Masterarbeit, 2018
89 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Authentizitätsmechnismus basierend auf den filmischen Realitätsschichten
2.1 Der Authentizitätsbegriff als rezeptionsphänomenologisches Phänomen
2.2 Realitätsschichten des Filmes und Verneinung von Wirklichkeitsabbildung
2.3 Der Authentizitätsprozess in Bezug zum Film
3 Dokumentarfilmtypen und ihre Authentizitätsstrategien
3.1 Realitätsabbildung durch Kommentierung und Inszenierung
3.2 Realitätsabbildung durch Beobachtung
3.3 Realitätsabbildung durch Reflexion
3.4 Realitätstäuschung durch die Mockumentary
4 Authentizität im Horrorfilm
4.1 Realistic Horror
4.2 Das Imitation Found Footage-Horrorsubgenre
5 Formal-ästhetische Wandlungen im I.F.F.-Horrorsubgenre
5.1 Kameratypen
5.1.1 Prägnante reflexive Kamerasequenzen im I.F.F.-Horrorfilm
5.1.2 Vom funktionslosen Aufnahmemodus zur „glatten“ Bildhästhetik
5.2 Montage
5.2.1 Steigerung professioneller Montageverläufe
5.2.2 Ökonomische Schnittfolgen
5.3 Tongestaltung
5.3.1 Diegetische Klänge als nichtdiegetischer Musikersatz
5.3.1.1 Das monotone Klangobjekt
5.3.2 Nichtdiegetische Verstärkungseffekte
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dynamik von Authentizitätsangeboten im Subgenre des Imitation-Found-Footage-Horrorfilms im Zeitraum von 1999 bis zur Gegenwart. Zentrales Ziel ist es, mittels einer werkästhetischen Analyse formal-ästhetischer Mittel zu prüfen, ob die charakteristische dokumentarische Form des Genres im historischen Verlauf ihre Verweisfunktion auf die nichtfilmische Realität verliert.
2.1 Der Authentizitätsbegriff als rezeptionsphänomenologisches Phänomen
Der literaturtheoretische Authentizitätsbegriff wird in Metzlers Lexikon Literatur definiert als „Die Wahrhaftigkeit a) des subjektiven Selbstausdrucks oder b) des objektiven Weltbezugs im lit. Text.“ Neben dem subjektphilosophischen ersten Teil des zitierten Eintrages lässt sich bei der Betrachtung des zweiten Aspekts an Daniel D. Sponsel und Jan Sebenings Begriff der Authentizität anknüpfen, wie im Folgenden erläutert wird. Authentizität ist ein vom Subjekt gesetztes Attribut, das Erzählungen verliehen wird, sollten diese vom Rezipienten einen Wirklichkeitsbezug zugesprochen bekommen:
„Erzählungen können Identifikation stiften und versichern dadurch dem Rezipienten, Teil einer kulturellen Gemeinschaft zu sein. Dieser Identifikationsprozess funktioniert aber nur, wenn die Erzählung auf eine dem Zuschauer in irgendeiner Weise vertraute Lebenswirklichkeit verweist. Das gilt für nonfiktionale und fiktionale Filmerzählungen in gleicher Weise. Der Bezug zur Wirklichkeit [des Rezipienten, Anm. d. Verf.] wird in beiden Gattungen oft mit dem Attribut der Authentizität kategorisiert.“
Sponsel und Sebening definieren den Authentizitätsbegriff, wenn es um literarische oder audiovisuelle Produktionen geht, rezeptionsphänomenologisch. Das Adjektiv „authentisch“ stellt eine subjektive Bewertung des von der Subjekt-Instanz wahrnehmenden oder wahrgenommenen Werkes dar, wenn als Bedingung „die Erzählung auf einer mehr oder weniger konkreten und emotional verifizierbaren Verbindung zur Lebenswelt des Zuschauers“ fußt. Damit im Einklang stehend, beschreibt Manfred Hattendorf den Authentizitätsbegriff als eine
„[...] relative[n] Kategorie [...] für die Glaubwürdigkeit eines äußeren Ereignisses oder eines inneren Erlebnisses. Diese Glaubwürdigkeit entfaltet ihre Überzeugungskraft in der künstlerischen Vermittlung, die sich an der eigenen Wahrnehmung der Rezipienten messen lassen muß. Authentizität wird damit zu einer Frage der Rhetorik und der Wahrnehmungspsychologie.“
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Authentizität in Medienproduktionen und Hinführung zum Forschungsobjekt des Imitation-Found-Footage-Horrorfilms.
