Bachelorarbeit, 2019
80 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung & Relevanz
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
2.1 Die „Hetzjagd von Chemnitz“: Zusammenfassung der Ereignisse
2.2 Demokratie und Öffentlichkeit
2.2.1 Die vier Modelle von Öffentlichkeit
2.2.2 Der Inklusionsanspruch der deliberativen Demokratietheorie
2.3 Vom soziologischen Framing-Konzept hin zu Medien-Frames
2.3.1 Goffman‘s soziologisches Framing-Konzept
2.3.2 Framing durch Text-Formulierung
2.3.3 Framing in der Nachrichtenberichterstattung
2.4 Die Flüchtlingskrise in der Wissenschaft
3. Empirisches Vorgehen
3.1 Themenwahl
3.1 Hypothesenbildung
3.2 Operationalisierung von Inklusivität
3.2.1 Frame-Inklusivität
3.2.2 Akteurs-Inklusivität
3.3 Qualitative Inhaltsanalyse
3.3.1 Fallauswahl
3.3.2 Entwicklung des Untersuchungsinstruments
3.3.3 Qualitative Datenauswertung
3.4 Quantitative Inhaltsanalyse
3.4.1 Fallauswahl
3.4.1 Stichprobenziehung
3.4.2 Entwicklung des Untersuchungsinstruments
3.4.2 Pretest des Codebuchs
3.4.3 Quantitative Datenauswertung
4. Forschungsergebnisse
4.1 Qualitative Ergebnisse
4.1.1 Berichterstattungs-Frame
4.1.2 Maßnahmen-Frames
4.1.3 Kritik-Frames
4.1.4 Kommentar-Frames
4.1.5 Gesellschafts-Frames
4.1.6 Demonstrations-Frames
4.1.7 Gewaltmonopol-Frame
4.1.8 Wirtschaftsstandort-Frame
4.1.9 Auslands-Frame
4.1.10 Frame-Ursprünge im politischen Spektrum
4.2 Quantitative Ergebnisse
4.2.1 Prozentuale Verteilung der Frames
4.2.2 Absolute Häufigkeiten der Frames
4.2.3 Prozentuale Frame-Herkunft
4.2.4 Prozentuale Verteilung der Akteurs-Kategorien
4.2.5 Absolute Akteurs-Häufigkeit im direkten Vergleich
4.3 Überprüfung der Hypothesen
4.3.1 Überprüfung von H1: Frame-Vielfalt
4.3.1 Überprüfung von H2: Akteurs-Vielfalt
4.3.1 Überprüfung von H3: Frame-Herkunft
4.3.1 Überprüfung von H4: Akteurs-Herkunft
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den normativen Inklusionsanspruch der Berichterstattung in deutschen Online-Nachrichtenmedien über die Ereignisse in Chemnitz im August 2018. Ziel ist es, mittels einer qualitativen und quantitativen Inhaltsanalyse zu bestimmen, inwieweit die mediale Öffentlichkeit den Kriterien der deliberativen Demokratietheorie entspricht und ob Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus bestehen.
2.3.1 Goffman‘s soziologisches Framing-Konzept
Erving Goffman (1986, S. 21) hat in seiner Arbeit "Frame Analysis" erklärt, wie Menschen Alltagserfahrungen in sogenannten Deutungsrahmen verorten, die er wiederum "primary frameworks" nennt. Dabei unterscheidet er zwischen zwei Typen von "primary frames", nämlich natürliche und soziale Frameworks. Natürliche Frameworks identifizieren Vorkommnisse als ungerichtet, unorientiert, unanimiert und ungelenkt. Goffman schreibt dazu:
"Such unguided events are ones understood to be due totally, from start to finish, to "natural" determinants. It is seen that no willful agency causally and intentionally interferes, that no actor continuously guides the outcome." (Goffman, 1986, S. 22)
Als Beispiel für ein natürliches Framework nennt Goffman beispielsweise das Wetter, da der Ursprung rein physikalischer Natur ist und kein Akteur hierbei Einfluss genommen hat. Von Anfang bis Ende sind hierbei „natürliche Determinanten“ ausschlaggebend. Der zweite Typ von Frameworks, der sogenannte „social framework“, liefert Hintergrundverständnis für Ereignisse, die durch den Willen eines Menschen kontrolliert oder ausgelöst wurden. Goffman schreibt dazu folgendes:
"Social frameworks, on the other hand, provide background understanding for events that incorporate the will, aim, and controlling effort of an intelligence, a live agency, the chief one being the human being. Such an agency is anything but implacable; it can be coaxed, flattered, affronted, and threatened. What it does can be described as "guided doings."" (Goffman, 1986, S. 22)
1. Einleitung & Relevanz: Einleitung in das Thema der Chemnitzer Ereignisse und Begründung der wissenschaftlichen Relevanz hinsichtlich der medialen Inklusion.
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand: Darstellung der theoretischen Grundlagen zu Demokratie, Öffentlichkeit und dem Framing-Konzept im Kontext der Medienberichterstattung.
3. Empirisches Vorgehen: Erläuterung der methodischen Schritte, der Fallauswahl und der Operationalisierung der Inklusivität zur Beantwortung der Forschungsfragen.
4. Forschungsergebnisse: Präsentation der qualitativen explorativen Befunde und der quantitativen statistischen Auswertung der medialen Berichterstattung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der aufgestellten Hypothesen und Diskussion der normativen Implikationen für die Demokratie.
Framing, Inklusivität, Deliberative Öffentlichkeit, Boulevardjournalismus, Qualitätsjournalismus, Chemnitz, Hetzjagd, Inhaltsanalyse, Medienberichterstattung, Politische Kommunikation, Medien-Frames, Akteurs-Inklusivität, Diskursanalyse, Online-Nachrichtenmedien, Demokratietheorie.
Die Arbeit analysiert, wie deutsche Online-Medien über die Ausschreitungen in Chemnitz im August 2018 berichteten, wobei ein besonderer Fokus auf dem normativen Inklusionsanspruch der Medien liegt.
Zentrale Themenfelder sind die mediale Konstruktion von Realität mittels Framing, die Bedeutung von Öffentlichkeit für eine funktionierende Demokratie und der Vergleich zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien.
Das Ziel ist es, zu bestimmen, inwieweit die Berichterstattung in Boulevard- und Qualitätsmedien deliberativen Kriterien entspricht und ob sie eine vielfältige Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure ermöglicht.
Es wird eine Kombination aus qualitativer und quantitativer Inhaltsanalyse angewandt, um einerseits Frames zu explorieren und andererseits deren Häufigkeit und Verteilung zu messen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Framing-Konzepts, eine detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens und eine umfangreiche Präsentation der qualitativen und quantitativen Ergebnisse.
Die wichtigsten Schlagworte sind Inklusivität, Framing, deliberative Demokratie, Boulevardjournalismus und Qualitätsjournalismus.
Überraschenderweise erwies sich der untersuchte Boulevardjournalismus als ähnlich divers wie das Qualitätsmedium, konnte jedoch Erwartungen hinsichtlich einer Dominanz rechter Frames nicht bestätigen, da auch hier eine Mischung aus unterschiedlichen politischen Spektren auftrat.
Die Politik nimmt eine zentrale Rolle ein, sowohl als Akteur, der kritisiert wird, als auch als Quelle für die mediale Deutung der Ereignisse, wobei sich alle untersuchten Medien in der Kritik an der politischen Verantwortung einig waren.
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