Masterarbeit, 2016
141 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
Theorieteil
1. Die historische Produktion der ‚Ausländer’
1.1 Rassismus als Konstrukt
1.2 Arbeitsmarkt
1.3 Bildungsinstitution Schule
1.4 Staatsangehörigkeit
1.5 Kulturelle Hegemonie
2. Rassismusforschung
2.1. Die problematische Beziehung von Rassismus und Wissenschaft
2.2. Untersuchungen zu den von Rassismus benachteiligten Personen
3. Theoretische Perspektiven
3.1. Rassismus als Ideologie
3.2. Kultureller Rassismus
3.3. Alltagsrassismus
3.4. Zwischenfazit
4. Studien zu Rassismuserfahrungen
4.1. Der Begriff ‚Andere Deutsche’
4.2. Versuch einer Definition
4.3. Dimensionen von Rassismuserfahrungen (Mecheril)
4.4. Vorgänge einer rassistischen Situation (Terkessidis)
4.5. In Bezug auf die Forschungsarbeit
5. Effekte und Auswirkungen von Rassismuserfahrungen
5.1. Effekte von Rassismuserfahrungen
5.2. Prozesse der Subjektbildung
5.3. Handlungsfähigkeiten & -strategien
6. Die Frage der Zugehörigkeit
6.1. Imagination als Ordnung
6.2. Vom mononationalen Blick und seinen Restriktionen...
6.3. ... hin zu Mehrfach-Identitäten und Vielfalt
Empirischer Forschungsteil
7. Perspektive der Forschungsarbeit
7.1. Genese des Themas & Problemstellung
7.2. Formulierung der Forschungsfrage
7.3. Verortung des Themas
7.4. Forschungsziel
8. Methodik
8.1. Qualitative Sozialforschung
8.2. Das qualitative Interview
8.3. Die Gruppendiskussion
8.4. Das Einzelinterview
8.5. Auswertungsverfahren nach Bohnsack
9. Datenerhebung
9.1. Beschreibung der Institution
9.2. Die Interviews
9.2.1. Interview 1
9.2.2. Interview 2
9.2.3. Interview 3
9.2.4. Interview 4
9.2.5. Interview 5
9.2.6. Interview 6
10. Jugendliche und ihre Erfahrungen
10.1.Bedeutung von Diskriminierung und Rassismus
10.2.Rassistische Artikulationen
10.3.Rassismus - Erklärungsversuche
10.4.Rassistische Diskriminierungen: Differenzen
10.4.1.Diskriminierung als Spaßpraktik
10.4.2. Ambivalenzen: Betroffener & Akteur
10.4.2.1.‚Ausländer’ diskriminieren ‚Ausländer’
10.4.2.2.Homosexualität
10.5.Rassistische Diskriminierung im Alltag
10.6.Rassistische Diskriminierung im Unterrichtskontext
10.7.Rassistische Diskriminierung im Arbeitskontext
10.8.Handlungsstrategien
10.9.Selbst- und Fremdpositionierung
10.10.Der Begriff ‚Ausländer’
10.11.Der dritte Raum als sicherer Raum
10.12.Im Land der Träume
11. Conclusio und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rassismuserfahrungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Innsbruck, mit dem Ziel, die Auswirkungen dieser Erfahrungen auf ihr Leben sowie ihre Reaktionen und entwickelten Handlungsstrategien zu dokumentieren und zu analysieren.
3.2. Kultureller Rassismus
Der Begriff Kultureller Rassismus, von Etienne Balibar bezeichneter „Neo-Rassismus“ (Balibar, 1990:28) stellt eine Weiterentwicklung des kolonialen Rassismus dar und ist als postkolonialen Rassismus zu verstehen (vgl. Scherschel, 2006:42f). Diese Auffassung von Rassismus wird beschrieben als ein „Rassismus ohne Rassen“ und erklärt den Rasse-Begriff zudem für überflüssig. Es findet somit eine Verschiebung von ‚Rasse’ zu ‚Kultur’ statt. Hier muss jedoch beachtet werden, dass auch der ‚Kultur Begriff’ sich auf Argumentationen der Differenz basiert. Wulf D. Hund sieht dies als Versuch „die Diskreditierung des Rassenbegriffs dadurch zu unterlaufen, dass er durch Vorstellungen von Kultur ersetzt wird“ (Hund, 2007:11). Leiprecht zufolge wird der Begriff Kultur im Neo-Rassismus als „Sprachversteck für Rassen“ verwendet (vgl. Leiprecht, 2001:28f) und begründet eine statische und essentialisierende Sicht auf Kultur, welche als unveränderbar und naturgegeben gilt.
