Magisterarbeit, 2005
85 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Rektoratsreden
3. Die Bühne des Geschehens
3.1 Deutschland nach 1945
3.2 Die Entnazifizierung der Hochschulen
4. Bildungspolitik der Besatzungsmächte
5. Die Stimmen der Hochschulen
5.1 Die Redner
5.2 Die Sicht der Dinge
5.3 Krisen und Gefahren
5.4 Negative Werte
5.5 Positive Werte
5.6 Forderungen an die Studenten
6. Schlussbetrachtung
7. Literaturverzeichnis
7.1 Die behandelten Rektoratsreden
7.2 Literatur
7.3 Verweise ins Internet
Die vorliegende Arbeit analysiert die Situation der deutschen Universitäten nach 1945 anhand von akademischen Rektoratsreden, um die Wünsche, Sorgen und Zukunftsvorstellungen der Wissenschaft in der Nachkriegszeit direkt aus erster Hand zu erfassen und zu bewerten.
3.1 Deutschland nach 1945
Als nach 12 Jahren das tausendjährige Reich endgültig zusammengebrochen war, lag Deutschland unter ca. 400 Millionen Tonnen Trümmerschutt und fast die Hälfte aller Wohnungen war zerstört. Allein im Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens hatte sich der Bestand an Wohnungen im Vergleich zur Vorkriegszeit halbiert. Alle Eisenbahnbrücken über Rhein und Weser waren zerstört, ein Drittel des Reichsbahnnetzes war unbrauchbar, ebenso ca. 50 Prozent des dazugehörigen rollenden Materials. Schlimmer noch als die Beschädigungen an Gebäuden und Einrichtungen waren die Opfer an Menschen, welche die Furien des Krieges gefordert haben. Allein auf deutscher Seite waren zwischen 9,23 Millionen und 10,13 Millionen Menschen gefallen. Das entspricht fast einem Sechstel der Reichsbevölkerung von 1938. Diese nackten Zahlen waren für die Überlebenden der Bombennächte in den Großstädten des gewesenen Reiches, die in ihren zu Wohnungen umfunktionierten Schutzkellern hausten, ein Teil des alltäglichen Lebens.
Die flächendeckende Zerstörung betraf natürlich auch die Universitäten auf deutschem Boden. So wurde zum Beispiel die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg durch alliierte Luftangriffe am 27. November 1944 stark in Mitleidenschaft gezogen. Hier waren die Gebäude der forstwirtschaftlichen Einrichtung, des mathematischen Institutes, des mineralogischen Institutes und der archäologischen Sammlung zerstört worden. Ebenso war die Universitätskirche ausgebrannt. In der Universitätsbibliothek, von der nur noch die Vorderfassade vorhanden war, beklagte man den Verlust des archäologischen Instituts, des kunstgeschichtlichen und des musikwissenschaftlichen Seminars. Des Weiteren waren die Gebäude des Seminars für Völker- und Rassenkunde nur noch ein Trümmerberg.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Situation der deutschen Universitäten in der unmittelbaren Nachkriegszeit dar und erläutert das Ziel der Arbeit, anhand von Rektoratsreden ein authentisches Bild der akademischen Selbstbekundung zu zeichnen.
2. Rektoratsreden: Dieses Kapitel definiert Rektoratsreden als zentrale Quelle, ordnet ihre Tradition ein und benennt die drei in ihnen behandelten Themenbereiche: Universitäts-Idee, -Realität und -Wissenschaft.
3. Die Bühne des Geschehens: Der Abschnitt beschreibt den zerstörerischen Zustand Deutschlands nach Kriegsende sowie die umfassenden Entnazifizierungsmaßnahmen an den Hochschulen in den verschiedenen Besatzungszonen.
4. Bildungspolitik der Besatzungsmächte: Hier werden die unterschiedlichen Konzepte der Alliierten zur Neuordnung des deutschen Erziehungswesens und die Herausforderungen bei der Wiedereröffnung der Universitäten beleuchtet.
5. Die Stimmen der Hochschulen: Dieses umfangreiche Kapitel wertet die Inhalte der Rektoratsreden aus, wobei Redner, Zukunftssichten, Krisen, negative wie positive Werte und spezifische Anforderungen an die Studierenden analysiert werden.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die identifizierte Tendenz der Rektoren zusammen, die trotz unterschiedlicher Standorte auf einheitliche Zielsetzungen und Werte für eine demokratische Zukunft der Wissenschaft setzen.
7. Literaturverzeichnis: Dies ist eine Zusammenstellung der primär behandelten Rektoratsreden sowie der verwendeten Fachliteratur und Internetquellen.
Rektoratsreden, Nachkriegszeit, Deutsche Universitäten, Entnazifizierung, Wiederaufbau, Wissenschaftsethik, Hochschulreform, Selbstbekundung, Bildungsauftrag, Nationalsozialismus, Alliierte, Universitas, Studium generale, Freiheit der Wissenschaft, Demokratisierung.
Die Arbeit untersucht das Selbstverständnis der deutschen Universitäten in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945–1950) anhand von Rektoratsreden, die von den ersten frei gewählten Rektoren gehalten wurden.
Die zentralen Themen sind der materielle Wiederaufbau, die politische Entnazifizierung, die Definition einer neuen akademischen Ethik und das Bemühen um eine Rückbesinnung auf universelle humanistische Werte.
Das Ziel ist es, durch die Auswertung authentischer Stimmen der Universität (der Rektoren) ein qualifiziertes Bild der Sorgen, Wünsche, Pläne und der akademischen Selbstbekundung nach der NS-Zeit zu gewinnen.
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Inhaltsanalyse von historischen Rektoratsreden, ergänzt durch bildungs- und zeitgeschichtliche Literatur, um die Situation und das Selbstbild der Hochschulen in jener Zeit zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage der zerstörten Universitäten, die Rolle der Besatzungsmächte bei der Neugestaltung des Bildungswesens sowie die in den Reden formulierten Werte, Krisen und Forderungen an die neue Studentengeneration.
Die wichtigsten Begriffe sind Rektoratsreden, Nachkriegszeit, Entnazifizierung, Wissenschaftsfreiheit, Universitas, Wiederaufbau und das Streben nach einer humanistischen Neuorientierung.
Sie wird als notwendiger, aber teils widersprüchlicher Prozess zur Herauslösung der Wissenschaft aus ihrer nationalsozialistischen Verstrickung und zur moralischen Erneuerung der akademischen Institutionen dargestellt.
Da sie direkt an der Schnittstelle von Amtsantritt und akademischer Vision stehen, bieten sie einen ungefilterten Einblick in die Sorgen, Wünsche und das ethische Selbstverständnis der Rektoren in einer Zeit des Umbruchs.
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