Diplomarbeit, 2005
89 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Begriffe und Abgrenzungen
1.2.1 Fahrradkurier
1.2.2 Sport - sportlich
1.2.3 Subkultur
1.3 Methodische Vorgehensweise
1.3.1 Qualitiative Forschung und Lebensweltliche Ethnographie
1.3.2 Forschungsperspektiven
1.3.3 Induktivistische Orientierung und theoretical sampling
1.3.4 Kontextualität von Erhebung und Analyse
1.3.5 Teilnehmende Beobachtung
1.3.6 Zur Datenerhebung
1.3.7 Zur Datenauswertung
2 Fahrradkurier – Was ist das?
2.1 Äußere Sichtweise
2.1.1 Auftreten
2.1.2 Fahrweise
2.1.3 Vermarktung
2.2 Grundlegende Arbeitsvorgänge im Alltagsbetrieb
2.2.1 Auftragsannahme
2.2.2 Auftragsvergabe
2.2.3 Auftragsabwicklung
2.3 Die geschichtlichen Anfänge
2.3.1 Entdeckungsphase
2.3.2 Entwicklungsphase
2.3.3 Orientierungsphase
2.4 Der Fahrradkurier als ökologische Alternative
3 Die Sichtweise der Fahrradkuriere
3.1 Soziale Situation und Lebenslage
3.2 Soziale Kontakte
3.3 Identitätsbewusstsein
3.3.1 Ausrüstung
3.3.2 Selbstsicherheit
3.3.3 Regeln und Gesetze
3.3.4 Kontaktfreudigkeit
3.4 Körperliche Beanspruchung
3.5 Motivationelle Aspekte
3.5.1 Fitness und Gesundheit
3.5.2 Bewegungstrieb
3.5.3 Freude an der Bewegung
3.5.4 Körperliches Training und Leistungsgrenzen
3.5.5 Wagnis
3.5.6 Innerer und äußerer Kampf
3.6 Freiheit
4 Die Wettkampfszene
4.1 Szene und Wettkampf
4.2 Spezifische Werte und Normen der Wettkampfszene
4.2.1 Gemeinschaftsinn
4.2.2 Solidarität
4.2.3 Offenheit und Toleranz
4.2.4 Rebellion
4.3 Entstehungsgeschichte der modernen Kurierwettkämpfe
4.4 Das Alleycat
4.4.1 Grundregeln
4.4.2 Konditionell-koordinative Elemente
4.4.3 Psyche
4.4.4 Taktik
4.4.5 Rahmenbedingungen
4.5 Alternative Wettkampfformen
4.5.1 Global Gutz
4.5.2 Trials - Sprintrennen
4.5.3 Bergsprint - Bergzeitfahren
4.5.4 Cargo Race
4.5.5 Fixie-Only: Trackskid, Trackstand, Backward Circle
4.5.6 Bike Polo
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Fahrradkuriere, um zu analysieren, ob diese eine "sportliche" Subkultur repräsentieren. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die von den Akteuren mit ihrem Tun verbundenen Sinnschichten zu erschließen und das Phänomen sportwissenschaftlich einzuordnen.
2.1.2 Fahrweise
Nichts prägt jedoch so sehr das Bild des Fahrradkuriers, wie seine Fahrweise: „Sie flitzen durch die Straßen [...] wie Verrückte, springen auf ihren Rädern Bordsteinkanten rauf und runter, fahren kreuz und quer über die Fahrbahn und zeigen keinerlei Respekt vor der Straßenverkehrsordnung. Das Rot der Ampeln scheint auf sie zu wirken wie das wedelnde Tuch des Toreros auf den Stier: mit Vollgas drauf los.“ (John, 2002, Abs. 1).
Im Straßenverkehr ist Raum zur Fortbewegung häufig stark begrenzt, so dass Fahrradkuriere vor die Wahl gestellt sind, entweder im oft langsamen Fluss des Verkehrs mitzutreiben, oder aber selbst kleinste Freiräume zu nutzen um weiter und schneller voranzukommen. Die Nutzung kleinster Freiräume macht es jedoch wiederum erforderlich, sehr nahe an Fußgängern, Autos, Hauswänden o.ä. vorbeizufahren. Für die meisten Verkehrsteilnehmer erscheint das Einfordern von Räumen und das nahe Heranfahren mit häufig hoher Geschwindigkeit jedoch als riskant und gefährlich.
