Masterarbeit, 2019
72 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Die Anti-Tabak-Bewegung in Deutschland bis 1933
3 Ideologische Feindschaft: Nationalsozialismus und Tabakkonsum
4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda
5 Die Durchdringung der Werbung durch die Propaganda
5.1 Die "Gleichschaltung" der deutschen Werbung
5.2 Propagandistische Eingriffe in die Werbung
6 Das Verhältnis von Werbung für und Propaganda gegen den Tabak
6.1 Die Auflösung der widersprüchlichen Koexistenz
6.2 Die Zigarettenbilderalben: Vom Werbe- zum Propagandamittel
7 Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der nationalsozialistischen Anti-Tabak-Propaganda und der fortbestehenden Tabakwerbung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie das Regime diese beiden auf den ersten Blick widersprüchlichen Kommunikationsformen im Kontext einer "gleichgeschalteten" Wirtschaftsordnung in Einklang brachte und ob und wie das Propagandaministerium die Wirtschaftswerbung für eigene Zwecke nutzbar machen konnte.
4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda
Nachdem im vorausgegangenen Abschnitt die dezidierte Feindschaft zwischen Tabakkonsum und NS-Ideologie herausgearbeitet werden konnte, soll im Folgenden dargestellt werden, wie sich diese Feindschaft in der Anti-Tabak-Propaganda der Nationalsozialisten Bahn brach. In diesem Zusammenhang sind die wichtigsten (ideologischen) Narrative herauszuarbeiten, die im propagandistischen Kampf gegen das Rauchen bemüht worden sind. Zu untersuchen ist aber auch, auf welchen maßgeblichen Vermittlungswegen diese Narrative verbreitet wurden und an welche Rezipienten sie sich hauptsächlich richteten.
Zunächst muss auf das Hauptnarrativ von der Unfruchtbarkeit hingewiesen werden, welche – der NS-Ideologie zufolge – das gesunde Fortbestehen des deutschen Volkes zu gefährden drohte. Dieses Motiv findet sich bereits in den ersten propagandistischen Agitationen gegen das Rauchen von Frauen (vgl. Lickint 1934: 1f). Im Frühling und Sommer 1933 war es diesbezüglich insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland zu spontanen Aktionen gekommen (vgl. Petrick-Felber 2015: 48), in deren Folge in Gaststätten Plakate mit der Aufschrift "Die deutsche Frau raucht nicht!" aufgehängt und "Volksgenossen" dazu ermuntern wurden, auf der Straße rauchende Frauen an ihre Pflicht als Mutter zu erinnern (vgl. Merki 1998: 25). Natürlich trugen diese Maßnahmen, die von übereifrigen Polizeipräsidenten initiiert und ohne Genehmigung der neuen Reichsregierung erfolgt waren (vgl. Merki 1998: 26), auch eine stark antifeministische Handschrift und richteten sich gegen die Zigarette als weibliches "Emanzipationssignal" (Sandgruber 1986: 130). Während die Tabakwerbung das Ideal einer "typischen" Tabakkonsumentin zeigte, die "blond, kräftig, fröhlich, gesund und tugendhaft" (Reinhardt 1993: 408-411) sei, wurden die rauchenden Frauen der "Goldenen Zwanziger" mit ihrer "unwiderstehliche[n], geradezu geballte[n] Verführungskraft" (Sandgruber 1986: 134) durch die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda zum Ausdruck einer verabscheuungswürdigen "Bordellkultur" (vgl. Reine Luft, Heft 2, 1941) degradiert.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Einordnung der NS-Anti-Tabak-Politik und thematisiert das paradoxe Spannungsfeld zwischen staatlicher Propaganda und fortbestehender Tabakwerbung.
2 Die Anti-Tabak-Bewegung in Deutschland bis 1933: Das Kapitel arbeitet heraus, dass die tabakfeindliche Haltung im "Dritten Reich" keine Neuerung war, sondern auf bereits bestehenden sozialen und gesundheitspolitischen Strömungen der Weimarer Republik basierte.
