Diplomarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 1
I Einleitung
1. Vorwort
2. Einführung
3. Anmerkung zu Inhalt und Terminologie der Arbeit
II Geschichtliche und religiöse Hintergründe
1. Kleiner geschichtlicher Exkurs zu Männlichkeit und mann-männlicher Liebe und Sexualität
2. „Homosexualität und Männlichkeit“ im Islam - Der Koran und die Sunna
2.1 Zu Entstehung und Inhalt des Koran – Anmerkung zur Exegese
2.2 „Homosexualität“ im Koran
3. Verurteilt der Koran Homosexualität als Sünde? – Interview mit dem niederländischen Imam Abdulwahid van Bommel
III „Familie und Männlichkeit“ am Beispiel der Türkei
1. Traditionelle Familienstrukturen in der bäuerlichen türkischen Gesellschaft
2. Die Zentralen Begriffe „Ehre“ und „Moral“ und die Verknüpfung mit Männlichkeit
3. Männlichkeit und Männerbilder in der Türkei
3.1 Sex und Gender – Zum sozialen Konstrukt von Männlichkeit im Allgemeinen und in der Migrationssituation im Besonderen
3.2 Männlichkeit erlernen - Der schwierige Weg vom Kind zum Mann
3.3 Der türkische Mann im Wandel der Zeit
IV „Homosexualität“ in der islamischen Kultur
1. Zur Kategorisierung von „Homosexualität“ - Was wird als „homosexuell“ angesehen?
2. Körperliche Nähe in mann-männlichen Beziehungen
V „Homosexualität“ bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
1. „Bei uns gibt es keine Schwulen“ - Der Umgang mit Homosexualität bei Migrantenjugendlichen
2. Fragen an Muslimische schwule Männer in Deutschland
3. Spezifische Identitätskonflikte von schwulen Migranten und mögliche „Bewältigungsstrategien“
4. Entwicklungen und Zukunftsaussichten
VI „Islam und Homosexualität“ in der Sozialarbeit
1. Zur Bedeutung und Dringlichkeit des Diskurses „Homosexuelle Muslime“ in der Migrationssozialarbeit und der Politik
2. Ein Beispiel der Selbstorganisation aus der Praxis: „Türk-Gay & Lesbian LSVD“ e.V.
2.1 Gründung und Ziele
2.2 Warum eine türkische Einrichtung?
2.3 Beratungsangebot und Hilfe
2.4 Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit
VII Schlussbetrachtung
VIII Anhang
1. Stichwortverzeichnis
2. Quellen- und Literaturverzeichnis
3. Kontaktadressen
Die Arbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Religion, traditionellen Familienstrukturen, Männlichkeitsvorstellungen und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund in Deutschland, um Handlungsbedarfe für die Sozialarbeit aufzuzeigen und ein Verständnis für die Identitätskonflikte betroffener Individuen zu schaffen.
2.2 „Homosexualität“ im Koran
Werden Muslime auf das Thema Homosexualität angesprochen, bringen sehr viele von ihnen ohne langes Zögern den Koran bzw. das Verbot derselben im Koran als Begründung für die kategorische Ablehnung im Islam an. Der Koran verurteile Homosexualität als Sünde und sie sei aus diesem Grund nicht hinnehmbar. In der Tat stimmen die meisten Ausleger des Korans, vor allem traditionelle, dieser landläufigen Auffassung zu und interpretieren Homosexualität als Sünde. Eine gründliche Analyse dieser Thematik verdeutlicht aber, warum die Betonung auf interpretieren liegen muss. Die generell knappe Ausdrucksweise, die oftmals nur kurzen Andeutungen und nicht zuletzt der recht große Bedeutungsspielraum der arabischen Sprache lassen kein kategorisches Verbot von Homosexualität innerhalb des Korans zu. Im Folgenden sollen diese Aspekte bezüglich der Sprache und des Inhaltes näher betrachtet werden.
