Bachelorarbeit, 2017
45 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Was ist Landesbewusstsein?
3 Nordrhein-Westfalen Ende der 1950er Jahre
3.1 Voraussetzungen in Nordrhein, Westfalen und Lippe
3.2 Intentionen Meyers
4 Maßnahmen zur Hebung des Landesbewusstseins
4.1 Festakt zum zehnten Jahrestag der Landesverfassung
4.2 Das große Wappen des Landes Nordrhein-Westfalen
4.2 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
4.2 Landeshymne und Landesname
5 Identitätsstiftende Maßnahmen in Kunst, Kultur und Gesellschaft
5.1 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
5.2 Regierungsviertel, Sport und Fernsehen
6 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Franz Meyers während seiner Amtszeit (1958–1966) maßgeblich für die Anfänge eines landesweiten Identitäts- und Zusammengehörigkeitsgefühls verantwortlich war. Die Forschungsfrage analysiert dabei die Durchdachtheit seiner symbolpolitischen Maßnahmen, die gesellschaftlichen Reaktionen darauf sowie die Frage, ob Meyers’ Strategien zum Erfolg oder Scheitern des angestrebten Landesbewusstseins führten.
3. Nordrhein-Westfalen Ende der 1950er Jahre
Als der CDU-Politiker Franz Meyers 1958 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wurde, waren gerade zwölf Jahre seit der Gründung des Bundeslandes vergangen. Während der Zusammenschluss des nördlichen Rheinlands, Westfalen und ab 1947 auch Lippe auf politischer Ebene durchaus kontrovers diskutiert wurde, nahmen die Menschen in diesen Regionen die Landesgründung mehr oder weniger widerstandslos hin. Sie hatten nach Kriegsende andere Sorgen. In erster Linie ging es ihnen darum, die Existenz zu sichern. Ein Großteil der Häuser war zerbombt und es herrschte große Hungersnot. Zwischenzeitlich waren die Essensrationen für Erwachsene auf 1000 Kalorien beschränkt. Man darf somit davon ausgehen, dass sich den Menschen 1946 gewiss nicht die Frage nach einer Identität oder nach einem Landesbewusstsein stellte. Daran änderte auch die politische Einheit an Rhein und Ruhr nichts. Die Gründung von Nordrhein-Westfalen, auch als „Operation Marriage“ oder Zwangsheirat bezeichnet, wurde von den britischen Alliierten aus rein pragmatischen Gründen vorgenommen und hatte unter anderem auch zum Ziel, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Dafür sollten die landwirtschaftlich geprägten Regionen in Westfalen sorgen.
Ab 1952 war Meyers NRW-Innenminister und erlebte mit, wie das Land unter der Führung seines Parteifreundes Karl Arnold als soziales Gewissen der Bundesrepublik wirkte, was sich insbesondere im staatlichen Wohnungsbau bemerkbar machte. Sechs Jahre später übernahm Meyers das Amt des Ministerpräsidenten. Zu dieser Zeit hatten sich die Lebensverhältnisse allmählich zum Positiven gewandelt. Die Arbeitslosigkeit war gering, die Reallöhne stiegen und damit auch der Wohlstand. Festzumachen ist dies an gewachsenen Ausgaben für Freizeit und Unterhaltung. So waren 1960 etwa bereits rund 1,8 Millionen Autos auf den Straßen im Land unterwegs. Zehn Jahre zuvor waren es noch 134 000. Es ging also aufwärts in Nordrhein-Westfalen und die größte Krise nach dem zweiten Weltkrieg war überstanden. Natürlich muss man vorsichtig sein, wenn man den Begriff Wohlstandsgesellschaft für die Menschen im Land in der Zeit um 1960 verwendet.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik einer fehlenden gemeinsamen Identität im neu geschaffenen Bundesland und führt in die Fragestellung nach Franz Meyers’ Wirken als identitätsstiftender Akteur ein.
2 Was ist Landesbewusstsein?: Dieses Kapitel beleuchtet theoretisch-wissenschaftliche Ansätze des Landesbewusstseins sowie die Unterscheidung zwischen Landesgefühl und Landesgebietsbewusstsein.
3 Nordrhein-Westfalen Ende der 1950er Jahre: Es wird die gesellschaftliche und politische Ausgangslage in der Amtszeit Meyers analysiert, geprägt durch den Wiederaufbau und das Fehlen einer gemeinsamen historischen Identität der Teilregionen.
