Diplomarbeit, 2005
74 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Funktionsweise von Emissionshandelssystemen
3 Grundsätzliche Möglichkeiten der Allokation
3.1 Grandfathering
3.2 Auktion
3.3 Vergleich der beiden Methoden
3.4 Schlussfolgerung
4 Lobbyismus in der EU
4.1 Die unterschiedlichen Beeinflussungsmöglichkeiten der Interessengruppen
4.1.1 Die Unternehmen
4.1.2 Die Umweltschutzverbände
4.1.3 Die Konsumenten
4.2 Die Bedeutung des politischen Systems
4.2.1 Die EU-Kommission
4.2.2 Der Rat der Europäischen Union
4.2.3 Das Europäische Parlament
4.3 Schlussfolgerung
5 Die Analyse des politischen Entscheidungsprozesses
5.1 Das Interesse der Unternehmen
5.1.1 Rent-Seeking der Unternehmen
5.1.2 Empirische Analyse
5.2 Das Interesse der Umweltschutzverbände
5.3 Das Verhalten der Konsumenten
5.4 Das Entscheidungskalkül der Politiker
5.5 Das Interesse der Umweltbehörden
6 Fazit
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Interessengruppen auf die politische Entscheidung für das sogenannte "Grandfathering" als Allokationsmethode für Emissionszertifikate im europäischen Emissionshandelssystem. Dabei wird analysiert, warum trotz ökonomischer Vorteile einer Zertifikatsauktion die kostenlose Zuteilung gewählt wurde und inwiefern dies dem Einfluss mächtiger Interessenverbände auf das EU-Entscheidungssystem zugeschrieben werden kann.
3.1 Grandfathering
Beim Grandfathering werden die Zertifikate den Unternehmen kostenlos zugeteilt; in der Regel erfolgt dies auf der Basis historischer Emissionen. Bei diesem System werden die Emissionen der verschiedenen Unternehmen in einer Basisperiode gemessen, die Summe der Emissionen wird daraufhin entsprechend den Minderungszielen gesenkt und es werden in Höhe der verminderten Gesamtmenge Zertifikate ausgegeben. Wenn beispielsweise die Gesamtemissionen in der Basisperiode 100 Einheiten betragen und die Emissionsobergrenze auf 80 Einheiten festgelegt wird, erhält ein Unternehmen kostenlos Zertifikate für 80% seiner Emissionen in der Basisperiode. Auch bei der kostenlosen Zuteilung werden die Unternehmen ihre Grenzvermeidungskosten mit dem herrschenden Zertifikatspreis vergleichen und entweder Zertifikate zukaufen, oder ihre Emissionen verringern, so dass sich die kosteneffiziente Allokation der Emissionen, wie oben gezeigt, einstellt.
Ein großes Problem beim Grandfathering ist die unterschiedliche Behandlung von Alt- und Neuemittenten. Da die Emissionsobergrenze festgelegt ist und Zertifikate in diesem Ausmaß an die bestehenden Firmen verteilt werden, haben Unternehmen, die neu in den Markt kommen, nur die Möglichkeit, Zertifikate von Altemittenten zu kaufen. Die Altemittenten erhalten dadurch einen Vermögensvorteil gegenüber neuen Marktteilnehmern. Es wird häufig die Sorge geäußert, dass bei diesem System Kostenvorteile für die Altemittenten entstehen, die zu Marktzutrittsschranken führen. Da den Altemittenten durch die kostenlose Zuteilung der Zertifikate jedoch Opportunitätskosten entstehen, wird es nicht zu Marktzutrittsschranken kommen. Diese Problematik wird in Kapitel 5.1.1 noch ausführlich diskutiert.
1 Einleitung: Einführung in das europäische Emissionshandelssystem und die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss von Interessengruppen auf die Allokationsmethode.
2 Funktionsweise von Emissionshandelssystemen: Darstellung des Instruments Emissionshandel als kosteneffiziente Methode zur Emissionsreduktion.
3 Grundsätzliche Möglichkeiten der Allokation: Erläuterung der Methoden Grandfathering und Auktion sowie deren Vergleich hinsichtlich Effizienz und Verteilungsaspekten.
4 Lobbyismus in der EU: Untersuchung der Strukturen und Akteure in der EU-Politik sowie deren Anfälligkeit für Lobbyeinflüsse.
5 Die Analyse des politischen Entscheidungsprozesses: Detaillierte Betrachtung der Interessen von Unternehmen, Verbänden und Politikern mittels polit-ökonomischer Modellansätze.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Entscheidung für das Grandfathering primär durch den erfolgreichen Lobbyismus von Unternehmensverbänden beeinflusst wurde.
Emissionshandel, Allokationsmethode, Grandfathering, Auktion, Lobbyismus, EU-Politik, Interessengruppen, Rent-Seeking, Klimaschutz, Zertifikate, politische Ökonomie, Kosteneffizienz, Entscheidungsfindung, Umweltregulierung, Marktzutrittsbarrieren
Die Arbeit analysiert, warum die Europäische Union bei der Einführung ihres Emissionshandelssystems die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten (Grandfathering) gegenüber einer Versteigerung (Auktion) bevorzugt hat, obwohl letztere ökonomisch effizienter wäre.
Die zentralen Themen sind die ökonomische Theorie von Emissionshandelssystemen, die politische Ökonomie des Lobbyismus innerhalb der EU-Institutionen sowie die Interessenkonflikte verschiedener Akteure bei der Umweltregulierung.
Es wird untersucht, ob es Interessengruppen gelungen ist, eine Allokationsmethode zu etablieren, die ihnen persönliche Vorteile bringt, der Gesamtwohlfahrt jedoch schadet.
Die Arbeit kombiniert eine normative ökonomische Analyse (Vergleich der Effizienz von Allokationsmethoden) mit einem positiven, polit-ökonomischen Ansatz (Rent-Seeking-Modelle und Analyse der Einflussnahme von Interessengruppen).
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Analyse der Instrumente und eine umfangreiche Untersuchung der Akteure (Unternehmen, NGO, Politik) sowie deren Möglichkeiten und Anreize, den politischen Prozess in Brüssel zu beeinflussen.
Die wichtigsten Begriffe sind Emissionshandel, Lobbyismus, Grandfathering, Rent-Seeking, EU-Haushalt und politisches Entscheidungskalkül.
Kleine, homogene Gruppen wie Unternehmensverbände haben stärkere Anreize zur kollektiven Einflussnahme und überwinden das Trittbrettfahrerproblem leichter als große, diffuse Gruppen wie die Steuerzahler oder Konsumenten.
Auch Umweltbehörden verfolgen eigene Interessen wie Budgetmaximierung und Machtausweitung, weshalb sie komplexe Systeme wie das Grandfathering unterstützen können, da diese mehr administrativen Aufwand und damit mehr Personal rechtfertigen.
Unternehmen bevorzugen das Grandfathering, weil es einen Vermögenstransfer darstellt und ihnen Zertifikate kostenlos überlässt, was ihre Gewinne im Vergleich zu einer Auktion, bei der sie für alle Rechte bezahlen müssten, deutlich erhöht.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Unternehmensverbände durch ihre bessere Organisation und ihre Rolle als Informationslieferanten für die EU-Kommission den Entscheidungsprozess maßgeblich in ihrem Sinne beeinflussen konnten.
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