„Und (wir haben) den Lot (als unseren Boten gesandt). (Damals) als er zu seinen Leuten sagte: „Wollt ihr denn etwas Abscheuliches begehen, wie es noch keiner von den Menschen in aller Welt vor euch begangen hat? Ihr gebt euch in (eurer) Sinneslust wahrhaftig mit Männern ab, statt mit Frauen. Nein, ihr seid ein Volk, das nicht Maß hält.“ Seine Leute wussten nichts anderes (darauf) zu erwidern, als dass sie sagten: „Vertreibt sie (den Lot und seine Angehörigen) aus eurer Stadt! Das sind Menschen, die sich für rein halten!“ Und wir erretteten ihn und seine Familie (von dem Strafgericht, das über sein Volk hereinbrechen sollte) mit Ausnahme seiner Frau. Sie gehörte zu denen, die zurück blieben. Und wir ließen einen (vernichtenden) Regen auf sie niedergehen. Schau nur, wie das Ende der Sünder war!“
„Erinnert euch auch des Lot. Als dieser zu seinem Volke sagte: „Wollt ihr denn solche Schandtaten begehen, für die ihr bei keinem Geschöpf ein Beispiel findet? Wollt ihr denn in lüsterner Begier, mit Hintansetzung der Weiber, nur zu Männern kommen? Wahrlich, ihr seid zügellose Menschen.“ Sein Volk aber gab keine andere Antwort, als dass es sagte: „Jagt sie [Lot und seine Familie und die, welche es mit ihm halten] aus euerer Stadt, weil sie Menschen sind, welche sich rein erhalten wollen.“ Und wir erretteten ihn und seine Familie, mit Ausnahme seines Weibes, die vertändelte und zurückblieb. Sodann ließen wir einen Stein- und Schwefelregen über sie kommen. Siehe, so war das Ende dieser Frevler.“
I Einleitung: Vorstellung des Themas, Klärung der Terminologie und Einordnung der Fragestellung in den Kontext der Sozialarbeit.
II Geschichtliche und religiöse Hintergründe: Untersuchung der historischen Wurzeln von Männlichkeit sowie eine Analyse der koranischen Aussagen bezüglich Homosexualität.
III „Familie und Männlichkeit“ am Beispiel der Türkei: Analyse der soziokulturellen Bedeutung von Ehre, Moral und Familienstrukturen für die türkische Männlichkeitskonstruktion.
IV „Homosexualität“ in der islamischen Kultur: Erörterung, wie in islamisch-orientalischen Kontexten sexuelle Kategorisierungen maßgeblich durch Macht- und Rollenverhältnisse geprägt sind.
V „Homosexualität“ bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Darstellung von Identitätskonflikten, jugendlichen Umgangsformen und spezifischen Bewältigungsstrategien.
VI „Islam und Homosexualität“ in der Sozialarbeit: Diskussion der Dringlichkeit eines fachlich fundierten Diskurses und Vorstellung von Best-Practice-Beispielen der Selbstorganisation.
VII Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Plädoyer für eine kultursensible Sozialarbeit, die Individualität akzeptiert und Diskriminierung abbaut.
VIII Anhang: Bereitstellung ergänzender Informationen wie Stichwortverzeichnis, Quellenverzeichnis und relevanter Kontaktadressen.
Homosexualität, Islam, Migration, Männlichkeit, Ehre, Moral, Sozialarbeit, Identität, Türkei, Diskriminierung, Integration, Selbstorganisation, Familienstrukturen, Coming-Out, Kultur.
Die Arbeit beleuchtet die prekäre Situation von homosexuellen Muslimen im Spannungsfeld zwischen religiösen Normen, traditionellen Familienidealen und der Migrationserfahrung in Deutschland.
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Männlichkeit und Ehre in muslimisch geprägten Kulturen, die religiöse Auslegung von Sexualität sowie die Herausforderungen der Identitätsbildung unter Migranten.
Das Ziel ist es, durch die Analyse der soziokulturellen Faktoren ein Bewusstsein für die Lebenslagen schwuler Muslime zu schaffen und den Bedarf für eine professionelle, diskriminierungssensible Sozialarbeit zu verdeutlichen.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsberichte und soziologischer Studien sowie auf qualitative Interviews und Fragebögen mit betroffenen schwulen Muslimen in Deutschland.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-religiöse Aufarbeitung, eine soziologische Analyse des türkischen Männlichkeitsbildes und die Untersuchung praktischer Strategien, wie etwa Selbsthilfegruppen in der Sozialarbeit.
Die Arbeit lässt sich am besten mit den Begriffen Identitätskonflikte, Interkulturalität, familiäre Loyalität, islamische Rechtsschulen und professionelle Migrationssozialarbeit beschreiben.
Die Familie ist für die Betroffenen das wichtigste soziale Konstrukt, weshalb das Coming-Out als massive Bedrohung der familiären Bindung und des eigenen sozialen Status wahrgenommen wird.
Im Orient definiert sich "Schwulsein" oft stärker über die eingenommene Rolle (aktiv/passiv) beim Akt und nicht zwingend über eine gefestigte Identität, wie es im westlichen Diskurs der Fall ist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

