Diplomarbeit, 2005
86 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Definition, Ziele und Aufgaben der Sozialpolitik
3. Theoretische Grundlegung staatlicher Sozialpolitik
3.1 Der ideengeschichtliche Hintergrund
3.2 Die Theorie sozialer Bedarfe
3.3 Marktversagen als Begründung staatlicher Sozialpolitik
3.4 Distributive Gründe staatlicher Sozialpolitik
3.5 Die vertragstheoretische Begründung der Sozialpolitik
4. Institutionelle Ausgestaltung eines Systems der sozialen Sicherung
5. Die Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland – Historische Entstehung, Theoretische Grundlagen und Steuerungsmängel
5.1 Die Historische Entstehung und gegenwärtige Herausforderungen
5.2 Marktversagen als theoretische Grundlage der Gesetzlichen Krankenversicherung
5.2.1 Marktversagen bei Gesundheitsgüter
5.2.2 Marktversagen bei Krankenversicherungen
5.3 Ethische Begründung und vertragstheoretische Begründung
5.4 Steuerungsmängel in der Gesetzlichen Krankenversicherung
6. Zusammenfassung
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die staatliche Sozialpolitik theoretisch zu begründen und diese Erkenntnisse auf das konkrete Beispiel der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland anzuwenden. Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit ökonomische Marktversagenstatbestände, ethische Erwägungen und vertragstheoretische Ansätze die heutige Ausgestaltung der GKV legitimieren und welche Steuerungsmängel dabei auftreten.
3.3 Marktversagen als Begründung staatlicher Sozialpolitik
In diesem Abschnitt soll gezeigt werden, dass die Deckung des Bedarfs nur durch sozialstaatliche Aktivitäten möglich ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Individuen nicht in der Lage sind durch private Verträge oder marktliche Regelungen eine ausreichende Deckung bzw. eigene Absicherungen zu treffen. Um dieses trotzdem zu gewährleisten, wird der Staat versuchen die entstandene Lücke durch Interventionen oder nicht marktliche soziale Institutionen zu schließen. Die Vermutung, dass der Staat für die Deckung des sozialpolitischen Bedarfs und der Schließung der Lücke verantwortlich ist, leitet sich aus der Tatsache des Marktversagens ab. Ein sozialpolitisch motivierter Staatseingriff in den Wirtschaftsprozess ist gerechtfertigt, wenn die allokativen Ergebnisse des Marktes nicht befriedigen und eine Chance besteht, dass die politische Lösung zu einem besseren Ergebnis führt.
1. Einleitung: Die Einleitung benennt soziale Risiken als Anlass für staatliche Sozialpolitik und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Definition, Ziele und Aufgaben der Sozialpolitik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sozialpolitik wissenschaftlich und erörtert zentrale Ziele wie Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit.
3. Theoretische Grundlegung staatlicher Sozialpolitik: Es werden verschiedene theoretische Ansätze, von der Ideengeschichte über die Theorie sozialer Bedarfe bis hin zu Marktversagen und Vertragstheorie, zur Begründung staatlichen Handelns diskutiert.
4. Institutionelle Ausgestaltung eines Systems der sozialen Sicherung: Das Kapitel erläutert die verschiedenen Gestaltungsprinzipien (Versicherungs-, Versorgungs-, Fürsorgeprinzip) sowie deren institutionelle Umsetzung.
5. Die Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland – Historische Entstehung, Theoretische Grundlagen und Steuerungsmängel: Dieses Hauptkapitel überträgt die theoretischen Konzepte auf die GKV, analysiert die aktuellen Herausforderungen und thematisiert spezifische Steuerungsmängel wie Moral-Hazard und arztinduzierte Nachfrage.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die wesentlichen theoretischen Erkenntnisse und die Anwendung auf das Beispiel der GKV.
Sozialpolitik, Gesetzliche Krankenversicherung, Marktversagen, Sozialversicherung, soziale Risiken, externe Effekte, öffentliche Güter, meritorische Güter, asymmetrische Informationen, Moral-Hazard, adverse Selektion, Vertragstheorie, Gerechtigkeit, Steuerungsmängel, demographischer Wandel
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen staatlicher Sozialpolitik und prüft deren Rechtfertigung am Beispiel der Gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.
Im Zentrum stehen die Begründung von Sozialpolitik durch Marktversagen, die ökonomischen Grundlagen der sozialen Sicherung sowie die Analyse von Steuerungsproblemen im deutschen Gesundheitssystem.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwieweit die institutionelle Ausgestaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung durch ökonomische und ethische Theorien theoretisch fundiert begründet werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Literaturrecherche, in der bestehende ökonomische Theorien (z.B. Marktversagen, Vertragstheorie nach John Rawls) zur Interpretation sozialpolitischer Realitäten herangezogen werden.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der theoretischen Begründung staatlicher Sozialpolitik (z.B. Theorie sozialer Bedarfe, Marktversagen) und wendet diese Erkenntnisse spezifisch auf die GKV an, inklusive einer kritischen Diskussion von Steuerungsmängeln.
Wichtige Begriffe sind Sozialpolitik, Marktversagen, Gesetzliche Krankenversicherung, Moral-Hazard, soziale Sicherung und Vertragstheorie.
Steuerungsmängel entstehen primär durch asymmetrische Informationsverteilung zwischen Arzt und Patient sowie durch das Fehlen direkter Preissignale, was zu Anreizen für Moral-Hazard und arztinduzierter Nachfrage führt.
Das Differenzprinzip dient als vertragstheoretische Begründung, um staatliche Umverteilungsmaßnahmen als subsidiäre Versicherung gegen Lebensrisiken zu legitimieren, bei der die Lage der am schlechtesten Gestellten verbessert wird.
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