Bachelorarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 1,7
1 Belgien – ein stabiler Staat im Herzen Europas?
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Staatsverständnis
2.1.1 Georg Jellineks Drei-Elemente-Lehre
2.1.2 Max Webers Staatsbegriff
2.2 Staatszerfallstheorie nach Daniel Lambach
2.2.1 Ein dreidimensionales Konzept von Staatszerfall
2.2.2 Der Verlauf von Staatszerfall
2.3 Reflexion der Verwendung des theoretischen Ansatzes und Darlegung seines Mehrwertes
2.4 Ableitung der Hypothese als vorläufige Beantwortung der Fragestellung
3. Der flämisch-wallonische Konflikt in Belgien
3.1 Geschichtliche Entwicklung des Konfliktes
3.2. Föderalisierung – eine Vorstufe zur Teilung Belgiens oder gelungene Reaktion auf zentrifugale Kräfte?
3.3 Belgien vor dem Staatszerfall?
3.3.1 Politisierung von Identitäten
3.3.2 Polarisierung der politisch aktiven Gruppen
3.3.3 Machtverteilung zwischen den Lagern
3.3.4 Militarisierung der Gruppen
4. Überprüfung der Hypothese und abschließendes Fazit
Die Arbeit untersucht, ob Belgien angesichts des flämisch-wallonischen Konflikts von einem Staatszerfall bedroht ist. Dabei wird die Theorie des Staatszerfalls nach Daniel Lambach als methodische Grundlage genutzt, um die aktuelle Situation in Belgien zu analysieren und zu prüfen, ob Anzeichen für eine Fragmentierung der Politik vorliegen.
2.2.1 Ein dreidimensionales Konzept von Staatszerfall
In dieser Definition wird deutlich, dass für Lambach Staatsbildung ein Prozess von Monopolisierung von Gewalt, Recht und Abgaben (andere Autoren sprechen analog auch von Sicherheit, Legitimität und Wohlfahrt) darstellt, während Staatszerfall als ein genau umgekehrter Prozess von Privatisierung bzw. Entmonopolisierung dieser drei Gesichtspunkte zu verstehen ist. Da diese variablen die entscheidenden Dimensionen von Staatszerfall darstellen, können diese in einem dreidimensionalen Raum visualisiert werden (Vgl. Abbildung 1). Die Punkte (1,1,1) und (0,0,0) stellen hierbei die Idealtypen eines perfekt funktionierenden Staates mit hundertprozentigen Monopolen auf die drei Variablen bzw. einen komplett zerfallenen Staat ohne jeglichen Zugriff auf einen der drei Aspekte dar. Hierbei sollte beachtet werden, dass es sich vor allem bei der Variablen „Gewalt“ um ein idealtypisches Konzept handelt. Kein Staat der Welt wird jemals über ein vollständiges Gewaltmonopol verfügen. Die dicke Linie, die die beiden Extrema verbindet, stellt dabei ein lineares Staatszerfallskonzept dar. Alle drei Dimensionen variieren hier direkt proportional zueinander.
1 Belgien – ein stabiler Staat im Herzen Europas?: Das Kapitel führt in die Thematik ein und kontrastiert Belgiens hohe Stabilität mit den langjährigen, durch den Sprachkonflikt verursachten politischen Krisen.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen theoretischen Konzepte wie Jellineks Drei-Elemente-Lehre und Webers Staatsverständnis erläutert, bevor Lambachs Staatszerfallstheorie als Analyseraster eingeführt wird.
3. Der flämisch-wallonische Konflikt in Belgien: Dieses Kapitel beschreibt die historischen Trennungslinien zwischen Flamen und Wallonen und analysiert, inwiefern die Föderalisierung zur Lösung oder Eskalation des Konflikts beigetragen hat.
4. Überprüfung der Hypothese und abschließendes Fazit: Das Fazit wertet die empirischen Befunde aus und kommt zu dem Schluss, dass die Hypothese eines unmittelbar drohenden Staatszerfalls nach Lambachs Typ I zwar abzulehnen ist, dennoch aber langfristige Risiken bestehen.
Staatszerfall, Belgien, Föderalisierung, Lambach, Flandern, Wallonien, Sprachkonflikt, Identitätspolitik, Machtverteilung, Fragmentierung, politische Polarisierung, Staatsbildung, Nationalismus, Gewaltmonopol, Souveränität.
Die Bachelorarbeit untersucht, ob der belgische Staat aufgrund ethnonationaler Spannungen und der fragmentierten politischen Landschaft Gefahr läuft, zu zerfallen.
Der Fokus liegt auf der Staatszerfallsforschung, der historischen Entwicklung Belgiens, der föderalen Struktur des Landes sowie der Analyse soziopolitischer Spannungen zwischen Flamen und Wallonen.
Das Ziel ist die Prüfung der Hypothese, ob Belgien sich aufgrund des Konflikts zwischen den Sprachgruppen im Zustand einer fragmentierten Politik befindet, die in einen Staatszerfall münden könnte.
Die Arbeit stützt sich primär auf die theoretische Staatszerfallstheorie von Daniel Lambach und wendet dessen Kriterien zur Fragmentierung politischer Systeme auf das Fallbeispiel Belgien an.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Staatsbegriffe, die Erläuterung des Modells von Lambach sowie eine empirische Untersuchung der Identitätspolitik und Machtverteilung in Belgien.
Zentrale Begriffe sind Staatszerfall, Föderalisierung, Belgien, Identitätspolitik, Flandern, Wallonien und Fragmentierung.
Brüssel ist laut Autor ein unteilbarer Knotenpunkt, da sich die Stadt nicht in strikt getrennte Sprachgebiete unterteilen lässt, was eine friedliche Teilung des Landes fast unmöglich macht.
Nein, der Autor argumentiert, dass die ständigen Staatsreformen und die Dezentralisierung die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen eher vergrößert als verringert haben.
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