Masterarbeit, 2019
113 Seiten, Note: 1,3
1. Problemstellung
2. Die digitale Wirtschaft
2.1 Begriff der digitalen Wirtschaft
2.2 Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft
2.2.1 Beispiel Zalando
2.3 Merkmale der digitalen Wirtschaft
2.3.1 „Double Irish with a Dutch Sandwich“
2.3.2 Lehren und Konsequenzen aus dem Steuersparmodell der US-Konzerne
2.3.3 Auswirkungen der US-Steuerreform
3. Die Besteuerung der digitalen Wirtschaft
3.1 Definition und Ursachen des BEPS-Projektes
3.2 Der Aktionsplan der OECD gegen BEPS
3.2.1 Country-by-Country Reporting
3.3 Immaterielle Wirtschaftsgüter
3.3.1 Verrechnungspreisproblematik bei immateriellen Wirtschaftsgütern
3.3.2 Lizenzschranke
4. Kritische Analyse des geltenden Besteuerungssystems
4.1 Bedeutung und Problematik des Betriebsstättenprinzips bei der Besteuerung der digitalen Wirtschaft
4.2 Betriebsstätte nach nationalem Recht
4.2.1 Haupttatbestand feste Geschäftseinrichtung
4.2.2 Definition im Abkommensrecht Art. 5 OECD-MA
4.3 Die Serverbetriebsstätte
4.3.1 Cloud Computing
4.4 Die Vertreterbetriebsstätte
4.4.1 Der ständige Vertreter
4.4.2 Der Server und die Website
5. Alternativen zum traditionellen Betriebsstättenprinzip
5.1 Aktuelle Reformbestrebungen auf dem Gebiet der digitalen Wirtschaft
5.1.1 Ausweitung der Besteuerung im Quellenstaat
5.1.2 Zwischenlösung einzelner Länder
5.1.3 Zwischenlösung der EU- Kommission lautet Digitalsteuer
5.1.4 Einführung der signifikanten virtuellen Präsenz
5.1.5 Quellensteuer
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Masterthesis analysiert die steuersystematischen Herausforderungen, die durch die Digitalisierung der Wirtschaft für das traditionelle Betriebsstättenprinzip entstehen. Ziel ist es, zu untersuchen, ob die bestehenden internationalen Besteuerungsprinzipien noch sachgerecht sind oder ob neue Kriterien erforderlich werden, um eine gleichmäßige Besteuerung in Zukunft zu gewährleisten.
2.3.1 „Double Irish with a Dutch Sandwich“
Der US-Technologiekonzern Apple jagt von Rekord zu Rekord. Selbst nach dem Tod von Unternehmensgründer Steve Jobs laufen die Geschäfte mit iPhone, iPad, digitalisierter Musik und kleinen Smartphone-Programmen, den sog. Apps, prächtig. So liegt der Gewinn von Apple im Weihnachtsquartal 2017 zwischen 84 und 87 Milliarden US-Dollar. Die Entwicklung von Apple ist eine wirtschaftliche Erfolgsstory ohnegleichen. Das IT-Unternehmen stand im Jahr 1997 kurz vor der Insolvenz und ist mittlerweile zu einer der wertvollsten an der Börse notierten Gesellschaften aufgestiegen. Der Apple Konzern ist nicht nur bei der Entwicklung seiner innovativen Produkte kreativ, sondern auch bei der Gestaltung der steuerlichen Verhältnisse des Unternehmens.
In den vergangenen Jahren hat Apple laut eigenen Angaben auf seine Auslandsgewinne in Europa nur 2,8 % Steuern gezahlt, da die in Europa erzielten Gewinne alle in das irische Steuerparadies verschoben wurden. Die Steuerbelastung anderer namhafter Unternehmen aus dem Jahr 2010 wird mit Hilfe einer Abbildung im Anhang 1 dargestellt. Es stellt sich also die Frage, wie es für einen milliardenschweren Konzern wie Apple möglich war, so wenig Steuern zu zahlen. Dies gelang Apple und auch anderen großen Unternehmen der digitalen Wirtschaft mit dem Steuersparmodell „Double Irish with a Dutch Sandwich“. Geeignet für dieses Steuersparmodell sind besonders Unternehmen der Informationstechnologiebranche, da sich immaterielle Wirtschaftsgüter ohne logistischen Aufwand auf verschiedene Gesellschaften innerhalb des Konzerns verlagern lassen.
