Magisterarbeit, 2017
121 Seiten, Note: 3,98
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
TEIL I EINLEITUNG
TEIL II KOMPARATISTIK
2.1. Die Begegnung des Abendlandes mit dem Morgenland
2.2. Goethescher „Weltliteratur“ Begriff
2.3. Herders Volksdefinition und de Staëls französisches Deutschlandbild
2.4. Aufgaben und Ziele der Komparatistik
2.5. Der genetische- und typologische Vergleich
2.6. Eine autarke komparatistische Disziplin
2.7. Die französische- und die amerikanische Komparatistenschule
2.8. Die Literatur und ihre sozialen Bezüge
2.9. Die Imagologie
TEIL III AUSLEGUNG DER TERMINI „VORURTEIL“, „STEREOTYP“ UND „KLISCHEE“
3.1. Das Vorurteil
3.2. Das Stereotyp
3.3. Das Klischee
TEIL IV DIE SCHULDFRAGE
4.1. Die Auslegung des Begriffs „Schuld“
4.2. Jaspers Klassifizierung der Schuld
4.2.1. Die kriminelle Schuld
4.2.2. Die politische Schuld
4.2.3. Die moralische Schuld
4.2.4. Die metaphysische Schuld
4.3. Die Schuld des Kollektivs
4.4. Die Schuld aus der Sicht der menschlichen Emotion
4.5. Das Schamgefühl in Beziehung auf das Schuldgefühl
4.6. Das Selbstwertgefühl aus dem Blickwinkel der Werke „Andorra“ und „Ganz unten“
4.6.1. Andorra
4.6.2. Ganz unten
TEIL V DAS JUDENTUM
5.1. Die Genese des Judentums
5.2. Das Reich der Juden und ihre Regenten
5.3. Die Babylonier und das Exil der Juden
5.4. Das Römische Reich und das Verwaltungsgebiet „Jerusalem“
5.5. Die neue Glaubensrichtung „Das Christentum“
5.6. Die Historie der Judenverfolgung
TEIL VI DIE DEUTSCH-TÜRKISCHE GESCHICHTE
6.1. Die Wurzeln der Türken
6.2. Der Kontakt des Turkvolks mit dem Islam
6.3. Die Kreuzzüge des Abendlandes
6.4. Die Intention des Kreuzzugs
6.5. Capistranus und Luther
6.6. Die Türkenkriege
6.7. Die Kooperation der Osmanen mit den Deutschen
6.8. Die Türkei und ihre Rolle im 2. Weltkrieg
6.9. Die Grundlage und der Inhalt des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei
6.10. Die Besonderheit des Abkommens mit der Türkei
TEIL VII ANDORRA
7.1. Die Figurenkonstellation von „Andorra“
7.1.1. Andri
7.1.2. Barblin
7.1.3. Can
7.1.4. Pater Benedikt
7.1.5. Soldat Peider
7.1.6. Tischler Prader
7.1.7. Die Schwarzen
7.2. Das Bild des Juden wiedergegeben im Werk „Andorra“
TEIL VIII GANZ UNTEN
8.1. Die Figurenkonstellation von „Ganz unten“
8.1.1. Günter Wallraff
8.1.2. Adler
8.1.3. Pfarrer
8.1.4. Priester
8.2. Vorurteile gegenüber Ausländer in alltäglichen Situationen
8.3. Verweise der Vorurteile in der deutschen Arbeitswelt anhand des Protagonisten Ali (Günter Wallraff)
8.4. Die Ankopplung der Juden mit den Türken
8.5. Vorurteile gegenüber Juden
TEIL IX ANTRIEB UND VORGANG DES GEWALTAKTS AUS KOLLEKTIVER PERSPEKTIVE
9.1. Le Bons Definition der Massenpsychologie
9.2. Gründe der Widerstandslosigkeit
9.3. Wiederkehrende Vorurteile
9.4. Die grafische Darstellung der Kollektivschuldgenese
TEIL X SCHLUSSFOLGERUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die vergleichende Reflexion von Kollektivvorurteilen, Selbstwertproblemen und Schuldgefühlen im Kontext von Kollektivschuld, indem sie Max Frischs „Andorra“ und Günter Wallraffs „Ganz unten“ einander gegenüberstellt, um die historischen und gesellschaftlichen Mechanismen der Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten aufzudecken.
Die Ankopplung der Juden mit den Türken
Den bestialischen Gestank mit Luzifer zu kombinieren würde in diesem Fall auf religiöse Perspektiven hindeuten, die uns auf die Aussagen von Martin Luther zurückführen, in denen die Juden und die Türken als „Antichristen“ dargelegt werden.
„Das nahe Ende der Welt erwartend, sah Luther nun mehr in den Juden, wie zuvor schon im Papst und in den Türken, eine Erscheinungsform des Antichrist“ (Winkler, 2002, S.17).