2 Der Authentizitätsmechnismus basierend auf den filmischen Realitätsschichten: Theoretische Grundlegung des Authentizitätsbegriffs und Vorstellung des Schichtenmodells nach Eva Hohenberger zur Differenzierung verschiedener Realitätsebenen.
3 Dokumentarfilmtypen und ihre Authentizitätsstrategien: Skizzierung klassischer Dokumentarfilmmodi und deren spezifische Verfahren, Authentizität beim Rezipienten zu erzeugen.
4 Authentizität im Horrorfilm: Abgrenzung des realistischen Horrors vom klassischen Horrorgenre und Definition des Imitation-Found-Footage-Subgenres.
5 Formal-ästhetische Wandlungen im I.F.F.-Horrorsubgenre: Hauptteil der Arbeit, der anhand ausgewählter Sequenzen die Wandlung von Kameraführung, Montage und Tongestaltung im historischen Verlauf analysiert.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These, dass sich die Authentizitätsstrategien des Genres durch zunehmende Professionalisierung in Richtung rein fiktionaler, unauthentischer Ästhetik verändern.
Imitation Found Footage, Authentizität, Horrorfilm, Dokumentarfilm, Bildästhetik, Montage, Tongestaltung, Realitätsschichten, Rezeptionsphänomenologie, The Blair Witch Project, Paranormal Activity, Amateurästhetik, Medialisierung, Authentizitätsangebot, fiktionale Erzählung.
Die Arbeit untersucht die formal-ästhetische Gestaltung des Imitation-Found-Footage-Horrorfilms und analysiert, wie diese durch spezifische Stilmittel Authentizität suggeriert und ob diese Wirkung über den Zeitraum von 1999 bis heute Bestand hat.
Die Schwerpunkte liegen auf der medienwissenschaftlichen Definition von Authentizität, der Analyse von Dokumentarfilmmodi, der Untersuchung von filmischer Bildgestaltung (Kameratypen), der Montagetechnik sowie der komplexen Tongestaltung in fiktionalen Found-Footage-Produktionen.
Die primäre Forschungsfrage lautet: Anhand welcher konkreten formal-ästhetischen Mittel werden in I.F.F.-Horrorfilmen potenzielle Authentizitätsangebote an die Rezipienten gemacht und wandelt sich dieser dokumentarische Anspruch im historischen Verlauf?
Die Arbeit verwendet eine werkästhetische Analyse, gestützt durch filmtheoretische Modelle wie das Realitätsschichtenmodell von Eva Hohenberger und Ansätze der Sound-Design-Analyse nach Richard Murray Schafer.
Der Hauptteil widmet sich in Kapitel 5 der detaillierten Untersuchung von Kameratypen, Montageverläufen und der Tongestaltung (insbesondere des "monotonen Klangobjekts") in verschiedenen Horrorfilmen des untersuchten Subgenres.
Zu den zentralen Begriffen zählen "Imitation Found Footage" (I.F.F.), Authentizitätsangebot, formale Ästhetik, dokumentarische Inszenierung und Medialisierung.
Die Handkamerawirkung fungiert als zentrales Authentizitätssignal, das den Rezipienten dazu anregen soll, das Dargestellte als unvermitteltes Rohmaterial zu interpretieren, wobei moderne Produktionen diese Ästhetik durch professionellere Bildkompositionen zunehmend schwächen.
Das m.K.o. dient in vielen Found-Footage-Filmen, wie beispielsweise in "The Blair Witch Project" oder der "Paranormal Activity"-Reihe, als akustischer Repräsentant des Übernatürlichen und fungiert häufig als funktionaler Ersatz für nichtdiegetische Musik.
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