Diplomarbeit, 2003
111 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Kleinstkindbetreuung in Deutschland
2.1 Entstehungsgeschichte der Kinderkrippen in Deutschland
2.2 Einfluss pädagogischer Theorien und Modelle
2.3 Versorgungsqualität von Kleinstkindern in Deutschland
2.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3 Theorien der frühkindlichen Entwicklung
3.1 Wahrnehmung als Grundlage der Interaktion
3.2 Neuronale Entwicklungen als Grundlage kognitiver Fähigkeiten
3.3 Aspekte der Primärsozialisation
3.3.1 Definition
3.3.2 Soziabilität von Anfang an
3.3.3 Frühkindliche Interaktionsformen
3.3.4 Die Bedeutung der frühkindlichen Peer-Beziehungen
3.3.5 Förderung der sozialen Entwicklung und der Peer-Interaktionen
3.4 Physische Entwicklung des Kleinstkindes
3.4.1 Motorische Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren
3.4.2 Die Bedeutung von Bewegung
3.4.3 Psychomotorische Überlegungen und Erkenntnisse
4 Anforderungen an Tageseinrichtungen für Kleinstkinder
4.1 Ergebnisse aus der bindungstheoretischen Diskussion
4.1.1 Die Bindungstheorie Bowlbys
4.1.2 Bedeutung der Bezugspersonen und Bindungssicherheit
4.1.3 Die Eingewöhnung als Qualitätskriterium in der außerfamilialen Kleinstkindbetreuung
4.2 Sprache – Bedeutung, Bestandteile, Voraussetzungen und Entwicklung
4.2.1 Bedeutung des Spracherwerbs
4.2.2 Komponenten des Spracherwerbs
4.2.3 Voraussetzungen des Spracherwerbs
4.2.4 Sprachentwicklung
4.3 Zur Ontogenese der Identität
4.3.1 Definition
4.3.2 Grundvoraussetzungen der Identitätsbildung
4.3.3 Der Körper als Grundlage der Selbsterkenntnis
4.4 Frühkindliche Bildung – Überlegungen
4.4.1 Der Bildungsbegriff
4.4.2 Autopoiesis
4.4.3 Ein frühkindliches Bildungskonzept
5 Pädagogische Modelle
5.1 Pädagogisches Curriculum aus Schweden
5.2 Das Konzept der Early Excellence Centres aus Großbritannien
5.3 Der situationsorientierte Ansatz als vorherrschendes pädagogisches Konzept deutscher Kindergärten
5.3.1 Pädagogische Zielorientierung
5.3.2 Grundlagen und Entwicklung des Ansatzes
5.3.3 Die Bedeutung von und der Umgang mit Situationen
5.3.4 Bestandteile des pädagogischen Konzepts
5.3.5 Übertragung auf die Altersgruppe der unter Dreijährigen
5.4 Das pädagogische Modell aus Reggio-Emilia
5.4.1 Historische Entwicklung und Erklärung des Begriffs
5.4.2 Die Bedeutung der kindlichen Wahrnehmung
5.4.3 Die Bedeutung eigener kindlicher Erfahrungen
5.4.4 Die Bedeutung der individuellen Wertschätzung
5.4.5 Besonderheiten des Konzepts
5.4.6 Reggio-Pädagogik für Kleinstkinder?
5.5 Das Konzept Emmi Piklers
5.5.1 Historisch-biographische Entwicklung des Konzepts
5.5.2 Der kompetente Säugling
5.5.3 Beziehungen als Grundlage der frühkindlichen Entwicklung
5.5.4 Die selbständige Bewegungsentwicklung und ihre Bedeutung
6 Rahmenbedingungen für ein Konzept zur Betreuung und Förderung von 0-3-jährigen Kindern in Tageseinrichtungen
6.1 Präambel
6.2 Zielsetzung
6.3 Kontext der frühkindlichen Förderung
6.3.1 Erfüllung kindlicher Grundbedürfnisse
6.3.2 Sichere Bindungsrepräsentation
6.3.3 Soziale Kontakte
6.3.4 Komplexe Erfahrungen
6.4 Fortführende Überlegungen
7 Fazit und Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit entwickelt ein fundiertes sozialpädagogisches Rahmenkonzept für die Betreuung und Förderung von Kindern im Alter von null bis drei Jahren in Tageseinrichtungen. Das Ziel besteht darin, den pädagogischen Fachkräften eine wissenschaftlich basierte Orientierung zu bieten, die über rein pflegerische Aspekte hinausgeht und das Kind als kompetente, eigenständige Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt.
