Forschungsarbeit, 2005
46 Seiten, Note: gut
1. Einführung ins Thema
2. Ziel der Arbeit und Fragestellung
3. Thesen
4. Die Restrukturierung des politischen Raumes
4.1. Globalisierung, Entgrenzung, Denationalisierung
4.2. Transnationalisierung von Problemlagen
4.3. Ursachen der Gewalttransnationalisierung
4.3.1. Mangelnde staatliche Unterstützung
4.3.2. Verändertes Feindbild
4.3.3. Neue Möglichkeiten
4.3.3.1. Veränderungen in der internationalen Finanzarchitektur
4.3.3.2. Veränderungen in der globalen Wirtschaftsstruktur
4.3.3.3. Technologische Entwicklungen
5. Funktionsweise von Netzwerken
5.1. Definition und Charakteristika
5.2. Netzwerktypologie
5.3. Die Frage der Macht
5.3.1. Machtverteilung innerhalb von Netzwerken
5.3.2. Macht von Netzwerken
5.3.2.1. Die Macht transnationaler terroristischer Netzwerke
6. Al Qaida
6.1. Phase 1: Geburtsstunde der al Qaida
6.2. Phase 2: Netzwerkaufbau und Zielfokussierung
6.3. Phase 3: Al Qaida als Netzwerk der Netzwerke
6.4. Phase 4: 2001 bis heute
6.4.2. Die unerschöpflichen Geldquellen der al Qaida
7. Schlussfolgerungen und Ausblick
8. Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsbedingungen sowie die spezifische Organisations- und Handlungslogik transnationaler terroristischer Netzwerke am Beispiel der al Qaida. Dabei wird analysiert, wie strukturelle Veränderungen im globalen Kontext, insbesondere nach dem Ende des Kalten Krieges, die Transformation vormals staatlich geförderter militanter Gruppen zu autonomen, transnational agierenden Akteuren begünstigten.
4.3.3.1. Veränderungen in der internationalen Finanzarchitektur
Die Liberalisierung der Weltfinanzmärkte und die rapide Ausweitung des internationalen Bankkreditgeschäfts im Zuge des Übergangs vom System fester Wechselkurse zum «Floating» anfangs der 1970er Jahre hat eine Dynamik freigesetzt, «die sich immer weiter dem kontrollierenden Zugriff der einzelnen Regierungen entzieht» (Brock, 1998: 277; sowie Strange, 1996, 2002). In Bezug auf den transnational tätigen Terrorismus ist insbesondere die von Strange beschriebene Beteiligung des organisierten Verbrechens am internationalen Finanzsystem signifikant. Obwohl sie betont, dass es stets kriminelle Gruppen gab, die an den internationalen Finanzmärkten ihre Geschäfte abwickelten, stellten aber die seit den 1980er Jahren involvierten Organisationen finanzkräftigere Kaliber dar. Infolgedessen begann auch das Geschäft mit der Geldwäsche zu boomen. Voraussetzung dafür war die Offenheit respektive Toleranz des globalen ökonomischen Systems in Bezug auf die von den Banken getätigten Finanzdienstleistungen (Strange, 2002: 197; Basile, 2004: 174).
Die systemisch bedingte Laxheit war allerdings nicht der einzige Grund, weshalb Organisationen mit zweifelhaftem Ruf am globalen Kapitalmarkt partizipieren konnten. So war ferner die Ausdehnung und Ausdifferenzierung der angebotenen Dienstleistungen mitunter dafür verantwortlich, dass neue Kundenschichten angezogen wurden. Ausschlaggebend für diese Dienstleistungsexpansion war wiederum die Liberalisierung des Kapitalmarkts, weil dadurch der Konkurrenzkampf unter den Banken deutlich zunahm. Entsprechend mussten die Banken ständig neue Kunden suchen und anlocken, um vom kleiner werdenden Kapitalkuchen ein Stück abzubekommen. Denn im Gegensatz zu den Prognosen der liberalen ökonomischen Theorie bewirkte die verschärfte Konkurrenzsituation unter den Banken nur bedingt eine Preissenkung ihrer Produkte. Vielmehr motivierte es die Bankenwelt, höhere ökonomische und politische Risiken einzugehen, um neue Profitströme generieren zu können (Strange, 2002: 198). Es entstand in der Folge eine symbiotische Vierecksbeziehung zwischen kriminellen und terroristischen Organisationen (1), den Schattenstaaten (2), aus denen sie operieren, gewissen Kreditinstituten (3), die auf legale, halblegale oder illegale Weise die Gelder deponieren, transferieren und investieren, und all jenen Staaten (4), deren gesetzliche Rahmenbedingungen das Handeln der Kreditinstitute tolerieren oder gar aktiv unterstützen.
