Bachelorarbeit, 2019
57 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Unabhängig aber arm
2.1. Spätkoloniale Entwicklungsversuche
2.2. Der Weltbankbericht
2.3. Village Settlement Scheme, 1962-1966
3. Ujamaa in Kürze
4. Litowa und die Ruvuma Development Association (RDA)
4,1. Die Arusha Deklaration
4.2. Das Ende der RDA
5. Von Ujamaa Vijijini zur Large Scale Villagization
5.1. Mit Zuckerbrot und Peitsche ins Entwicklungsdorf
5.2. Vormoderne Gesellschaft und Klassenkampf
6. Sozialismus in einer Ex-Kolonie
6.1. Panafrikanismus und der afrikanische Sozialismus
6.2. Ujamaa, der tansanische Sozialismus
6.3. Die Wirklichkeit der afrikanischen Tradition und der Einfluss Europas
7. Der Diskurs von Fortschritt und Entwicklung.
7.1. Die Ästhetik der Moderne
8. Fazit
9. Abkürzungen
10. Quellen und Literatur
Diese Arbeit untersucht die tansanische Entwicklungspolitik zwischen 1945 und 1980, mit einem besonderen Fokus auf das Ujamaa-Programm, um Kontinuitäten und Brüche zwischen kolonialen Ansätzen und dem postkolonialen sozialistischen Umbau zu analysieren.
3. Ujamaa in Kürze
Bevor an dieser Stelle weiter auf Litowa eingegangen werden kann, sollen die wesentlichen Prinzipien von Ujamaa kurz vorgestellt werden. In Kapitel 6 wird Ujamaa als eine Form des afrikanischen Sozialismus detaillierter untersucht werden. Dort soll auch der Frage nachgegangen werden, aus welchen Quellen Nyerere schöpfte, und in wie weit seine Vorstellungen der traditionellen afrikanischen Gesellschaft der Wirklichkeit entsprachen.
Für Nyerere ist der Afrikaner schon immer ein Sozialist gewesen. Dabei nimmt er Bezug auf die traditionelle afrikanische Großfamilie, die den Kern der dörflichen Gesellschaft bildet. Sie ist eine Gemeinschaft, die sich um jedes seiner Mitglieder sorgt, zusammen arbeitet, das Land gemeinsam nutzt und besitzt und demokratisch Entscheidungen nach dem Konsensprinzip findet. Ein weiteres Element ist die Pflicht eines Jeden nach seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Nyerere drückt das mit einem Sprichwort aus: „Mgeni siku mbili; siku ya tatu mpe jembe.“ Es sei in der traditionellen Gesellschaft eine Schande gewesen, seinen Anteil an der Arbeit zu verweigern. Der Kolonialismus habe nur oberflächlich das Leben der Menschen verändert. Eine Rückbesinnung sei möglich:
Our first step, therefore, must be to re-educate ourselves; to regain our former attitude of mind. In our traditional African society we were individuals within a community. We took care of the community, and the community took care of us. We neither needed nor wished to exploit our fellow men.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des radikalen Gesellschaftsumbaus im postkolonialen Tansania ein und umreißt die methodische Herangehensweise.
2. Unabhängig aber arm: Kapitel 2 beleuchtet die spätkolonialen Entwicklungsversuche und den Weltbericht der Weltbank als Vorläufer für spätere agrarpolitische Maßnahmen.
3. Ujamaa in Kürze: Hier werden die theoretischen Grundprinzipien des Ujamaa-Konzepts von Julius Nyerere vorgestellt, das auf traditionellen afrikanischen Familienstrukturen basiert.
4. Litowa und die Ruvuma Development Association (RDA): Dieses Kapitel analysiert das als Modellprojekt geltende Dorf Litowa und die erfolgreiche Genossenschaft RDA vor deren politischer Zerschlagung.
5. Von Ujamaa Vijijini zur Large Scale Villagization: Kapitel 5 beschreibt den Übergang von freiwilliger genossenschaftlicher Entwicklung hin zu erzwungener Massenumsiedlung und staatlich verordnetem "Social Engineering".
6. Sozialismus in einer Ex-Kolonie: Eine Untersuchung des afrikanischen Sozialismus im panafrikanischen Kontext und eine kritische Gegenüberstellung mit tatsächlichen traditionellen Strukturen.
7. Der Diskurs von Fortschritt und Entwicklung.: Dieses Kapitel analysiert das Framing von Entwicklung und Moderne sowie die ästhetischen Aspekte staatlicher Planung im tansanischen Entwicklungsprozess.
8. Fazit: Das Fazit resümiert das Scheitern von Ujamaa als gesamtstaatliches Organisationsmodell und hebt das Potenzial kleinräumiger Zusammenarbeit hervor.
9. Abkürzungen: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Abkürzungen.
10. Quellen und Literatur: Umfassendes Verzeichnis der Primär- und Sekundärquellen.
Ujamaa, Tansania, Julius Nyerere, Entwicklungspolitik, Villagization, Ruvuma Development Association, Postkolonialismus, Agrarpolitik, Sozialismus, Social Engineering, Tradition, Genossenschaftswesen, Landwirtschaft, Tansanische Geschichte, Moderne.
Die Arbeit untersucht den radikalen gesellschaftlichen Umbau Tansanias unter dem Schlagwort Ujamaa, mit einem Fokus auf die Kontinuitäten und Brüche zwischen der kolonialen Entwicklungspolitik und der nachkolonialen sozialistischen Praxis.
Zu den zentralen Themen gehören die Transformation der ländlichen Siedlungsstrukturen, die Rolle von Genossenschaften wie der RDA, die Bedeutung des "Social Engineering" sowie die kritische Reflexion über den afrikanischen Sozialismus.
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, warum der tansanische Weg gewählt wurde, welche strukturellen und philosophischen Motive hinter den staatlichen Entscheidungen standen und warum trotz der sozialistischen Vision massive Zwangsmaßnahmen zur Anwendung kamen.
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und inhaltliche Analyse, die Dokumente, zeitgenössische Berichte, Interviews und wissenschaftliche Diskurse kombiniert, um eine chronologische Ordnung und eine Identifizierung von Ursachen und Folgen zu ermöglichen.
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Ujamaa-Dörfer, von den ersten freiwilligen Initiativen in Litowa bis zur großflächigen, oft gewaltsamen Umsiedlung der Bevölkerung, sowie die ideologischen Grundlagen des panafrikanischen Sozialismus.
Wesentliche Begriffe sind Ujamaa, Villagization, Selbständigkeit (Kujitegemea), traditionelle afrikanische Familie, Agrarpolitik und der Diskurs über den wissenden Experten gegenüber dem reaktionären Bauern.
Der Autor klammert den städtischen Bereich aus, da die Besonderheit und der Kern des tansanischen Sozialismus vor allem in der Umgestaltung des bäuerlichen Lebens auf dem Land sichtbar wurden, wo etwa 95% der Bevölkerung lebten.
Die RDA fungierte zunächst als erfolgreiches Modellprojekt basisdemokratischer Kooperation, wurde jedoch später von der Partei TANU als Bedrohung wahrgenommen und schließlich zerschlagen, um die staatliche Kontrolle über das Land zu zentralisieren.
Der Autor argumentiert, dass das Streben nach einer "lesbaren" (legible) Gesellschaft durch standardisierte, rechtwinklig geplante Dörfer die Komplexität des realen Lebens vereinfachte, was zu einer Zerstörung informeller, funktionaler Abläufe und letztlich zum Produktivitätsverlust führte.
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