Verzweifelte und willkürliche Gewalt
5.4.2 Von der Erkenntnis der Ambivalenz zur Resignation
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen des politischen Widerstands in der Literatur jenseits der bekannten literarischen Auseinandersetzungen mit der Zeit nach 1945 zu untersuchen. Anhand von Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" und Friedrich Schillers "Die Räuber" wird analysiert, wie politischer Widerstand vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche der Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert narratologisch und ideengeschichtlich umgesetzt wird, wobei Stéphane Hessels Essay "Empört Euch!" als systematischer Bezugsrahmen dient.
4.2.2 Zu „den Wilden der Einöde“ verstoßen – Kohlhaas’ Rechtsverständnis
Während das unrechtmäßige Vorgehen des Junkers und seiner Gefolgschaft den ursprünglichen Auslöser der Empörung des Kohlhaas’ darstellt, ist es ihm innerhalb des sich auftuenden Konfliktes „nicht um die Pferde zu tun“ (KH, 20), was auch seine Gleichgültigkeit jenen gegenüber beweist, nachdem sie beim Überfall auf die Tronkenburg befreit werden.62 Es geht nicht um materielle Güter – die Auseinandersetzung rund um diese bezeichnet nur die oberflächliche Ausformung des Konflikts. Die grundlegenden Ursachen seiner Empörung und des daraus resultierenden Widerstandes sind tiefschürfender. Sein Rechtsverständnis, von dem immer wieder dargestellt wird, wie sehr es ein fundamentales Charakteristikum im Konstrukt seiner Figur bildet, ist auf mehreren Ebenen verletzt worden. Einerseits sieht er sich durch das Vorgehen auf der Tronkenburg in seiner Menschenwürde verletzt, die zentral für sein Rechtsverständnis ist:63 „Lieber ein Hund sein, wenn ich von Füßen getreten werden soll, als ein Mensch“ (KH, 24), beklagt er gegenüber seiner Frau Lisbeth. Andererseits versagt die Justiz aufgrund ihrer verfilzten Strukturen dahingehend, seine Klage gegen den Junker anzuerkennen, seine verletzte Würde auf Rechtswegen wiederherzustellen und verfehlt damit in letzter Instanz ihre Pflicht, Kohlhaas in seinen fundamentalen Rechten als Staatsbürger zu schützen.
In dieser zweiten Ursache seiner Empörung wird die Nähe zur naturrechtlichen Position und Argumentation Rousseaus deutlich:64 „[…] weil ich in einem Lande, liebste Lisbeth, in welchem man mich, in meinen Rechten, nicht schützen will, nicht bleiben mag.“ (KH, 23f.) Die Pflicht des Staates zum Schutze seiner Bürger sieht Kohlhaas nicht erfüllt. Im ausbrechenden Kampf geht es damit nur formell um die Wiederherstellung seiner Pferde in den vorherigen Stand – die Erfüllung dieser Forderung bedeutet sinnbildlich die Wiederherstellung der verletzten Rechtsgrundlagen: seiner Menschenwürde und seiner Schutzbedürftigkeit.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema ein und begründet die Analyse von politischem Widerstand in Werken von Kleist und Schiller als Ergänzung zur Literatur nach 1945.
2 Begrifflichkeiten: Es werden grundlegende Definitionen zu politischem Widerstand und Widerstandsrecht dargelegt, die als Basis für die weitere Argumentation dienen.
3 Empört Euch! – mehr als nur ein Aufruf zu politischem Widerstand: Das Essay von Stéphane Hessel wird genutzt, um einen Kriterienkatalog (Ursprung, Wesen, Umsetzung) zur Kategorisierung von politischem Widerstand zu entwickeln.
4 Politischer Widerstand in Heinrich von Kleists Erzählung Michael Kohlhaas: Das Kapitel untersucht anhand des entwickelten Dreischritts, wie sich Widerstand und Rechtsverständnis bei der Figur Kohlhaas manifestieren.
5 Politischer Widerstand in Friedrich Schillers Drama Die Räuber: Hier wird der Widerstand von Karl Moor analysiert, wobei besonders die Rolle von Leidenschaft, Verzweiflung und der gesellschaftlichen Umbruchszeit im Fokus steht.
6 Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse der Analysen werden zusammengeführt und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten im Umgang der beiden Protagonisten mit Widerstand gegenüber ungerechten Systemen aufgezeigt.
Politischer Widerstand, Literatur, Michael Kohlhaas, Die Räuber, Heinrich von Kleist, Friedrich Schiller, Empörung, Rechtsverständnis, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Widerstandsrecht, Gewalt, Selbsthilfe, Gesellschaftsvertrag, Stéphane Hessel
Die Arbeit analysiert das literarische Konzept des politischen Widerstands in Werken aus der Zeit um 1800, abseits der häufig untersuchten Literatur nach 1945.
Zentral sind die Dynamiken von Recht, Gerechtigkeit, individueller Verantwortung, Gewaltanwendung und die Reaktion auf staatliche Willkür.
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich politischer Widerstand bei Kleist und Schiller manifestiert, was die Figuren motiviert und wie sie diesen Widerstand umsetzen.
Die Autorin nutzt eine ideengeschichtliche und narratologische Analyse, wobei sie ein aus Stéphane Hessels "Empört Euch!" abgeleitetes Kategorisierungsschema (Ursprung, Wesen, Umsetzung) auf die literarischen Texte anwendet.
Der Hauptteil analysiert Heinrich von Kleists Erzählung "Michael Kohlhaas" und Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" anhand der erarbeiteten Kriterien für Widerstand.
Neben Begriffen wie politischer Widerstand und Literatur sind Gerechtigkeit, Menschenwürde, Rechtsverständnis und Gewalt wesentliche Schlagworte.
Kohlhaas handelt primär, um eine verletzte Rechtsordnung wiederherzustellen und sein Recht als Staatsbürger einzufordern, während Karl Moor eher aus einer tiefen, existenziellen Verzweiflung und Enttäuschung über die gesamte gesellschaftliche Ordnung heraus agiert.
In beiden Werken ist Gewalt ein zentrales, jedoch ambivalentes Mittel. Sie wird als Eruption der Hilflosigkeit dargestellt, wenn friedliche Wege zur Rechtsfindung versperrt sind, und führt letztlich in eine moralische Krise der Protagonisten.
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