Bachelorarbeit, 2017
38 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zur theoretischen Grundlage
2.1 Michel Foucault: Macht, Diskurs, Körper
2.2 Judith Butlers Verständnis von Sex und Gender
2.3 Das Konzept der Performanz
3. Die misogyne Gesellschaft Westeros‘ im Abgleich mit historischen Diskursen
3.1 Mittelalterlicher Ehe-, Familien- und Glaubensdiskurs
3.2 Das frühneuzeitliche Allianzdispositiv
3.3 Einflüsse der bürgerlichen Geschlechterhierarchie
4. Analyse: Subversion und Affirmation ‚traditoneller‘ Weiblichkeitskonfigurationen in A song of Ice and Fire
4.1 Repräsentantinnen stereotyper Weiblichkeit
4.1.1 Sansa Stark: Die mittelalterliche ingénue
4.1.2 Catelyn Stark: Archetyp der Mutter und Ehefrau
4.2 Weiblichkeit im männlichen Machthabitus
4.2.1 Daenerys Targaryen: Von der Unmündigkeit zur RegentInnenschaft
4.2.2 Cersei Lannister: Matriarchin und femme fatale
4.3 Schwert in Frauenhand: Die Figur der weiblichen Kriegerin
4.3.1 Arya Stark: „Tomboy of Westeros“
4.3.2 Brienne of Tarth: Die Frau in Männerrüstung
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer figurenorientierten Analyse, wie weibliche Charaktere in der Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ die in Westeros vorherrschenden heteronormativen und patriarchalisch geprägten Geschlechterkonfigurationen subversiv unterlaufen oder affirmieren, wobei die Forschungsfrage auf die Verschränkung von literarischer Darstellung und machttheoretischen Diskursen zielt.
3.1 Mittelalterlicher Ehe-, Familien- und Glaubensdiskurs
Mit dem Aufkeimen und der Etablierung des Christentums im frühen Mittelalter gingen eine Vielzahl an gesellschaftlichen Veränderungen einher, die vor allem die Rolle der Frau im Geschlechterdiskurs maßgeblich und langfristig prägen sollte. Geistliche Gelehrte wie die „Kirchenväter“ Hieronymus (347-420) oder Augustinus (354-430) münzten dabei Topoi der Bibel wie den Ursündenfall Evas, der die Frau in ihrer Natur als grundsätzlich lasterhaft und defizitär bestimmen sollte, oder die Reinheit der Jungfräulichkeit Marias in gesellschaftliche Moralkodizes um, die als wegweisend für eine patriarchalische und misogyne Gesellschaftsstruktur des westlichen Mittelalters gelten. So statuiert Connell:
Das mittelalterliche Christentum erbte von den Heiligen und Weisen der antiken Welt des Mittelmeeres eine Tradition der Misogynie, die moderne Leser in ihrer Bösartigkeit erschreckt. Die Schriften der christlichen Intellektuellen sind durchzogen von Behauptungen über die Minderwertigkeit von Frauen in Geist und Körper, sowie der Gefahr, die sie darstellen, wenn Männer ihren Listen unterliegen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der stereotypen Darstellung weiblicher Charaktere im Fantasy-Genre ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung von George R. R. Martins Werk hinsichtlich geschlechterkritischer Perspektiven.
2. Zur theoretischen Grundlage: Dieses Kapitel verknüpft literaturwissenschaftliche Ansätze mit den Macht- und Identitätstheorien von Michel Foucault und Judith Butler, um ein analytisches Instrumentarium für die Untersuchung literarischer Figuren zu schaffen.
3. Die misogyne Gesellschaft Westeros‘ im Abgleich mit historischen Diskursen: Es wird dargelegt, wie die fiktive Gesellschaft von Westeros auf realhistorischen Geschlechterdiskursen wie mittelalterlichen Familienstrukturen, dem Allianzdispositiv der Frühen Neuzeit und bürgerlichen Idealen basiert.
4. Analyse: Subversion und Affirmation ‚traditoneller‘ Weiblichkeitskonfigurationen in A song of Ice and Fire: Das Herzstück der Arbeit analysiert verschiedene weibliche Figuren und deren Handlungsspielräume im Spannungsfeld zwischen patriarchalischen Zwängen und individueller Emanzipation.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion darüber, wie Martin durch die Ambivalenz und Dynamik seiner Figuren das Fantasy-Genre für kritische, realitätsnahe Diskurse öffnet.
Gender Studies, Judith Butler, Michel Foucault, A Song of Ice and Fire, Weiblichkeitskonfigurationen, Performanz, Patriarchat, Westeros, Geschlechterrolle, Literaturanalyse, Feminismus, Subversion, Affirmation, Machtstrukturen, Mittelalterdiskurs.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Darstellung und Konstruktion von Weiblichkeit in der Fantasy-Reihe „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin unter Berücksichtigung geschlechtertheoretischer Perspektiven.
Zentrale Themen sind die kritische Analyse von Geschlechterrollen, die Performanz von Identität, der Einfluss historischer gesellschaftlicher Diskurse auf fiktive Welten und die Ambivalenz weiblicher Heldenfiguren.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Martin durch seine Charakterzeichnungen traditionelle Weiblichkeitskonfigurationen innerhalb einer patriarchalisch geprägten Fantasy-Welt sowohl bestätigt als auch subversiv unterläuft.
Die Arbeit nutzt eine kognitiv-rezeptionsorientierte Figurenanalyse, die durch theoretische Konzepte von Judith Butler (Performanz, Geschlechtskonstruktion) und Michel Foucault (Macht, Diskurs) gestützt wird.
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Gesellschaftsstrukturen in Westeros und untersucht anhand von Fallbeispielen wie Sansa Stark, Catelyn Stark, Daenerys Targaryen, Cersei Lannister, Arya Stark und Brienne of Tarth die individuelle Auseinandersetzung der Figuren mit ihrer Rolle.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Gender Studies, Performanz, Patriarchat, Subversion, Machtstrukturen und Geschlechteridentität definieren.
Die Analyse zeigt, dass insbesondere die adlige Herkunft der Frauen als Katalysator für ihre Unterwerfung unter das „Allianzdispositiv“ dient, wodurch ihr Körper oft zum Objekt politischer Handelsbeziehungen wird.
Figuren wie Arya Stark und Brienne of Tarth dienen als Beispiele für die Transgression von Geschlechtergrenzen, indem sie den männlich dominierten Raum des Kampfes besetzen und dadurch ihre zugewiesene Rolle als „Passiv“ oder „Mutter“ in Frage stellen.
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