Diplomarbeit, 2005
116 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Historischer Blickwinkel auf den Begriff der Selbstverletzung
3. Annäherung an den Begriff Selbstverletzung
3.1 Gesellschaftlich akzeptierte Selbstverletzungen
3.2 Selbstbeschädigung als Krankheit
3.2.1 Artifizielle Erkrankungen
4. Überschneidungen und Abgrenzung zu anderen Krankheiten/ Störungen
4.1 Das Borderline–Syndrom
4.2 Essstörungen
4.3 Menschen mit Behinderungen
4.4 Zwangsstörungen
5. Theorien zur Entstehung von selbstverletzendem Verhalten
5.1 Die Psychoanalyse
5.2 Lerntheorien
6. Ursachen von selbstverletzenden Verhalten
6.1 Gestörte Eltern- Kind- Bindung
6.2 Familiäre Kindesmisshandlungen
6.2.1 Körperliche Misshandlungen
6.2.2 Seelische Misshandlungen
6.2.3 Sexueller Missbrauch
6.3 Posttraumatische Belastungsstörungen
6.4 Nachahmendes Verhalten
6.5 Zusammenfassung zu den Ursachen von selbstverletzendem Verhalten
7. Funktionen des selbstverletzenden Verhaltens
7.1 Abwehr unerträglicher Emotionen
7.1.1 Selbstbestrafung
7.1.2 Spannungsminderung
7.1.3 Steigerung des Selbstkontrollerlebens
7.1.4 Suizidprophylaxe
7.1.5 Beendigung von Depersonalisationszuständen
7.1.6 Ein heimlicher Stolz
7.2 Zusammenfassung zu den Funktionen selbstver-letzenden Verhaltens
8. Selbstverletzung und Weiblichkeit
8.1 Gesellschaftliche Erwartungen an weibliche Verhaltensweisen
8.2 Entwicklungsaufgaben in den einzelnen Entwicklungs-phasen
8.2.1 Entwicklungsaufgaben in der Kindheit
8.2.2 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
8.2.3 Entwicklungsaufgaben im jungen Erwachsenenalter
9. Fallanalysen
9.1 Anlass
9.2 Methodenauswahl
9.3 Interviewleitfaden
9.4 Vorgeschichte von Ke.
9.5 Vorgeschichte von S.
9.6 Interpretation der Aussagen von Ke. und S.
10. Konsequenzen für das Handlungsfeld der sozialen Arbeit
11. Zusammenfassung
Das primäre Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Ursachen und Funktionen von selbstverletzendem Verhalten bei weiblichen Jugendlichen zu untersuchen und daraus Konsequenzen für das Handlungsfeld der sozialen Arbeit abzuleiten. Die Forschungsfrage widmet sich der Bedeutung dieses Verhaltens als Bewältigungsstrategie in der weiblichen Adoleszenz.
1. Einleitung
Selbstverletzendes Verhalten ist nicht nur ein Zeichen des 20. Jahrhunderts. Auch wenn der Betrachter weiter in die Vergangenheit zurückblickt, findet er in der Literatur Hinweise auf Verhaltensweisen, die dem heutigen selbstverletzenden Verhalten sehr ähneln.
Es ist nur schwer eine genaue Prozentzahl, der sich selbst verletzenden Bevölkerung anzugeben. Die Dunkelziffer ist bei dieser Problematik sehr hoch. Experten rechnen mit ca. 1 Prozent der Bevölkerung. Dabei spielt die soziale Herkunft eher eine untergeordnete Rolle. Es wird angenommen, dass zwei Drittel der Menschen mit selbstverletzenden Verhaltensweisen Frauen sind. (Kingma, Renate/2004) Nach einer Analyse der Hauptstadt Krankenhausgesellschaft Vivantes habe sich in Berlin die Zahl der Selbstverletzungen in den letzten zwei Jahren sogar verdreifacht. Dabei wurde auch festgestellt, dass die Gewalt gegen den eigenen Körper nicht nur häufiger sondern auch heftiger geworden ist (Jörg Diehl in Spiegel/2004) In der mir vorliegenden Literatur wird häufig erwähnt, dass es vor allem Mädchen und Frauen im Alter von 16- 24 bzw. bis 30 Jahre sind, die sich selbst schädigen. (Teuber, Kristin; 2000/Ackermann, Stefanie; 2004/Sachsse, Ulrich; 1999)
Demnach nehme ich an, dass neben den persönlichen Problemen auch die signifikanten Probleme und die Entwicklungsaufgaben in der weiblichen Adoleszenz dazu beitragen können, dass sich vor allem weibliche Jugendliche selbst verletzen.
