Examensarbeit, 2018
74 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 These und Aufbau der Arbeit
1.2 Stand der Forschung
1.3 Quellen und Literatur
2 Schweden und Finnland im Zweiten Weltkrieg
2.1 Schwedische Neutralität
2.2 Finnland im Spannungsfeld deutscher und sowjetischer Interessen
2.2.1 Finnland im Krieg mit der Sowjetunion
2.2.2 Das Ende des Zweiten Weltkrieges
3 Die Besatzungszonen Deutschlands bis zum Eintritt in NATO und Warschauer Pakt
3.1 Die Deutsche Frage
3.2 Die Zuspitzung zum Kalten Krieg
3.3 Die Gründung der BRD und der DDR
3.4 Der Eintritt der BRD in die NATO und die Gründung des Warschauer Paktes
3.5 Stellung Schwedens und die Beziehungen zu Deutschland
3.5.1 Die Position Schwedens in der Nachkriegszeit
3.5.2 Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen Schwedens zur BRD und DDR
3.6 Stellung Finnlands und die Beziehungen zu Deutschland
3.6.1 Die Position Finnlands in der Nachkriegszeit
3.6.2 Der Aufbau von Handelsvertretungen
4 Die Anerkennungsbemühungen beider deutscher Staaten in Finnland und Schweden zur Zeit der Hallstein-Doktrin von 1955 bis 1965
4.1 Die Bedeutung der Hallstein-Doktrin für Finnland und Schweden
4.2 Die Anfänge der kulturellen und wirtschaftlichen Aktivitäten der DDR
4.3 Die Reaktionen der BRD auf die verstärkte Außenpolitik der DDR
4.4 Konkurrenz um nationale Repräsentanz am Beispiel: Sport
5 Von der Erosion bis zum Ende der Hallstein-Doktrin 1965-1972
5.1 Die „Neue Ostpolitik“ Brandts
5.2 Verhärteter Konkurrenzkampf in den 60er Jahren um die Gunst der skandinavischen Länder
5.3 Konkurrenz auf Kulturebene: DDR-Kulturzentrum und Goethe-Institut
6 Die Anerkennungswelle 1972/73
6.1 Vorboten der Anerkennung
6.2 Die Anerkennung der BRD und der DDR durch Finnland und Schweden
7 Weitere Entwicklungen - ein Ausblick
8 Fazit
Die Arbeit untersucht den Verlauf der diplomatischen Anerkennungsbemühungen der DDR und der BRD gegenüber Finnland und Schweden während des Kalten Krieges. Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, wie kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten sowie Instrumente der Public Diplomacy eingesetzt wurden, um die diplomatische Anerkennung zu beeinflussen, und inwiefern der Konkurrenzkampf beider deutscher Staaten die Neutralitätspolitik der nordischen Länder herausforderte.
3.5 Stellung Schwedens und die Beziehungen zu Deutschland
Schweden erreichte zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine Zeitspanne von 130 Jahren ohne Teilnahme an kriegerischen Konflikten. Obwohl die Neutralität Schwedens, wie bereits erläutert, elastisch und opportunistisch geführt wurde, konnte ein Eintritt in den Weltkrieg umgangen werden. Dennoch war auch Schweden von der Unausgeglichenheit der Großmächte im Ostseeraum betroffen. Finnlands Niederlage gegen die Sowjetunion, die sowjetischen Annexionen Estlands, Litauens und Lettlands vom Sommer 1940 sowie die sowjetische Besatzung Ostdeutschlands wurden in der schwedischen Regierung als Unwägbarkeit im sicherheitspolitischen Umfeld gewertet. Daher war auch für Schweden in den ersten Monaten nach Kriegsende die Bestimmung des Verhältnisses zur Sowjetunion von unmittelbarer Bedeutung.
Die schwedische Regierung verfolgte weiterhin den Weg der Neutralität, signalisierte jedoch der Sowjetunion gegenüber ein Wohlwollen, indem sie der Sowjetunion im Rahmen eines abgeschlossenen Handelsabkommens einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde schwedischer Kronen gewährte.