1. Einführung ins Thema: Diese Einführung beleuchtet den Wandel des Terrorismusbegriffs und die Entstehung transnationaler, netzwerkartiger Terrororganisationen nach dem Ende des Kalten Krieges.
2. Ziel der Arbeit und Fragestellung: Das Kapitel definiert den Fokus auf die Entstehungs- und Funktionsweise transnationaler Netzwerke und leitet daraus die zentralen Forschungsfragen ab.
3. Thesen: Hier werden drei Kernannahmen formuliert, die das Ende der Ost-West-Konfrontation, die globalisierungsbedingte Schwächung staatlicher Gewaltmonopole und die strukturellen Bedingungen für terroristische Netzwerkbildungen betreffen.
4. Die Restrukturierung des politischen Raumes: Dieses Kapitel analysiert, wie Globalisierung und Transnationalisierung politische Räume entgrenzen und neue sicherheitspolitische Problemlagen schaffen.
5. Funktionsweise von Netzwerken: Es werden netzwerktheoretische Grundlagen, Typologien sowie die Bedeutung von Macht und Ideologie in transnationalen Zusammenhängen erörtert.
6. Al Qaida: Anhand einer vierphasigen Rekonstruktion wird die historische Entwicklung der al Qaida von einer kleinen Gruppe zu einem komplexen, transnationalen "Netzwerk der Netzwerke" nachgezeichnet.
7. Schlussfolgerungen und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die dauerhafte sicherheitspolitische Herausforderung, die von der autonomen Handlungsfähigkeit der al Qaida ausgeht.
Al Qaida, Transnationaler Terrorismus, Globalisierung, Netzwerktheorie, Jihad-Ideologie, Gewalttransnationalisierung, Sicherheitsrisiken, Staatliche Souveränität, Finanzarchitektur, Terrorismusbekämpfung, Netzwerkstruktur, Politische Autonomie, Schattenökonomie, Postnationale Konstellation, Gewaltmonopol
Die Arbeit untersucht, wie und warum sich terroristische Netzwerke wie die al Qaida in einem globalisierten Umfeld bilden und transnational entfalten konnten.
Zu den Hauptthemen gehören die Globalisierungsdebatte, die Funktionsweise von Netzwerken, die Bedeutung von Ideologien für den Zusammenhalt terroristischer Gruppen sowie die ökonomischen Hintergründe und Finanzierungsstrategien von Terrornetzwerken.
Ziel ist es, die Organisations- und Handlungslogik von transnationalen terroristischen Netzwerken zu verstehen und zu erklären, warum diese im Vergleich zu klassischen Nationalstaaten oft agiler und schwerer greifbar sind.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse politikwissenschaftlicher Konzepte, wie der Restrukturierung des politischen Raumes und Netzwerktheorien, angewandt auf eine Fallstudie über die Entwicklung der al Qaida.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Untersuchung der Globalisierung und Netzwerkstrukturen sowie eine detaillierte, phasenorientierte Analyse der historischen Entstehung und Transformation der al Qaida.
Zentrale Begriffe sind Transnationaler Terrorismus, Netzwerktheorie, Globalisierung, Jihad-Ideologie, Gewalttransnationalisierung und die ökonomische Autonomie terroristischer Akteure.
Im Gegensatz zu früher lokal verorteten Gruppen zeichnet sich die al Qaida durch ihre transnationale Struktur, ihre dezentrale Organisation, eine hohe funktionale Differenzierung sowie die Nutzung globaler Finanz- und Kommunikationsinstrumente aus.
Die Schwierigkeit liegt in der netzwerkartigen, nicht territorial fixierten Struktur, der hohen operativen Autonomie der einzelnen Zellen und der fortbestehenden Attraktivität der Jihad-Ideologie, die weltweit neue Anhänger rekrutiert.
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