3.1 Wahrnehmung als Grundlage der Interaktion
Entgegen früherer Annahmen kann man nach dem heutigen Stand der Forschungen davon ausgehen, dass praktisch alle Sinnesempfindungen des Säuglings bei seiner Geburt hinreichend entwickelt sind. Von den ersten Lebenstagen an können Babys Geschmäcker, Gerüche und verschiedene Hautberührungen differenzieren und zusammen mit einem sich ständig weiterentwickelnden auditiven und visuellen Sinnesystem sind damit alle Voraussetzungen der frühkindlichen Wahrnehmung und Interaktion gegeben. Daraus folgend können Neugeborene nicht nur von Anfang an verschiedene Stimmen wahrnehmen, sondern sogar die Stimme der Mutter von anderen unterscheiden. Auch das Sehen verhilft dem Kind bereits in den ersten Monaten, sich in der ‚fremden‘ Welt zurecht zu finden. „Säuglinge kommunizieren mit Gesichtern, nicht mit Glühbirnen oder attraktiven Mustern.“ Dies setzt voraus, dass ihr visueller Sinn ihnen von Beginn an Aufschluss über die Frage nach Belebtem oder Unbelebtem, ja gar Menschlichem oder Unmenschlichem gibt. Und genau darauf ist die Sehfähigkeit des Säuglings spezialisiert: „menschliche Gesichter, die in der Nähe mit ihnen interagieren.“ Im Verlauf der ersten sechs Monate differenzieren sich die Sinneswahrnehmungen des Kindes dadurch aus, „dass die Sinnesorgane (bes. die Augen und Ohren) die Reize genauer aufnehmen können und sich präziser auf die Reizquellen ausrichten können.“ So unterscheiden sich Kleinstkinder dieses Alters bezüglich ihrer auditiven und visuellen Differenzierungsfähigkeit kaum mehr von Erwachsenen.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende gesellschaftliche Relevanz der außerfamiliären Betreuung für Unter-Dreijährige und definiert den Anspruch der Arbeit, ein professionelles Rahmenkonzept zu entwickeln.
2 Kleinstkindbetreuung in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die historische Entstehung der Krippen sowie die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Versorgungsqualität in Deutschland.
3 Theorien der frühkindlichen Entwicklung: Hier werden die wesentlichen Entwicklungsbereiche des Kindes (Wahrnehmung, Kognition, Sozialisation, Motorik) wissenschaftlich fundiert dargestellt.
4 Anforderungen an Tageseinrichtungen für Kleinstkinder: Das Kapitel leitet aus der Bindungstheorie und den Entwicklungstheorien konkrete Qualitätskriterien für die außerfamiliale Betreuung ab, insbesondere hinsichtlich Eingewöhnung und Sprachförderung.
5 Pädagogische Modelle: Es werden verschiedene Ansätze wie der Situationsansatz, die Reggio-Pädagogik und das Konzept von Emmi Pikler auf ihre Eignung für den Kleinstkindbereich geprüft.
6 Rahmenbedingungen für ein Konzept zur Betreuung und Förderung von 0-3-jährigen Kindern in Tageseinrichtungen: Auf Basis der vorangegangenen Analysen werden konkrete Empfehlungen für die Gestaltung eines sozialpädagogischen Konzepts formuliert.
7 Fazit und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit eines kompetenzorientierten Bildungsverständnisses zusammen und fordert die Umsetzung in die Ausbildung und Praxis.
Kleinstkindbetreuung, frühkindliche Entwicklung, Bindungstheorie, Eingewöhnung, Spracherwerb, Identitätsbildung, Situationsansatz, Reggio-Pädagogik, Emmi Pikler, Pädagogische Modelle, Selbstbildung, Wahrnehmung, soziale Kompetenz, Tageseinrichtung, professionelle Erziehung.
Die Diplomarbeit widmet sich der Entwicklung eines sozialpädagogischen Konzepts für die Betreuung und Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen, um eine professionelle Antwort auf die steigende Nachfrage nach außerfamiliärer Betreuung zu geben.
Die zentralen Felder umfassen die frühkindliche Entwicklungstheorie, bindungstheoretische Grundlagen, die Bedeutung der Sprachförderung sowie den Vergleich internationaler und bewährter pädagogischer Modelle.
Das Ziel ist die Erstellung eines Rahmenkonzepts, das pädagogischen Fachkräften eine wissenschaftlich fundierte Orientierung bietet, um Kleinstkinder professionell, bedürfnisorientiert und entwicklungsfördernd zu betreuen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse entwicklungspsychologischer und erziehungswissenschaftlicher Theorien, die durch Erkenntnisse aus der aktuellen Kleinstkindpädagogik und nationale sowie internationale Modellprojekte ergänzt werden.
Der Hauptteil analysiert die Grundlagen der frühkindlichen Entwicklung, leitet daraus spezifische Anforderungen an die pädagogische Arbeit ab und bewertet verschiedene Ansätze wie den Situationsansatz, Reggio-Emilia und das Konzept von Emmi Pikler.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „kompetentes Kind“, „Bindungssicherheit“, „Selbstbildung“, „Eingewöhnungsmodell“ und „Professionalisierung“ in der Kleinstkindpädagogik charakterisiert.
Sie betrachtet die Eingewöhnungsphase als eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale in der außerfamilialen Betreuung und empfiehlt ein strukturiertes Modell wie das des Brandenburger Instituts INFANS, um Sicherheit und Bindung aufzubauen.
Nach Pikler ist die Pflegesituation kein notwendiges Übel, sondern ein pädagogisch wertvolles Element für den Aufbau sozialer Kompetenzen und das Erleben von physischem Kontakt, das behutsam und bewusst gestaltet werden muss.
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