Bachelorarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Zwischen Hegel und Nietzsche – Kierkegaards Denken im Kontext zeitgenössischer Philosophie
3. Der zerrissene Mensch – Kierkegaards theologische Anthropologie in der Krankheit zum Tode
3.a) Philosophie oder Theologie?
3.b) Kierkegaards Konzeption des Selbst
3.c) Die Formen der Verzweiflung und der Grad ihrer Bewusstheit
3.d) Das Selbst vor Gott - Wie die Verzweiflung zur Sünde wird
4. „L’existence précède L‘essence“ – J.-P. Sartres atheistische Alternative
5. Zusammenfassende Betrachtungen
6. Zur Aktualität Kierkegaards
7. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht das Menschenbild Sören Kierkegaards, insbesondere vor dem Hintergrund seines Werkes „Die Krankheit zum Tode“. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das „Selbst vor Gott“ definiert ist und wie Kierkegaard sein Verständnis von Existenz, Verzweiflung und Sünde gegen zeitgenössische Ansätze, insbesondere den Hegelianismus und Sartres Existentialismus, abgrenzt.
b) Kierkegaards Konzeption des Selbst
„Der Mensch ist Geist. Doch was ist Geist? Geist ist das Selbst. Doch was ist das Selbst? Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder es ist in diesem Verhältnis jenes, dass dieses Verhältnis jenes, dass dieses sich zu sich selbst verhält; das Selbst ist nicht das Verhältnis, sondern dass sich das Verhältnis zu sich selbst verhält. Der Mensch ist eine Synthese aus Unendlichkeit und Endlichkeit, aus dem Zeitlichen und dem Ewigen, aus Freiheit und Notwendigkeit, kurz: eine Synthese. Eine Synthese ist ein Verhältnis zwischen zweien. So gesehen ist der Mensch noch kein Selbst.
Im Verhältnis zwischen zweien ist das Verhältnis als negative Einheit das Dritte, und die zwei verhalten sich zum Verhältnis und in dem Verhältnis zum Verhältnis; so ist das Verhältnis zwischen Seele und Körper unter der Bestimmung Seele ein Verhältnis. Verhält sich dagegen das Verhältnis zu sich selbst, dann ist dieses Verhältnis das positive Dritte, und das ist das Selbst.“(13)
Man sollte sich bei der Interpretation des Selbst nicht dazu verleiten lassen, den Gegenstand unnötig zu verkomplizieren, indem man beispielsweise versucht ihn durch zahllose zusätzliche erklärende Termini anzureichern oder ihn graphisch darzustellen. Der Sachverhalt bleibt doch immer derselbe und ist in Kierkegaards Formulierung bereits mit höchster Präzision und Dichte ausgedrückt. Jede Untersuchung muss sich Kierkegaards Formulierung zum Ausgangspunkt nehmen um früher oder später wieder zu ihr zurückzukommen. Daher handelt es sich bei jeglicher Erklärung des Selbst eigentlich immer nur um ein hermeneutisches Hinweisen auf den zu verstehenden Sachverhalt.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Entstehungsgeschichte und die Zielsetzung der Arbeit, das Kierkegaardsche Menschenbild im Kontext von „Die Krankheit zum Tode“ zu untersuchen.
2. Zwischen Hegel und Nietzsche – Kierkegaards Denken im Kontext zeitgenössischer Philosophie: Dieses Kapitel verortet Kierkegaards Denken in der Auseinandersetzung mit dem Deutschen Idealismus, insbesondere mit Hegels Systemanspruch.
3. Der zerrissene Mensch – Kierkegaards theologische Anthropologie in der Krankheit zum Tode: Das Hauptkapitel analysiert Kierkegaards Verständnis von Mensch, Selbst, Verzweiflung und Sünde als untrennbar mit der Theologie verwobene Phänomene.
4. „L’existence précède L‘essence“ – J.-P. Sartres atheistische Alternative: Eine vergleichende Analyse, die Kierkegaards christliche Anthropologie gegenüber Sartres atheistischem Existentialismus schärft.
5. Zusammenfassende Betrachtungen: Ein Fazit, das die Komplexität von Kierkegaards Werk würdigt und das zentrale Ergebnis hervorhebt, dass Menschsein und Christsein für ihn zusammengehören.
6. Zur Aktualität Kierkegaards: Das Schlusskapitel diskutiert die Relevanz der Kierkegaardschen Analyse für die Identitätsproblematik des modernen Menschen im 21. Jahrhundert.
7. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.
Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, Anthropologie, Existenz, Selbst, Verzweiflung, Sünde, Hegel, Jean-Paul Sartre, Existentialismus, Christentum, Glauben, Freiheit, Identität, Gott.
Die Arbeit untersucht das Kierkegaardsche Menschenbild, wie es in seinem Werk „Die Krankheit zum Tode“ dargelegt wird, unter besonderer Berücksichtigung der Verbindung von Philosophie und Theologie.
Die zentralen Themen sind das Verständnis des Selbst als „Verhältnis zu sich selbst“, die Phänomenologie der Verzweiflung und ihre Steigerung zur Sünde vor Gott, sowie die Abgrenzung von Hegel und Sartre.
Das primäre Ziel ist es, die Eigenständigkeit und theologische Fundierung von Kierkegaards Menschenbild aufzuzeigen und zu begründen, warum eine rein säkulare philosophische Interpretation dem Werk nicht gerecht wird.
Die Arbeit nutzt eine hermeneutisch-analytische Methode, die zentrale Begriffe aus dem Primärtext „Die Krankheit zum Tode“ interpretiert und durch den Vergleich mit philosophischen Gegenpositionen schärft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Konzeption des Selbst, der Stufenfolge der Verzweiflung und deren Transformation in Sünde durch den Gottesbezug.
Existenz, Selbst, Verzweiflung, Sünde, Gott, Freiheit, Dialektik, Christentum.
Kierkegaard lehnt Hegels spekulatives System ab, weil er der Ansicht ist, dass es das Individuum in seiner existenziellen Einzigartigkeit ignoriert und den Menschen lediglich als abstrakten Allgemeinbegriff behandelt.
Während Sartre im Sinne von „Existenz geht der Essenz voraus“ einen atheistischen Existentialismus vertritt, in dem der Mensch sich selbst erschafft, sieht Kierkegaard den Menschen als ein von Gott gesetztes Wesen, das seine wahre Identität nur im Glauben vor Gott finden kann.
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