3.1 Voraussetzungen in Nordrhein, Westfalen und Lippe: Der Abschnitt vertieft die historisch gewachsenen Unterschiede und die schwierige administrative Zusammenführung der drei Landesteile.
3.2 Intentionen Meyers: Hier werden Meyers’ persönliche und politische Motive für seine Bemühungen um ein Landesbewusstsein hinterfragt, insbesondere im Kontext seiner föderalistischen Überzeugungen.
4 Maßnahmen zur Hebung des Landesbewusstseins: Das Kapitel untersucht konkrete symbolpolitische Instrumente wie Jubiläumsfeiern und die Einführung staatlicher Symbole.
4.1 Festakt zum zehnten Jahrestag der Landesverfassung: Fokus auf die symbolische Inszenierung des zehnjährigen Bestehens als Instrument zur Stärkung der staatlichen Identität.
4.2 Das große Wappen des Landes Nordrhein-Westfalen: Untersuchung des gescheiterten Versuchs, durch ein neues Wappen historische Verbundenheit zu symbolisieren.
4.2 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen: Diskussion der Hintergründe für das Scheitern der Ordensstiftung unter Meyers und der späteren Umsetzung unter Johannes Rau.
4.2 Landeshymne und Landesname: Analyse der verworfenen Ideen für eine Landeshymne und einer möglichen Umbenennung des Bundeslandes.
5 Identitätsstiftende Maßnahmen in Kunst, Kultur und Gesellschaft: Dieses Kapitel widmet sich den kulturellen Strategien Meyers zur Stärkung des Landesimage.
5.1 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen: Darstellung der Gründung der Kunstsammlung als wichtigstem kulturellem Projekt des Ministerpräsidenten.
5.2 Regierungsviertel, Sport und Fernsehen: Zusammenfassung weiterer Maßnahmen wie Infrastrukturvorhaben, Sportförderung und medienpolitische Versuche.
6 Fazit: Abschließende Würdigung von Meyers’ Bemühungen, die trotz mancher Rückschläge als erste wichtige Impulse für eine nordrhein-westfälische Identitätsbildung bewertet werden.
Nordrhein-Westfalen, Franz Meyers, Landesbewusstsein, Identitätsstiftung, Landesgeschichte, Föderalismus, Symbolpolitik, Landeswappen, Kunstsammlung, Landesverfassung, Nachkriegszeit, Nordrhein, Westfalen, Lippe, Erinnerungskultur.
Die Arbeit untersucht die Anfänge der Identitätsstiftung in Nordrhein-Westfalen und analysiert dabei die Rolle des Ministerpräsidenten Franz Meyers zwischen 1958 und 1966.
Im Zentrum stehen die symbolischen und kulturellen Maßnahmen des Landes, die historische Ausgangslage der drei Landesteile sowie die politische Rezeption von Identitätsstiftung.
Das Ziel ist zu klären, ob Meyers für die Anfänge eines Landesbewusstseins verantwortlich ist und ob seine Strategien durchdacht und erfolgreich waren.
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse von Primärquellen wie Kabinettsprotokollen, Landtagsdebatten und zeitgenössischer Presseberichterstattung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ausgangslage, Meyers’ Intentionen sowie eine detaillierte Untersuchung symbolischer Maßnahmen wie Landeswappen, Orden, Hymne und der Gründung der Kunstsammlung.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Landesbewusstsein, Identitätsstiftung, Franz Meyers, Föderalismus und die historische Einordnung von Nordrhein-Westfalen geprägt.
Die Arbeit zeigt, dass Meyers’ Maßnahmen oft als zu künstlich oder als Alleingänge wahrgenommen wurden, während Johannes Rau später mit dem Slogan „Wir in Nordrhein-Westfalen“ einen minimalistischen und erfolgreicheren Weg der Identitätsstiftung einschlug.
Laut der Arbeit wurde die Krise von Meyers nicht als Chance zur Identitätsstiftung genutzt, obwohl sie das Selbstverständnis der Menschen im Ruhrgebiet massiv beeinflusste.
Das Vorhaben scheiterte am heftigen medialen und politischen Widerstand, da das Wappen als Rückschritt in die „Kleinstaaterei“ empfunden wurde und Meyers bei der Umsetzung zu stur handelte.
Der Autor sieht in der Gründung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ein bleibendes und erfolgreiches Vermächtnis von Meyers, das maßgeblich zur kulturellen Profilierung des Landes beitrug.
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