1. Einleitung: Stellt das Thema des selbstverletzenden Verhaltens bei Jugendlichen vor und erläutert die Motivation der Autorin sowie die Forschungsintention.
2. Historischer Blickwinkel auf den Begriff der Selbstverletzung: Betrachtet die geschichtlichen Wurzeln von rituellen Körperverletzungen und deren Wandel im Verständnis durch die Psychologie.
3. Annäherung an den Begriff Selbstverletzung: Definiert verschiedene Formen des Verhaltens, grenzt "Alltags-Selbstverletzungen" von krankhaften Formen ab und kategorisiert diese.
4. Überschneidungen und Abgrenzung zu anderen Krankheiten/ Störungen: Analysiert die Schnittmengen zwischen selbstverletzendem Verhalten und Diagnosen wie Borderline, Essstörungen oder Zwangsstörungen.
5. Theorien zur Entstehung von selbstverletzendem Verhalten: Diskutiert psychoanalytische Ansätze und lerntheoretische Erklärungsmodelle zur Entstehung der Verhaltensweisen.
6. Ursachen von selbstverletzenden Verhalten: Untersucht traumatische Hintergründe wie Bindungsstörungen, Kindesmisshandlungen und die Rolle des nachahmenden Verhaltens.
7. Funktionen des selbstverletzenden Verhaltens: Erörtert, wie Selbstverletzung als Bewältigung von Spannungen, zur Selbstbestrafung oder Depersonalisationsabwehr dient.
8. Selbstverletzung und Weiblichkeit: Setzt das Verhalten in den Kontext geschlechtsspezifischer Sozialisation und altersspezifischer Entwicklungsaufgaben.
9. Fallanalysen: Präsentiert und interpretiert qualitative Fallbeispiele von betroffenen jungen Frauen zur Vertiefung der theoretischen Erkenntnisse.
10. Konsequenzen für das Handlungsfeld der sozialen Arbeit: Leitet aus den Ergebnissen konkrete Handlungsmöglichkeiten und Grenzen für Sozialpädagogen ab.
11. Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit abschließend zusammen.
Selbstverletzung, Adoleszenz, Sozialpädagogik, Borderline-Syndrom, Autoaggression, Kindesmisshandlung, Spannungsregulierung, Weiblichkeit, Entwicklungsaufgaben, Trauma, Fallanalyse, Empowerment, Selbstbestrafung, Dissoziation, Verhaltensstörung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens bei weiblichen Jugendlichen aus einer sozialpädagogischen Perspektive und erforscht dessen Ursachen und Funktionen.
Zentral sind die theoretische Einordnung der Selbstverletzung, die Analyse psychologischer Ursachen (Traumata) sowie die Untersuchung der Rolle von weiblicher Sozialisation und gesellschaftlichen Erwartungen.
Das Ziel ist es, durch theoretische Fundierung und Fallanalysen ein tieferes Verständnis für die Beweggründe der Betroffenen zu gewinnen, um daraus wirksame sozialpädagogische Unterstützungsangebote abzuleiten.
Die Arbeit nutzt die qualitative Methode der Sozialarbeitsforschung, insbesondere problemzentrierte Interviews sowie die Auswertung von Briefen und persönlichen Aufzeichnungen von Betroffenen.
Der Hauptteil befasst sich mit Definitionen, theoretischen Entstehungsmodellen (Psychoanalyse, Lerntheorien), den Ursachen (Missbrauch, Bindungsstörungen) und den Funktionen des Verhaltens (Spannungsabbau, Identitätsstärkung).
Zu den Kernbegriffen zählen Selbstverletzung, Adoleszenz, Trauma, soziale Arbeit, Bewältigungsstrategie, Bindungsstörung und weibliche Sozialisation.
Die Autorin betont, dass bei den untersuchten Formen der Selbstverletzung meist keine suizidale Absicht vorliegt; das Verhalten dient oft als Mittel der Lebensbewältigung und der Aufrechterhaltung der psychischen Stabilität.
Die "lachende Maske" bezeichnet das Phänomen, dass Betroffene nach außen hin nach Perfektion streben und ihr Leiden verbergen, was zu einer massiven Diskrepanz zwischen ihrem tatsächlichen inneren Zustand und ihrer Außendarstellung führt.
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