Hiernach macht Luther keinen Unterschied zwischen den Türken und den Juden. Sie sind beide für ihn Teufelsdiener, dreckig und stinken am ganzen Leib. Wenn man auf die Beziehung zwischen den Türken und den Juden im Rahmen der Kollektivvorurteile eingeht, so sind unserer Ansicht nach die Fremdartigkeit und das Aussehen der andersartigen Kultur und Religion der Beweggrund für die Erniedrigung und Ausstoßung dieser Ethnien aus der kollektiven Gesellschaft. Es ist die Angst gegenüber dem Fremden, die Intoleranz und eventuell auch historische Ereignisse, die Menschen dazu bewegen Vorurteile heraufzubeschwören und aus diesen Vorurteilen nach und nach Feindseligkeit und Hass entstehen.
TEIL II KOMPARATISTIK: Erläutert die theoretischen Grundlagen der vergleichenden Literaturwissenschaft und ihre Bedeutung für die Untersuchung zwischenkultureller Begegnungen und gesellschaftlicher Vorurteile.
TEIL III AUSLEGUNG DER TERMINI „VORURTEIL“, „STEREOTYP“ UND „KLISCHEE“: Definiert und differenziert die zentralen Begriffe der Arbeit und stellt ihre psychologische sowie soziologische Relevanz für Ausgrenzungsmechanismen dar.
TEIL IV DIE SCHULDFRAGE: Untersucht das Konzept der Schuld, insbesondere Jaspers’ Klassifizierung und die Übertragung auf das Kollektiv, sowie die emotionale Belastung des Individuums.
TEIL V DAS JUDENTUM: Bietet einen historischen Abriss zur Genese des Judentums, des Exils und der Verfolgungsgeschichte, um den Hintergrund des späteren Antisemitismus zu verdeutlichen.
TEIL VI DIE DEUTSCH-TÜRKISCHE GESCHICHTE: Analysiert die historische Genese der deutsch-türkischen Beziehungen, von den frühen Konflikten bis zum Anwerbeabkommen der 1960er Jahre.
TEIL VII ANDORRA: Analysiert Max Frischs Werk als Modell für Kollektivschuld, die Figurenkonstellation und das Bild des Juden im Stück.
TEIL VIII GANZ UNTEN: Beschreibt die Erfahrungen Günter Wallraffs bei der Enthüllung von Diskriminierung und Ausbeutung ausländischer Arbeiter in Deutschland.
TEIL IX ANTRIEB UND VORGANG DES GEWALTAKTS AUS KOLLEKTIVER PERSPEKTIVE: Erläutert massenpsychologische Mechanismen, die zu Hass, Spaltung und schlussendlich zu systematischer Verfolgung von Minderheiten führen.
TEIL X SCHLUSSFOLGERUNG: Fasst die Ergebnisse zusammen, unterstreicht die Notwendigkeit individueller Reflexion gegen Vorurteile und bewertet die kritische Tragweite der untersuchten Literatur.
Kollektivschuld, Vorurteil, Komparatistik, Antisemitismus, Gastarbeiter, Diskriminierung, Identitätsproblem, Fremdenfeindlichkeit, Massenpsychologie, Integration, Stereotyp, Klischee, Deutschland, Soziologie, Literatur.
Die Arbeit untersucht vergleichend die Phänomene der Kollektivschuld und der Vorurteilsbildung gegenüber Minderheiten in Deutschland anhand von zwei markanten literarischen bzw. journalistischen Werken.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Kollektivschuld, Antisemitismus, der Diskriminierung von Arbeitsmigranten (Gastarbeitern) und der psychologischen Genese von Vorurteilen.
Das Ziel ist es, die Auswirkungen von Vorurteilen und die Mechanismen der Kollektivschuld zu identifizieren, um Möglichkeiten für ein gleichberechtigtes und tolerantes Miteinander aufzuzeigen.
Es wird die komparatistische Methode angewandt, unterstützt durch literatursoziologische und sozialpsychologische Theorien, um die Werke kontrastierend zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, historische Kontextualisierungen (Judentum, deutsch-türkische Geschichte) und die detaillierte Analyse der Figurenkonstellationen in „Andorra“ und „Ganz unten“.
Kollektivschuld, Vorurteil, Komparatistik, Antisemitismus, Gastarbeiter, Diskriminierung und Integration sind die zentralen Begriffe.
Der Autor vergleicht diese Gruppen, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Ressentiments, Feindbilder und die Stigmatisierung von Minderheiten unabhängig von der historischen Epoche ähnliche zerstörerische Muster aufweisen.
Der Autor lobt zwar Wallraffs Mut zur Enthüllung, kritisiert jedoch teilweise die oberflächliche Darstellung der Türkei und reflektiert kritisch die Debatten um Authentizität und Honorarverteilung nach der Veröffentlichung des Buches.
Die Massenpsychologie dient dazu, zu erklären, wie Individuen in Gruppen ihre Vernunft verlieren und kollektive Gewaltbereitschaft entwickeln können, was als Basis für die Entstehung von Kollektivschuld betrachtet wird.
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