Mecheril und Scherschel zufolge dient der Kulturbegriff dazu, Ausgrenzungen zu legitimieren. Sie beschreiben den postkolonialen Rassismus als „eine Herrschaftspraxis, die rassistisch wirksam ist, ohne explizit auf das Rassekonzept zurück greifen zu müssen“ (Mecheril, Scherschel, 2009:49). Anhand von Kultur wird eine rassifizierte Differenz konstruiert, die Herabwürdigungen, Ungleichheitsbehandlungen sowie Ausgrenzungspraxen legitimiert (vgl. Balibar, 1990:28). Balibar, Mecheril, Melter und Scherschel sind sich einig, dass dem kulturellen Rassismus keine allgemeingültige Zuschreibung einer Minderwertigkeit zugeschrieben wird, sondern eine Inkompatibilität unterschiedlicher Kulturen darstellt (vgl. Balibar, 1990:28; Mecheril/Melter, 2010:153; Scherschel, 2006:43). Scherschel beschreibt dies wie folgt:
„Rassismus wird als ein Produkt des Zusammentreffens der Kulturen ausgemacht und als eine natürliche Abwehrreaktion gegen das Eindringen Fremder in die eigene Kultur bewertet“ (Scherschel, 2006:43).
1. Die historische Produktion der ‚Ausländer’: Dieses Kapitel analysiert Rassismus als gesellschaftliches Konstrukt und beleuchtet dessen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Schule und Staatsangehörigkeit.
2. Rassismusforschung: Hier wird die kritische Beziehung zwischen Wissenschaft und Rassismus reflektiert und bestehende Studien zu den von Rassismus benachteiligten Personen werden diskutiert.
3. Theoretische Perspektiven: Das Kapitel bietet eine theoretische Auseinandersetzung mit Rassismus als Ideologie, kulturellem Rassismus und Alltagsrassismus.
4. Studien zu Rassismuserfahrungen: Hier werden Begriffe wie ‚Andere Deutsche’ definiert sowie Dimensionen von Rassismuserfahrungen und Vorgänge rassistischer Situationen erläutert.
5. Effekte und Auswirkungen von Rassismuserfahrungen: Dieses Kapitel analysiert mögliche Effekte von Rassismus, Prozesse der Subjektbildung sowie Handlungsfähigkeiten und -strategien der Betroffenen.
6. Die Frage der Zugehörigkeit: Es wird untersucht, wie gesellschaftliche Imaginationen Identitäten strukturieren und wie der Übergang von mononationalen Blicken hin zu Mehrfach-Identitäten erfolgt.
7. Perspektive der Forschungsarbeit: Dieses Kapitel legt die Genese des Themas, die Forschungsfrage sowie das Forschungsziel der Masterarbeit dar.
8. Methodik: Hier werden die qualitative Sozialforschung, das Interview, die Gruppendiskussion und das Auswertungsverfahren nach Bohnsack theoretisch begründet.
9. Datenerhebung: Das Kapitel beschreibt das Feld, die Institution und den Prozess der Datenerhebung anhand der geführten Interviews.
10. Jugendliche und ihre Erfahrungen: Dies ist der Hauptteil, in dem die Ergebnisse der Interviews zu Diskriminierung, rassistischen Artikulationen und Handlungsstrategien analysiert werden.
11. Conclusio und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und reflektiert weiterführende Perspektiven.
Rassismus, Rassismuserfahrungen, Jugendliche, Migrationshintergrund, Diskriminierung, Alltagsrassismus, Identität, Zugehörigkeit, Othering, Subjektbildung, Handlungsstrategien, qualitative Sozialforschung, Innsbruck, Machtverhältnisse, Integration.
Die Arbeit untersucht das Phänomen Rassismus und die spezifischen Rassismuserfahrungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Innsbruck unter Einbeziehung ihrer Reaktionen und Handlungsstrategien.
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Rassismus, die Auswirkungen von Diskriminierungserfahrungen, die Frage der Identität und Zugehörigkeit sowie die konkreten Handlungsstrategien der befragten Jugendlichen im Alltag.
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund aus Innsbruck auf Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen reagieren und welche Handlungsstrategien sie dabei entwickeln.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der Interviews (Einzel- und Gruppendiskussionen) umfasst, welche anschließend mithilfe der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack ausgewertet werden.
Im Hauptteil werden die Erfahrungen der befragten männlichen Jugendlichen aus Innsbruck detailliert analysiert, wobei Themen wie Bedeutung von Diskriminierung, rassistische Artikulationen, Handlungsstrategien und Selbst- sowie Fremdpositionierung im Zentrum stehen.
Wichtige Begriffe sind Rassismus, Othering, Alltagsrassismus, Zugehörigkeit, Handlungsstrategien und die Konstruktion des ‚Anderen’.
Dies lag primär an der spezifischen Zusammensetzung der Besucher des untersuchten Jugendzentrums, in dem der Anteil männlicher Adressaten deutlich höher war.
Die Jugendlichen entwickeln diverse Strategien: vom bewussten Ignorieren über den Aufbau von Schutzräumen bis hin zu widerständigem oder teils gewalttätigem Verhalten, um Anerkennung und Respekt zu erlangen.
Die Arbeit zeigt, dass Medienberichte und Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook die Meinungsbildung der Jugendlichen stark beeinflussen können, wobei diese Informationen teilweise unhinterfragt übernommen und zur Erklärungsfindung herangezogen werden.
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