Examensarbeit, 2018
68 Seiten, Note: 1,66
1. Einleitung
2. Theologische Überlegungen
2.1 Eine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema „sexuelle Gewalt gegenüber Frauen“
2.2 Warum ist eine feministische Exegese notwendig?
2.3 Wie steht JHWH zum Patriarchat?
3. Textanalyse
3.1 Der Übersetzungsvergleich von Ri 19
3.2 Die traditionelle Auslegung von Ri 19
3.3 Feministische Deutungen zu Ri 19
3.4 Zusammenführung der Ergebnisse
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die biblische Erzählung in Richter 19 mit dem Ziel, die spezifische Perspektive der darin vorkommenden namenlosen Frau – von der Verfasserin als „Bat Shever“ bezeichnet – herauszuarbeiten und die gesellschaftlichen sowie theologischen Implikationen ihrer Gewaltgeschichte zu hinterfragen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie der Text als patriarchale Erzählung zu bewerten ist und welche Botschaften er an Frauen vermittelt.
1. Einleitung
Unendlich die Zahl der Bilder und Geschichten […]. Kein Erzählwerk der Welt enthält solch eine Fülle von Motiven, Situationen, Charakteren […] und existentiellen Entscheidungen. […] Das menschlichste, das vielfältigste, das wichtigste, das tiefste und höchste Erzählwerk der Welt ist die alt-neue Bibel noch immer […]1, erklärt Rudolf Augstein.
Das Buch der Richter (Ri) stellt die Geschichte Israels in einer vorstaatlichen Zeit dar, in der noch kein König herrschte. Dennoch wird dieses Buch in der modernen Forschung nicht als Produkt dieser Zeit, sondern als Geschichtsfiktion einer späteren Zeit erachtet.2 Das Buch zeigt sozial und politisch angespannte Zustände auf. So muss sich das Volk Israel mit der militärischen Bedrohung durch andere kriegerische Stämme auseinandersetzen. Doch innerhalb dieser schwierigen Lebensverhältnisse wirken mutige Männer und Frauen3, „die von Gott zur Errettung seines Volkes [,]erweckten[’] Werkzeuge.“4 Jedoch zeigt sich, dass auch diese Helden Israel nicht langfristig retten können.5
Fischer betont, dass die Leserinnen und Leser in Ri 19 der brutalsten und grausamsten Erzählung des Ersten Testamentes begegnen.6 Phyllis Trible bezeichnet dieses Kapitel als „Text of Terror“, als Erzählung des Schreckens.7 Obwohl das Buch der Richter eine Rettersammlung als Erzählkern aufweist8, scheinen die letzten drei Kapitel 19-21 (Tora-Propheten Redaktion)9 sich dadurch auszuzeichnen, dass das Ausmaß der Gewalt sich fortlaufend steigert.10 Ilse Müller betont: „Diese Erzählung kennt keine Helden.“11
So wird in Ri 19 von dem Schicksal einer namenslosen Frau berichtet, die von ihrem eigenen Ehemann an brutale Männer der Stadt Gibea ausgeliefert wird (vgl. V.25). Ihr Mann gibt sie preis, um sich selbst vor sexuellen Missbrauch zu schützen. Obwohl die Gibeatiter nach ihm verlangen (vgl. V.22), geben sie sich mit ihrem Körper zufrieden. Nachdem die Frau die ganze Nacht sexuell missbraucht wird, lassen die Männer sie erst am folgenden Morgen gehen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Erzählung von Richter 19 ein und erläutert die Relevanz einer kritischen Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen in biblischen Texten.
2. Theologische Überlegungen: In diesem Kapitel werden theologische Perspektiven auf sexuelle Gewalt sowie die Notwendigkeit feministischer Exegese und das Verhältnis Gottes zum Patriarchat erörtert.
3. Textanalyse: Dieses Kernstück der Arbeit umfasst einen sprachlichen Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen, stellt traditionelle Auslegungen dar und diskutiert feministische Interpretationen, bevor die Ergebnisse zusammengeführt werden.
4. Fazit: Das Fazit beantwortet die Leitfrage der Arbeit und fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Rolle der Frau und patriarchale Machtstrukturen in Richter 19 zusammen.
Richter 19, Bat Shever, sexuelle Gewalt, Patriarchat, feministische Exegese, Unterdrückung, Machtmissbrauch, biblische Gewalttexte, Geschlechtergerechtigkeit, Theodizee-Frage, Opferrolle, biblische Hermeneutik, Frauengestalten, androzentrische Sprache, Widerstand.
Die Arbeit befasst sich mit der Erzählung in Richter 19, die den Missbrauch und die Tötung einer Frau schildert, und analysiert diese unter feministisch-theologischen Gesichtspunkten.
Zentral sind die Themen sexualisierte Gewalt, patriarchale Machtstrukturen, das Bild der Frau in biblischen Erzählungen und die Rolle der Kirche bei der Aufarbeitung solcher Gewalt.
Das Ziel ist es zu untersuchen, was dieser spezifische Text Frauen heute zu sagen hat und wie man theologisch mit solch gewalttätigen Bibelstellen konstruktiv umgehen kann.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der feministische Exegese mit historisch-kritischen Methoden sowie Erkenntnissen aus der Psychologie und Literaturwissenschaft kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Textanalyse, einen Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen sowie die Diskussion traditioneller und feministischer Auslegungsansätze.
Wichtige Begriffe sind Gewalt gegen Frauen, Patriarchat, feministische Exegese, Opferstatus, Machtmissbrauch und theologische Befreiungshermeneutik.
In Anlehnung an Cheryl Exum wird der namenlosen Frau aus dem biblischen Text dieser Name verliehen, um ihre Würde zu betonen und ihre Anonymität innerhalb der Erzählung aufzuheben.
Das Verhalten des Ehemannes wird als eigennützig, herzlos und als ein Ausdruck männlicher Arroganz gewertet, da er die Frau wie ein Objekt behandelt, um sein eigenes Überleben zu sichern.
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