1. Problemstellung: Einleitung in die Digitalisierung der Wirtschaft und Aufzeigung der resultierenden Herausforderungen für das traditionelle Betriebsstättenprinzip.
2. Die digitale Wirtschaft: Definition der digitalen Wirtschaft, Darstellung von Geschäftsmodellen am Beispiel von Zalando und Analyse von Steuersparmodellen sowie Auswirkungen der US-Steuerreform.
3. Die Besteuerung der digitalen Wirtschaft: Untersuchung des BEPS-Projektes der OECD, der Rolle immaterieller Wirtschaftsgüter sowie kritische Analyse von Reporting-Verfahren und der Lizenzschranke.
4. Kritische Analyse des geltenden Besteuerungssystems: Untersuchung der Betriebsstätte nach nationalem und Abkommensrecht, der Serverbetriebsstätte sowie der Vertreterbetriebsstätte unter den Bedingungen der Digitalisierung.
5. Alternativen zum traditionellen Betriebsstättenprinzip: Erörterung von Reformbestrebungen, darunter die Quellenbesteuerung, die Digitalsteuer der EU und die signifikante virtuelle Präsenz.
6. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Ergebnisse und Fazit der steuersystematischen Analyse.
Betriebsstättenprinzip, digitale Wirtschaft, BEPS, Gewinnverlagerung, immaterielle Wirtschaftsgüter, Verrechnungspreise, Double Irish with a Dutch Sandwich, Lizenzschranke, Cloud Computing, Serverbetriebsstätte, Vertreterbetriebsstätte, Digitalsteuer, signifikante virtuelle Präsenz, Quellensteuer.
Die Arbeit analysiert die steuersystematischen Probleme, die durch die Digitalisierung der Wirtschaft für das internationale Steuerrecht, insbesondere für das Betriebsstättenprinzip, entstehen.
Zentrale Themen sind die BEPS-Initiative der OECD, aggressive Steuerplanung durch IT-Konzerne, die Problematik der immateriellen Wirtschaftsgüter und Ansätze zur Fortentwicklung des Betriebsstättenbegriffs.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob traditionelle Anknüpfungsmerkmale wie die physische Betriebsstätte noch ausreichen, um Unternehmen der digitalen Wirtschaft sachgerecht zu besteuern, oder ob Alternativen wie die Digitalsteuer benötigt werden.
Die Arbeit nutzt eine steuersystematische Analyse, indem sie geltende Rechtsnormen kritisch durchleuchtet, aktuelle Reformvorschläge prüft und diese mit Praxisbeispielen (wie etwa der Steuergestaltung von Apple) in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Begriffs der digitalen Wirtschaft, die Analyse des BEPS-Projektes, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Betriebsstättenkonzept und die Bewertung möglicher Alternativen wie der signifikanten virtuellen Präsenz.
Wichtige Begriffe sind Betriebsstättenprinzip, BEPS, digitale Wirtschaft, Gewinnverlagerung, immaterielle Wirtschaftsgüter und Digitalsteuer.
Dieses Steuersparmodell dient als zentrales Praxisbeispiel, um zu verdeutlichen, wie Konzerne die Lücken in nicht-harmonisierten internationalen Steuersystemen ausnutzen, um trotz hoher Gewinne nur eine sehr geringe Steuerlast zu tragen.
Der Autor stuft die Lizenzschranke als eher "stumpfes Schwert" ein, da sie Steueroasen oft nicht erfasst und zudem verfassungs- sowie europarechtliche Bedenken hinsichtlich der Steuergerechtigkeit und der Niederlassungsfreiheit aufwirft.
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