Bachelorarbeit, 2015
36 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Definitorische Vorbereitungen
2.1 Arbeitsdefinition des „Fremden“
2.2 Definition des Begriffs „Vertrauen“ nach Annette Baier
2.3 Definition des Begriffs „Vertrauen“ nach Olli Lagerspetz
2.4 Der Unterschied zwischen Vertrauen und Zuversicht
2.5 Arbeitsdefinition von „Vertrauen gegenüber Fremden“
3. Warum wir Fremden mehr vertrauen sollten
3.1 Persönliches und „optimales“ Vertrauenslevel
3.2 Ethische und gesellschaftsphilosophische Gründe für optimales Vertrauen
3.3 Eine empirische Studie zum Thema „Vertrauen Menschen zu viel oder zu wenig?“
3.4 Mögliche Gründe für fehlendes Vertrauen gegenüber Fremden
4. Über den Einfluss von Stereotypen bei Vertrauensentscheidungen
4.1 Kategorisierung, Stereotype und Vorurteile
4.2 Probleme von Stereotypen
4.2.1 Die Kategorisierung in Fremd- und Eigengruppe
4.2.2 Fehlende Korrektur von Stereotypen durch Bildung von Substereotypen
4.2.3 Das Problem der sich selbst erfüllenden Prophezeiung
4.2.4 Ethische Probleme von Stereotypen
5. Wie wir es schaffen Fremden mehr zu vertrauen
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht aus philosophischer Perspektive die rationale und ethische Notwendigkeit, Fremden ein höheres Vertrauen entgegenzubringen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ursachen für das systematische Untervertrauen gegenüber Fremden und wie der Einfluss von Stereotypen bei Vertrauensentscheidungen überwunden werden kann.
4.2.3 Das Problem der sich selbst erfüllenden Prophezeiung
Das letzte psychologische Phänomen, das ich erläutern möchte, ist das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Viele sozialpsychologische Studien zeigen, dass die Erwartung eines Verhaltens bereits dazu führen kann, dass sich das erwartete Verhalten auch zeigt. So untersuchten Rosenthal und Jacobsen bereits im Jahr 1968, ob die Erwartungen eines Lehrers dazu führen können, dass zufällig ausgewählte Schüler einen Intelligenztest nach einem Jahr besser bestehen, als im vorherigen Jahr. Der Lehrer, dem gesagt wurde, dass die in Wirklichkeit zufällig ausgewählten Schüler im nächsten Schuljahr aufblühen würden, hatte auf Grund dieser Annahme den Schülern dazu verholfen die Erwartung auch zu erfüllen, denn nach einem Jahr zeigte sich wirklich ein höherer IQ-Zuwachs, als bei den Schülern von denen keine solche Annahme bestand.
Da Stereotype Erwartungen an Personen darstellen, können auch diese dazu führen, dass wir erwartungsgerecht mit der entsprechenden Person interagieren und sich die betroffene Person in Folge dessen auch erwartungsgetreu verhält. Dies liegt jedoch nicht daran, dass unsere Stereotype korrekte Annahmen über die Person darstellen, sondern wir die Person, durch unser Verhalten ihr gegenüber, beeinflussen sich auf eine Weise zu zeigen, die vielleicht nicht ihrem Naturell entspricht. Auch stereotypische Erwartungen bezüglich der Vertrauenswürdigkeit, können sich zu einer solchen sich selbst erfüllenden Prophezeiung entwickeln.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Vertrauen in modernen Gesellschaften ein und erläutert die Zielsetzung, eine Forderung nach mehr Vertrauen gegenüber Fremden philosophisch zu begründen.
2. Definitorische Vorbereitungen: Es werden philosophische Vertrauensdefinitionen nach Baier und Lagerspetz sowie die Abgrenzung zur Zuversicht erarbeitet, um eine Arbeitsdefinition für "Vertrauen gegenüber Fremden" zu finden.
3. Warum wir Fremden mehr vertrauen sollten: Dieses Kapitel begründet das Streben nach einem optimalen Vertrauenslevel aus philosophischer Sicht und stützt die Hypothese des Untervertrauens durch empirische Befunde.
4. Über den Einfluss von Stereotypen bei Vertrauensentscheidungen: Die Analyse der psychologischen Barrieren durch Kategorisierung, Stereotype und deren Korrekturprobleme verdeutlicht, warum diese die Vertrauensbildung irrational beeinflussen.
5. Wie wir es schaffen Fremden mehr zu vertrauen: Es werden praktische Ansätze wie die Kreuzkategorisierung und das bewusste Sammeln von Erfahrungen diskutiert, um Vertrauensentscheidungen rationaler zu gestalten.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die ethischen und rationalen Gründe für eine Stärkung des Vertrauens und betont die Notwendigkeit der Reflexion eigener Stereotype.
Vertrauen, Fremde, Stereotype, Vertrauenswürdigkeit, Philosophie, Ethik, Soziale Kategorisierung, Optimales Vertrauenslevel, Kooperation, Zuversicht, Selbst erfüllende Prophezeiung, Sozialpsychologie, Diskriminierung, Vertrauensentscheidung, Moral.
Die Arbeit untersucht, warum es rational und ethisch geboten ist, Fremden mehr Vertrauen entgegenzubringen, als es in der Gesellschaft aktuell üblich ist.
Die Arbeit verknüpft philosophische Vertrauensbegriffe mit sozialpsychologischen Erkenntnissen über Stereotype, empirischen Studien zum Vertrauensverhalten und ethischen Reflexionen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass wir die Vertrauenswürdigkeit Fremder systematisch unterschätzen und Wege aufzuzeigen, wie ein "optimales" Maß an Vertrauen erreicht werden kann.
Es handelt sich um eine philosophische und sozialtheoretische Argumentation, die durch die Einbeziehung empirischer Studien aus der Sozialpsychologie gestützt wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Vertrauen, den Gründen für das Streben nach optimalem Vertrauen sowie der kritischen Analyse von Stereotypen als Barrieren der Vertrauensbildung.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Vertrauen, Fremde, Stereotype, Vertrauenswürdigkeit, Kooperation und die ethische Reflexion sozialer Interaktionen.
Es dient als empirischer Beleg dafür, dass Menschen die Vertrauenswürdigkeit anderer systematisch weit unter dem tatsächlichen Wert einschätzen.
Vertrauen setzt laut Arbeit ein bewusstes Risikokalkül voraus, während Zuversicht eine notwendige Alltagseinstellung ist, bei der wir Gefahren ausblenden, um handlungsfähig zu bleiben.
Die Autorin schlägt Methoden wie die "Kreuzkategorisierung" vor, um kategoriale Unterscheidungen zu schwächen und die eigene Urteilsfähigkeit durch Selbstreflexion zu schärfen.
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