Fachbuch, 2019
82 Seiten
1 Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Auswahlinterviews
2.2 Beurteilungsfehler
2.3 Berufungsverfahren
3 Darstellung von Beurteilungsfehlern im Rahmen von Auswahlinterviews anhand von Berufungsverfahren
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Auswahlinterviews in Berufungsverfahren
3.2.1 Strukturierte und teilstrukturierte Auswahlinterviews
3.2.2 Unstrukturierte Auswahlinterviews
3.3 Beurteilungsfehler in Berufungsverfahren
3.3.1 Verhaltensebene
3.3.2 Eindrucksebene
3.3.3 Aussageebene
3.4 Zusammenfassung
4 Kritische Diskussion von Beurteilungsfehlern im Rahmen von Auswahlinterviews anhand von Berufungsverfahren
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Kritische Diskussion
4.2.1 Position und Diagnosebedingungen
4.2.2 Validität der Auswahlinterviews
4.2.3 Organisation und Umwelt
4.2.4 Vorinformationen
4.2.5 Person des Beurteilers
4.2.6 Person des Bewerbers
4.3 Ergebnisse der kritischen Diskussion
4.4 Verbesserungsvorschläge zur Verringerung von Beurteilungsfehlern
5 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht kritisch das Auftreten von Beurteilungsfehlern in Auswahlinterviews innerhalb akademischer Berufungsverfahren. Ziel ist es, die spezifischen Fehlerquellen im Kontext der Professorenauswahl aufzuzeigen, ihre Entstehung durch Hintergrundvariablen zu analysieren und Möglichkeiten für eine gerechtere Urteilsbildung unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards zu diskutieren.
3.3.1 Verhaltensebene
Die ständige soziale Interaktion zwischen dem Interviewer und dem Bewerber ist die Besonderheit von Auswahlinterviews, da durch die gegenseitige Beeinflussung des Verhaltens und der Einstellung beider Gesprächspartner auch dem Umfeld respektive der Atmosphäre der Bewerbungssituation eine wesentliche Rolle zuteil werden.207 Die Ebene des Verhaltens stellt im VEA-Modell die erste Klasse von Einflussgrößen dar, die das Verhalten der zu beurteilenden Person beeinflussen und somit Beurteilungsfehler durch Interviewer hervorrufen kann.208 Die Merkmale der unmittelbaren Situation oder Determinanten aus dem weiteren Umfeld können das Verhalten des Bewerbers verändern, indem deren Kenntnis und individuelle Interpretation das beobachtbare Verhalten beeinflussen. Der Interviewer urteilt somit aufgrund des Verhaltens falsch.209 Die Berufungskommission kann beispielsweise auf den Bewerber einschüchternd wirken, die Atmosphäre an der Universität gefällt dem Bewerber und beeinflusst ihn positiv, die familiäre Situation des Bewerbers ist angespannt und belastet ihn.210
In Hinblick auf die Wahrnehmung anderer Menschen kann das Verhalten auch visuell aufgenommen werden. Die visuellen Eindrücke spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, ob wir einen anderen Menschen sympathisch oder unsympathisch finden.211 Bildliche Eindrücke der Körperhaltung, Mimik und Gestik bilden die Grundlage für weitergehende, oft überzogen spekulative Beurteilungen anderer Menschen.212
1 Einführung: Legt die Relevanz der Personalauswahl von Professoren innerhalb von Berufungsverfahren dar und definiert das Ziel, Beurteilungsfehler in diesem Kontext kritisch zu untersuchen.
2 Grundlagen: Vermittelt die theoretischen Grundlagen zu Auswahlinterviews, den verschiedenen Arten von Beurteilungsfehlern und dem Ablauf von Berufungsverfahren an Hochschulen.
3 Darstellung von Beurteilungsfehlern im Rahmen von Auswahlinterviews anhand von Berufungsverfahren: Identifiziert verschiedene Interviewformen und ordnet auftretende Beurteilungsfehler den Ebenen des VEA-Modells (Verhalten, Eindruck, Aussage) zu.
4 Kritische Diskussion von Beurteilungsfehlern im Rahmen von Auswahlinterviews anhand von Berufungsverfahren: Analysiert anhand von Hintergrundvariablen wie Position, Validität, Organisation und Person des Beurteilers/Bewerbers die Ursachen und Auswirkungen von Beurteilungsfehlern.
5 Fazit und Ausblick: Führt die zentralen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer optimierten Gestaltung von Berufungsverfahren zur Förderung von Chancengleichheit und Qualität.
Personalauswahl, Auswahlinterviews, Beurteilungsfehler, Berufungsverfahren, Professorenauswahl, VEA-Modell, Validität, Gender Bias, Mikropolitik, Eignungsdiagnostik, Bewerberbeurteilung, Hochschulmanagement, Personalarbeit, strukturierte Interviews, Vorurteile.
Die Arbeit befasst sich mit der Personalauswahl von Professoren im akademischen Berufungsverfahren und untersucht, wie dabei auftretende Beurteilungsfehler in Auswahlinterviews entstehen und beeinflusst werden.
Die zentralen Themen umfassen akademisches Personalmanagement, die Validität verschiedener Interviewtechniken, die Identifikation von Beurteilungsfehlern (z.B. Halo-Effekt, Gender Bias) und die kritische Analyse des Einflusses von Auswahlgremien auf die Urteilsbildung.
Das primäre Ziel ist die kritische Diskussion von Beurteilungsfehlern in Auswahlinterviews während des Berufungsverfahrens, um die Qualität der Auswahlentscheidungen zu hinterfragen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und nutzt das Verhaltens-Eindrucks-Aussage-Modell (VEA-Modell) als theoretisches Fundament zur systematischen Einordnung und Diskussion der Beurteilungsfehler.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Darstellung verschiedener Interviewstrukturen sowie eine detaillierte kritische Diskussion der Einflussvariablen (wie Organisation, Validität und Persönlichkeitsmerkmale) auf die Beurteilungsgüte.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Personalauswahl, Berufungsverfahren, Beurteilungsfehler, Validität, Mikropolitik und Geschlechterstereotypen (Gender Bias).
Die Arbeit identifiziert den Gender Bias als wesentlichen Faktor, bei dem Frauen durch informelle Netzwerke und geschlechtsspezifische Wahrnehmungsdefizite in Auswahlgremien tendenziell benachteiligt werden.
Aufgrund fehlender vorab definierter Kriterien bieten sie eine große Angriffsfläche für subjektive Eindrücke und mikropolitische Manipulationen, da keine objektive Vergleichbarkeit der Bewerber gewährleistet ist.
Berufungsverfahren sind stärker durch ehrenamtliches Engagement, hochschulinterne Selbstverwaltung und oft weniger professionalisierte Auswahlgremien geprägt, was die Fehleranfälligkeit bei der Beurteilung erhöht.
Durch den Einsatz strukturierter Interviewformate, die Schulung der Kommissionsmitglieder, eine transparente Kriterienfestlegung vorab und die Einbindung von externem Sachverstand kann die Objektivität gesteigert werden.
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