Häufig entsteht derart großes Unverständnis und Empörung, dass es zu Beschimpfungen und Nachrufen kommt, wie z.B.: „Geh’ auf die Rennstrecke wenn du so schnell fahren musst“. Manchmal stellen sich Fußgänger auf dem Gehweg absichtlich in den Weg, um ihr Territorium zu bestimmen. Seltener wird ein Kurier dabei angerempelt oder man greift ihm in den Oberarm um ihn vom Fahrrad zu zerren oder um ihn zu Fall zu bringen.
1 Einleitung: Darstellung der ethnographischen Fragestellung sowie Erörterung der methodischen Vorgehensweise zur Untersuchung der Fahrradkurierszene.
2 Fahrradkurier – Was ist das?: Analyse der Außenwahrnehmung, der täglichen Arbeitsprozesse sowie der geschichtlichen und ökologischen Hintergründe der Fahrradkuriere.
3 Die Sichtweise der Fahrradkuriere: Untersuchung der sozialen Lebenslage, des Identitätsbewusstseins sowie der motivationalen Aspekte und der körperlichen Belastung aus der Innensicht der Fahrer.
4 Die Wettkampfszene: Beleuchtung der subkulturellen Aspekte, Werte und Normen sowie der verschiedenen Wettkampfformen innerhalb der Fahrradkurier-Szene.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, welche die Fahrradkuriere in ihrer organisierten Wettkampfszene als sportliche Subkultur verortet, während der Alltag eher durch ökonomische Faktoren geprägt ist.
Fahrradkurier, Subkultur, Sportwissenschaft, Lebensweltliche Ethnographie, Alleycat, Fahrrad, Arbeitsalltag, Identität, Wettkampfszene, Mobilität, Bewegungstrieb, Körperliche Beanspruchung, Soziales Handeln, Verkehr, Ökologische Alternative
Die Diplomarbeit untersucht das Phänomen der Fahrradkuriere und analysiert, inwieweit diese Gruppe als eine "sportliche" Subkultur betrachtet werden kann.
Die Arbeit behandelt die täglichen Arbeitsbedingungen, die Identität der Fahrradkuriere, ihren Lebensstil, ihre Motivation und die spezifische Kultur der innerszenischen Wettkämpfe.
Ziel ist es, das bisher sportwissenschaftlich kaum erschlossene Feld der Fahrradkuriere zu explorieren und zu verstehen, welchen Sinn die Akteure mit ihrer Tätigkeit verbinden.
Der Autor nutzt einen qualitativen Forschungsansatz der lebensweltlichen Ethnographie, basierend auf teilnehmender Beobachtung und Leitfadeninterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die Außenperspektive auf das Kurierwesen, die Innensicht der Fahrer bezüglich ihres Lebensstils und ihrer Motivation sowie eine detaillierte Analyse der Wettkampfszene.
Die zentralen Begriffe sind Fahrradkurier, Subkultur, Ethnographie, Identität, sportliches Handeln und Alleycat-Wettkämpfe.
Viele Kuriere rechtfertigen dies durch die Kombination aus hoher Selbstsicherheit im Umgang mit dem Rad, der Einschätzung von Gefahrenmomenten und der Wichtigkeit der zeitgerechten Zustellung.
Während der Arbeitsalltag durch ökonomische Zwänge und Marktwirtschaft geprägt ist, erfüllt die Wettkampfszene (Alleycats) alle Kriterien einer sportlichen Subkultur, wie beispielsweise Freiwilligkeit und zweckfreies Handeln.
Obwohl Frauen physiologisch stärker belastet sind, gleichen sie dies oft durch intelligentes und vorausschauendes Fahren aus, um mit männlichen Kollegen mithalten zu können.
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