„Mit Blick auf die erheblichen neutralitätspolitischen Abweichungen zugunsten Deutschlands während des Krieges, die vor allem zu Lasten der Sowjetunion gegangen waren, bemühte sich die schwedische Regierung um eine Form nachträglicher Kompensation. Von diesem Geiste getragen, lieferte die schwedische Regierung auch etwa 167 baltische Flüchtlinge, die auf Seiten der deutschen Faschisten gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, auf Begehren Moskaus zusammen mit etwa 2500 nach Schweden geflüchteten deutschen Wehrmachtsangehörigen aus. Bis zum heutigen Tage gehört dieser Schritt zu den umstrittensten Akten der schwedischen Außenpolitik der Nachkriegszeit.“
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert den Forschungsrahmen und stellt die Relevanz der Anerkennungsbemühungen im bipolaren System des Kalten Krieges für neutrale Staaten dar.
2 Schweden und Finnland im Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel erläutert die pragmatische Neutralitätspolitik beider Länder und ihren Umgang mit den gegensätzlichen Machtinteressen vor 1945.
3 Die Besatzungszonen Deutschlands bis zum Eintritt in NATO und Warschauer Pakt: Hier wird der Weg zur deutschen Teilung, die Gründung der beiden deutschen Staaten und die daraus resultierenden wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Skandinavien behandelt.
4 Die Anerkennungsbemühungen beider deutscher Staaten in Finnland und Schweden zur Zeit der Hallstein-Doktrin von 1955 bis 1965: Das Kapitel analysiert die Strategien der DDR, die Hallstein-Doktrin durch kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten zu umgehen, sowie die Gegenreaktionen der BRD.
5 Von der Erosion bis zum Ende der Hallstein-Doktrin 1965-1972: Dieser Abschnitt fokussiert auf den Wandel der deutschen Außenpolitik durch die neue Ostpolitik Willy Brandts und die Intensivierung des Konkurrenzkampfes.
6 Die Anerkennungswelle 1972/73: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess der diplomatischen Anerkennung beider deutschen Staaten durch Finnland und Schweden im Kontext des Grundlagenvertrags.
7 Weitere Entwicklungen - ein Ausblick: Der Ausblick zeigt, wie sich die Beziehungen nach der Anerkennung stabilisierten und welche Schwerpunkte die DDR weiterhin in der Zusammenarbeit mit Skandinavien setzte.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die DDR trotz intensiver Public-Diplomacy-Bemühungen die Überlegenheit der BRD-Beziehungen nicht aufbrechen konnte.
Anerkennungsbemühungen, DDR, BRD, Kalter Krieg, Finnland, Schweden, Neutralitätspolitik, Hallstein-Doktrin, Neue Ostpolitik, Public Diplomacy, Kulturpolitik, deutsch-deutsche Rivalität, Sowjetunion, diplomatische Beziehungen, Außenpolitik.
Die Arbeit analysiert das komplexe Spannungsfeld der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten (DDR und BRD) und den neutralen nordeuropäischen Ländern Finnland und Schweden während der Zeit des Kalten Krieges.
Zu den zentralen Themen gehören die Strategien der Anerkennungsbemühungen, die kulturelle Außenpolitik, der wirtschaftliche Konkurrenzkampf sowie die Herausforderungen der Neutralitätspolitik im Kontext des Ost-West-Gegensatzes.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob und inwiefern die kulturellen und wirtschaftlichen Bemühungen beider deutscher Staaten ihre diplomatische Anerkennung in Finnland und Schweden beeinflussten und ob die DDR-Aktivitäten diese beschleunigen konnten.
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die den Verlauf der Beziehungen in chronologische Phasen unterteilt und dabei auf einschlägige Fachliteratur sowie Quellen zur außenpolitischen Entwicklung zurückgreift.
Der Hauptteil gliedert sich in die Zeit der Besatzungszonen, die Ära der Hallstein-Doktrin, die Phase der Erosion dieser Doktrin unter der neuen Ostpolitik und mündet in die Anerkennungswelle der Jahre 1972/73.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Neutralitätspolitik, Public Diplomacy, Hallstein-Doktrin, Konkurrenzsituation und deutsch-deutsche Rivalität definiert.
Finnland war durch den FZB-Vertrag mit der Sowjetunion geopolitisch stärker in den sowjetischen Interessenbereich eingebunden, was den Spielraum für außenpolitische Entscheidungen bezüglich Deutschland deutlich stärker einschränkte als bei Schweden.
Kulturzentren dienten als zentrales Instrument der Public Diplomacy, um ein positives Bild der DDR zu vermitteln und "unterhalb" der offiziellen politischen Ebene eine de facto Anerkennung zu forcieren, ohne die diplomatischen Beziehungen der Zielländer zur BRD direkt zu gefährden.
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