Diplomarbeit, 2005
68 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
2. Besonderheiten beim Absatz von Investmentfonds
2.1. Funktionsweise von Investmentfonds
2.2. Investmentfonds: Vertrauens- oder Erfahrungsgüter?
2.3. Das Problem der Qualitätsunsicherheit
2.3.1. Annäherung an den Qualitätsbegriff für Investmentfonds
2.3.2. Methoden der Produktqualitätsmessung
2.4. Informationsasymmetrien und Interessenskonflikte
2.5. Vertrauen in der Beratung zu Investmentfonds
2.5.1 Vertrauen als Mechanismus zur Überwindung der PA-Problematik
2.5.2. Wie kann eine Bank Vertrauenswürdigkeit signalisieren?
3. Fremdfondsvertrieb deutscher Banken
3.1. Definition Fremdfondsvertrieb
3.2. Marktüberblick
3.3. Darstellung der Argumente der Branche
3.3.1. Argumente für den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht
3.3.2. Argumente gegen den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht
4. Auswirkungen des Fremdfondsvertriebes
4.1. Fremdfondsvertrieb als Qualitätsmotor?
4.1.1. Auswirkungen auf die Beratungsqualität
4.1.2. Auswirkungen auf die Produktqualität
4.2. Fremdfondsvertrieb als Vertrauenssignal?
5. Zertifizierung als zusätzliches Signal
5.1. Fremdfondsvertrieb der Commerzbank AG
5.2. Die TÜV-Zertifizierung „Geprüfte Fondsauswahl“
5.3. Problemfelder des Zertifikates
5.4. Wirkung des TÜV-Zertifikates
5.4.1. Wirkung als Vertrauenssignal?
5.4.2. TÜV-Zertifikat als Qualitätsmotor?
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der Fremdfondsvertrieb durch deutsche Banken als Instrument zur Wiederherstellung von Kundenvertrauen und zur Qualitätssteigerung dienen kann. Dabei wird analysiert, inwieweit die Öffnung für fremde Produkte die bestehenden Informationsasymmetrien zwischen Bank und Anleger reduzieren oder bestehende Interessenskonflikte abmildern kann.
2.5.1 Vertrauen als Mechanismus zur Überwindung der PA-Problematik
Vom Begriff des Vertrauens gibt es bis heute trotz zahlreicher Veröffentlichungen keine einheitliche Definition, des Weiteren herrscht eine z.T. verwirrende Vielfalt an Verwendungen dieses Begriffes. Für den weiteren Verlauf der Ausführungen wird die ökonomische Definition von Ripperger maßgeblich sein, da sie m.E. eine umfassende Erklärung des Konstruktes Vertrauen ermöglicht. Sie lautet: „Vertrauen ist die freiwillige Erbringung einer riskanten Vorleistung unter Verzicht auf explizite vertragliche Sicherungs- und Kontrollmaßnahmen gegen opportunistisches Verhalten in der Erwartung, dass sich der andere, trotz Fehlen solcher Schutzmaßnahmen, nicht opportunistisch verhält.“
Vertrauen bezieht sich somit ausschließlich auf den motivationalen Aspekt von Kooperation und damit auf Verhaltensrisiken, d.h. Risiken endogener Art. Auf Risiken exogener Art, z.B. die Kapitalmarktentwicklung, kann sich Vertrauen nicht beziehen, hier hofft man auf eine bestimmte Entwicklung. Folglich bezieht sich Hoffnung auf exogene Risiken, mit deren Auslöser kein Vertrag geschlossen werden kann. Ebenso falsch ist die allgemeinsprachliche Aussage in die Fähigkeiten einer Person zu vertrauen. Risiken, die in der Kompetenz einer Person ihren Ursprung haben, werden durch Zutrauen bewältigt. Die Vertrauensbeziehung zwischen zwei Personen, im Folgenden Vertrauensgeber und Vertrauensnehmer genannt, kann man als Prinzipal-Agent-Beziehung darstellen.
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Vertrauenskrise deutscher Banken und stellt die Forschungsfrage, ob der Fremdfondsvertrieb ein geeignetes Mittel zur Qualitäts- und Vertrauenssteigerung darstellt.
2. Besonderheiten beim Absatz von Investmentfonds: Dieses Kapitel analysiert Investmentfonds als Vertrauensgüter und beleuchtet die Prinzipal-Agent-Problematik sowie die Rolle der Informationsasymmetrien zwischen Berater und Kunde.
3. Fremdfondsvertrieb deutscher Banken: Hier wird der Status quo des Drittfondsvertriebs dargelegt, inklusive Definitionen von "Open Architecture" und der Argumente aus Sicht der Branche.
4. Auswirkungen des Fremdfondsvertriebes: Das Kapitel untersucht kritisch, ob der Vertrieb von Fremdprodukten tatsächlich die Beratungs- und Produktqualität verbessert und ob er als Vertrauenssignal funktioniert.
5. Zertifizierung als zusätzliches Signal: Fokus auf die TÜV-Zertifizierung "Geprüfte Fondsauswahl" der Commerzbank als konkretes Beispiel für eine Reputationsstrategie.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, dass der Fremdfondsvertrieb zwar Wettbewerb fördert, aber das fundamentale Problem des Moral Hazard bei der Beratung nicht ohne weiteres löst.
Fremdfondsvertrieb, Investmentfonds, Banken, Vertrauen, Qualitätsunsicherheit, Open Architecture, Prinzipal-Agent-Theorie, Beratungsqualität, Produktqualität, Informationsasymmetrien, Moral Hazard, TÜV-Zertifizierung, Rating, Ranking, Finanzdienstleistungen.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der strategischen Öffnung deutscher Banken für den Vertrieb von Investmentfonds anderer Anbieter (Fremdfonds) und deren Auswirkung auf das Vertrauensverhältnis zum Kunden.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Neuen Institutionenökonomie, insbesondere die Prinzipal-Agent-Beziehung, das Konstrukt des Vertrauens, der Einfluss von Zertifizierungen auf die Reputation sowie die Qualitätsmessung bei Investmentfonds.
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob der Fremdfondsvertrieb als "Qualitätsmotor" und "Vertrauenssignal" fungieren kann oder ob es sich eher um eine Reaktion auf veränderte Marktbedingungen handelt, die grundlegende Interessenskonflikte nicht auflöst.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse unter Verwendung der Neuen Institutionenökonomie sowie der Auswertung von Branchenstudien, Marktüberblicken und Fallbeispielen zur Zertifizierung.
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des Fremdfondsvertriebs, die Argumente der Banken für und gegen dieses Konzept, die Auswirkungen auf die Produkt- und Beratungsqualität sowie eine spezifische Fallstudie zur TÜV-Zertifizierung der Commerzbank.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Fremdfondsvertrieb, Open Architecture, Informationsasymmetrien, Moral Hazard, Vertrauenssignal und Qualitätsunsicherheit.
Da mittlerweile fast alle Banken Fremdfonds anbieten, verliert das Signal seine Unterscheidungskraft zwischen vertrauenswürdigen und weniger vertrauenswürdigen Anbietern; zudem bleibt das Risiko des Moral Hazard durch den Berater trotz größerer Auswahl bestehen.
Der Autor sieht in der Zertifizierung ein wirksames Reputationssignal für informationsaktive Kunden, weist jedoch darauf hin, dass das Prüfverfahren durch die geringe Anzahl an Testberatungen und den klassischen Interessenkonflikt zwischen Prüfer und Bank eine begrenzte Aussagekraft hat.
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