Bachelorarbeit, 2014
84 Seiten, Note: 1,7
1 Grundlagen
1.1 Einleitung
1.2 Gegenstand der Arbeit
1.3 Persönliche Motivation
1.4 Einbettung in den Forschungsstand
1.5 Aufbau der Arbeit
1.6 Theoretische Sensibilisierung
1.7 Formalien
1.8 Begriffsklärung ›Asozial‹, ›Asozialität‹
2 Einbettung in den historischen Kontext
2.1 Erb- und Rassenlehre und Eugenik als sozialpolitische Bewegung
2.2 Sozialpolitische Lage
2.3 Für den Nationalsozialismus relevante Rechts- und Gesetzeslage vor 1933
2.4 Diskussionen um ein Bewahrungsgesetz während der Weimarer Republik
2.5 Soziale Arbeit
2.6 Zwischenbilanz
3 Wirkung und Entwicklung des ›Asozialitäts‹-Diskurses im Nationalsozialismus
3.1 Zur Produktion und Stellung von Wissen(schaft) im Nationalsozialismus
3.2 Die Be- und Neudeutung rechtswissenschaftlicher Theorien
3.3 Allgemein wirksame Rechtsgrundlagen im Nationalsozialismus
3.4 Eugenik und das konstruierte Verständnis von Gesundheit
3.5 gesetzliche Grundlagen für Zwangsunterbringung und Haft
3.6 Kriminalbiologie als Bindeglied zwischen Eugenik und Justiz
3.7 Instrumente der Verfolgungspraxen
3.8 Klassifizierungen asozialisierter Personengruppen
3.9 (Mit)Wirkende Institutionen Sozialer Arbeit
4 Funktionen und Effekte der Diskurse
4.1 Soziale und materielle Folgen
4.2 Resümee
4.3 Kontinuitäten
5 Fazit
6 Epilog
Die Arbeit untersucht die historischen und sozialen Herstellungsprozesse des Stigmatisierungs- und Verfolgungskonstrukts ›Asozialität‹ im Nationalsozialismus. Ziel ist es, die diskursiven Mechanismen und gesellschaftlichen Übereinkünfte freizulegen, die eine gewaltsame Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung legitimierten, sowie die Kontinuitäten dieses Denkens bis in die Gegenwart zu beleuchten.
1.1 Einleitung
„Ich frag mich das einfach öfter mal woran das liegt, dass es hier in Deutschland so viele Asoziale gibt. Mit Asoziale, meine ich Hartz 4 Empfänger, die keine Lust auf Arbeit haben und sich total gehen lassen. Ich denke ihr wisst schon was ich meine. Denkt ihr das liegt an dem System in Deutschland? In so gut wie allen anderen Ländern, gibt es ja nur begrenzt Hilfe für Arbeitslose. Das heißt nur für eine kurze Zeit und dann muss man selbst schauen wie man klar kommt. Da ist es natürlich nicht so leicht sich durchzuschmarotzen. Also ich persönlich denke dass sehr viele Hartz 4 Empfänger einfach das System hier in Deutschland ausnutzen. Und dass es, wenn es so wäre wie in den meisten anderen Ländern, nicht so viele Asoziale geben würde. Und ja Leute die nicht arbeiten gehen, einfach weil sie zu faul dafür sind, sind meiner Meinung nach asozial! Wie denkt ihr darüber?”(Internetuser 2011)
Es sind Aussagen wie diejenigen im obigen Zitat, die mich zu einer näheren Beschäftigung mit dem Thema Asozialität veranlasst haben. So führen ein aufmerksames Zuhören sowie ein Blick durch die Medien zu der Feststellung, dass die stigmatisierende Bezeichnung asozial häufig inflationär verwendet wird.
1 Grundlagen: Einführung in das Thema, Darlegung der persönlichen Motivation sowie Klärung des Diskursbegriffs und der Terminologie.
2 Einbettung in den historischen Kontext: Analyse eugenischer Strömungen und sozialpolitischer Debatten in der Weimarer Republik als Fundament nationalsozialistischer Ideologie.
3 Wirkung und Entwicklung des ›Asozialitäts‹-Diskurses im Nationalsozialismus: Untersuchung der Produktion von Wissen, der Instrumentalisierung des Rechts und der institutionalisierten Verfolgungspraxen.
4 Funktionen und Effekte der Diskurse: Aufzeigung der materiellen Folgen der Verfolgung und Diskussion der Kontinuitäten ausgrenzenden Denkens nach 1945.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle der Sozialen Arbeit und der Gefahr des Mitmachens in diskursiven Machtstrukturen.
6 Epilog: Reflexion über die Beharrlichkeit ausgrenzender Denkmuster in zeitgenössischen Diskursen.
Asozialität, Nationalsozialismus, Soziale Arbeit, Eugenik, Rassenhygiene, Stigmatisierung, Exklusion, Volksgemeinschaft, Diskursanalyse, Kriminalbiologie, Bewahrungsgesetz, Kontinuität, Machtstrukturen, Arbeitszwang, Rassismus.
Die Arbeit analysiert die Konstruktion und Verfolgung von als ›asozial‹ etikettierten Menschen im Nationalsozialismus und setzt diese in Bezug zu historischen Kontinuitäten.
Dazu gehören Eugenik, Rassenhygiene, die Rolle der Sozialen Arbeit in NS-Systemen, Rechtskonstruktionen zur Ausgrenzung und die Stigmatisierung von Personengruppen.
Das Ziel ist es, die Mechanismen offenzulegen, die zur Legitimierung von Gewalt und Verfolgung führten, und dabei aufzuzeigen, wie soziale Ausgrenzung gesellschaftlich konstruiert wird.
Die Autorin nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, ergänzt durch die Auswertung quellengestützter geschichtswissenschaftlicher Forschungsmaterialien.
Der Hauptteil befasst sich mit der Produktion von Wissen im Nationalsozialismus, der Bedeutung von Recht und Kriminalbiologie für die Verfolgung und der aktiven Beteiligung sozialer Institutionen.
Wichtige Begriffe sind Asozialität, Volksgemeinschaft, Soziale Arbeit, Eugenik, Stigmatisierung und Exklusion.
Die Arbeit zeigt auf, dass Soziale Arbeit nicht nur passives Opfer von Umständen war, sondern aktiv an der Selektion, Kontrolle und Aussonderung von als ›unproduktiv‹ oder ›abnorm‹ geltenden Personen mitwirkte.
Die Volksgemeinschaft fungierte als ideologisches Fundament, das durch die Ausgrenzung derer, die als nicht zugehörig oder minderwertig definiert wurden, erst ihre exklusive Identität definierte.
Ja, die Arbeit thematisiert, dass ausgrenzende Denkmuster, Stigmatisierungsprozesse und sogar personelle Kontinuitäten in der Nachkriegszeit sowie bis in aktuelle migrationspolitische Diskurse hinein bestehen.
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