3 Ideologische Feindschaft: Nationalsozialismus und Tabakkonsum: Hier wird dargelegt, wie die Nationalsozialisten die bestehende Tabakfeindschaft rassenhygienisch überhöhten und den Tabak als "Fremdkörper" im "Volkskörper" diffamierten.
4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda: Dieses Kapitel analysiert die propagandistischen Narrative und Vermittlungswege der Kampagnen gegen das Rauchen, insbesondere die Stigmatisierung von Frauen und Jugendlichen.
5 Die Durchdringung der Werbung durch die Propaganda: Es wird die "Gleichschaltung" des Werbewesens und dessen Unterordnung unter das Reichspropagandaministerium beschrieben, wodurch Werbung zu einem steuerbaren Instrument des Regimes wurde.
6 Das Verhältnis von Werbung für und Propaganda gegen den Tabak: Das Kapitel untersucht die Auflösung der widersprüchlichen Koexistenz dieser beiden Kommunikationsformen und die Funktion der Zigarettenbilderalben als Propagandamedien.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die NS-Politik zwar auf Konsens und Lenkung setzte, jedoch aufgrund realpolitischer Notwendigkeiten und steuerlicher Interessen auf ein generelles Verbot der Tabakwerbung verzichtete.
Nationalsozialismus, Anti-Tabak-Politik, Propaganda, Wirtschaftswerbung, Gleichschaltung, Volksgesundheit, Rassenhygiene, Reemtsma, Zigarettenbilderalben, NS-Gesundheitspolitik, Konsumsteuerung, Werberat, Volksgemeinschaft, Tabakkonsum, Ideologie.
Die Arbeit untersucht das widersprüchliche Verhältnis zwischen der massiven nationalsozialistischen Anti-Tabak-Propaganda und der zeitgleichen Existenz von Tabakwerbung im "Dritten Reich".
Die zentralen Felder sind die Geschichte der Anti-Tabak-Bewegung, die nationalsozialistische Gesundheitspolitik, die Kontrolle der Werbebranche durch das NS-Regime sowie die Rolle von Werbemitteln wie Sammelbildern als Propagandainstrumente.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Regime die scheinbare Unvereinbarkeit von Tabakwerbung und Anti-Raucher-Propaganda durch Lenkungsmechanismen und ideologische Umdeutung auflöste, ohne auf die steuerlichen Einnahmen der Tabakindustrie zu verzichten.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Fachliteratur und Dokumenten der NS-Gesundheits- und Werbepolitik basiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der ideologischen Begründung der Tabakfeindschaft, der rechtlichen und organisatorischen "Gleichschaltung" der Werbung sowie der konkreten Fallanalyse von Zigarettenbilderalben als Mittel der propagandistischen Massenbeeinflussung.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Gleichschaltung", "Volksgesundheit", "rassenhygienische Motivation", "Propagandamonopol" und "konsensorientierte Steuerung".
Dies geschah vor allem aufgrund kriegsbedingter Versorgungsengpässe und der Einsicht Joseph Goebbels', dass die polemische Diffamierung von Rauchern – die einen Großteil der Bevölkerung und der Soldaten ausmachten – demotivierend wirkte und die Kriegsanstrengungen gefährden könnte.
Reemtsma war ein zentraler Akteur, der durch ein "Zweckbündnis" mit dem NS-Regime und die Verbreitung propagandistischer Sammelalben sowohl wirtschaftliche Vorteile sicherte als auch zur Festigung der NS-Ideologie in der Bevölkerung beitrug.
Die Ideologen des Regimes betrachteten Tabak als "Rassengift" oder "Fremdkörper", der die biologische Wehrkraft und Fruchtbarkeit der "arischen Rasse" schwäche und somit eine direkte Gefahr für den "Volkskörper" darstelle.
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