Masterarbeit, 2018
72 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Theorien der Identitätsbildung
2.1 Theorie von Erikson
2.2 Theorie von Keupp
3 Die Macht der Erinnerung
3.1 Kodierung
3.1.1 Die Bürde der Erinnerung bei einzelnen Romanfiguren
3.2 Erinnern und Erzählen
3.2.1 Selbsterzählungen im Roman
4 Das Geflecht der Familie
4.1 Geschwisterbeziehungen
4.1.1 Die Zwillinge Ali und Anton
4.2 Gewalt in der Familie
4.2.1 Zyklus der Gewalt im Roman
5 Wandelndes Bild vom Geschlecht
5.1 Geschlechtsidentität
5.1.1 Alissa, Ali , Anton
5.2 Das Urteil der anderen
5.2.1 Ali und Katho
6 Migration aus Religion und Nation
6.1 Religion als System der Sinnstiftung
6.1.1 Religiosität im Roman
6.2 Jüdisch-Sein: Religion oder Nation?
6.2.1 Jüdische Familie in Angst
6.3 Identitätsstiftung durch Sprache
6.3.1 Zwischen russisch, jüdisch und deutsch
7 Fazit
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, ob die im Roman Ausser sich dargestellten Figuren in der heutigen Welt Identität konstruieren können oder ob sie bei dieser Aufgabe scheitern und welche Folgen ein solches Scheitern hat.
3.1.1 Die Bürde der Erinnerung bei einzelnen Romanfiguren
Schauen wir nun in den Roman, können wir an einigen Stellen bei den Personen eine gewisse Last bei dem unfreiwilligen Hervorrufen von Erinnerungen erkennen. Kostja, der Vater von Ali, spricht zum Beispiel von „einem Gefühl, das nach Eiern roch und oft wiederkam, er konnte es sauer auf der Zunge schmecken“. Als Kind missbraucht von seinem Onkel, während er auf seinem Schoß Akkordeon spielte, wird er diesen „stechende[n] Geruch“, der dabei entstand, nie wieder los. Zweifellos ist das Gefühl von Missbrauch mit stark empfundenen negativen Emotionen verbunden. Diese sind dafür verantwortlich, dass die Erinnerung so stark kodiert wurde, dass Kostja sie nicht mehr ablegen kann, da sie durch die Intention der Gefühle als lebenslange Erinnerung gespeichert wurde. Die Tatsache, dass diese Erinnerung dann auch noch mit einem Sinn, in diesem Fall dem Geruchssinn verbunden ist, macht die Erinnerung besonders lebendig und quälend. „[Kostja] machte alle dafür verantwortlich […] mögen sie alle verrecken – das Gefühl des Missbrauchs.“ Eine Traumaexpertin erklärt diese bleibende Erinnerung von traumatischen Ereignissen mit Stresshormonen, die während des negativen Erlebnisses ausgeschüttet werden. Diese sind für die dauerhafte Erinnerung des Erlebten verantwortlich. Kostja ist durch seine Erlebnisse in der Vergangenheit nicht nur während des Missbrauchs das Opfer gewesen, sondern ist es lebenslang durch die bestehenden Erinnerungen.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Identitätskonstruktion in der Moderne und Formulierung der zentralen Forschungsfrage anhand von Salzmanns Roman.
2 Theorien der Identitätsbildung: Darstellung der psychologischen Konzepte von Erik H. Erikson und Heiner Keupp als theoretisches Fundament der Arbeit.
3 Die Macht der Erinnerung: Analyse der Bedeutung des Gedächtnisses, der Kodierung von Erlebnissen und der Rolle des Erzählens für die Identitätsstiftung.
4 Das Geflecht der Familie: Untersuchung der Auswirkungen von familiären Bindungen, Gewalt und der Geschwisterbeziehung zwischen den Zwillingsfiguren.
5 Wandelndes Bild vom Geschlecht: Auseinandersetzung mit Identitätskonstruktionen im Spannungsfeld von Biologie, Kultur und sozialem Druck.
6 Migration aus Religion und Nation: Beleuchtung der Identitätsarbeit vor dem Hintergrund von Migration, religiöser Sinnsuche und nationaler Zugehörigkeit.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der gelingenden oder gescheiterten Identitätskonstruktion im Roman.
Identität, Identitätsbildung, Sasha Marianna Salzmann, Ausser sich, Erinnerung, Familie, Gewalt, Geschlecht, Migration, Religion, Nation, Sprache, Kohärenz, Trauma, Narrativik
Die Masterarbeit befasst sich mit den Schwierigkeiten und Voraussetzungen der Identitätskonstruktion in der modernen Welt am Beispiel des Romans Ausser sich von Sasha Marianna Salzmann.
Die Untersuchung beleuchtet die Rolle der Erinnerung, familiäre Strukturen, das Konzept der Geschlechtsidentität sowie den Einfluss von Religion, Nation und Sprache auf die Identitätsbildung.
Das Ziel ist es zu überprüfen, ob die Figuren im Roman ihre Identität in der heutigen Welt konstruieren können und was mit ihnen geschieht, wenn dieser Prozess der Identitätsbildung scheitert.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch psychoanalytische Konzepte (Erikson, Keupp) sowie gesellschaftstheoretische Ansätze, die anschließend auf den Roman und dessen Figurenanalyse angewendet werden.
Im Hauptteil werden nacheinander die Theorien zur Identitätsbildung, die Bedeutung von Erinnerung, das familiäre Umfeld, Geschlechtsidentität sowie die Faktoren Migration, Religion und Sprache im Kontext des Romans detailliert analysiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Identitätsbildung, Erinnerung, Familie, Gewalt, Geschlecht, Migration und Sprache geprägt.
Erinnerungen sind bei ihnen lückenhaft, fragmentarisch und negativ konnotiert, was dazu führt, dass sie keinen roten Faden im Leben finden können und das Erzählen ihrer eigenen Geschichte nicht sinnstiftend wirkt.
Aufgrund von fehlender Kontinuität, erlebter Gewalt, emotionalem Missbrauch und dem Fehlen einer Sprache, um das Erlebte zu artikulieren, können die Figuren keine Kohärenz oder Sinnhaftigkeit in ihrem Dasein entwickeln.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

