Masterarbeit, 2012
54 Seiten, Note: 1,7
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1 Einleitung
2 Macht- und Bedeutungszuwachs des Königreichs Savoyen
2.1 Ursprünge und geschichtliche Einordnung
2.2 Entwicklung Turins zur modernen Residenzstadt
2.3 Napoleonischer Einfluss und Turin zwischen Restauration und Risorgimento und neue Urbanität
3 Neuorientierung nach 1864
3.1 Trauma des Hauptstadtverlustes und Wandlung des Profils
3.2 Ökonomische Voraussetzungen, ihre Folgen und urbane Erweiterungen
3.3 Gesellschaftlich-soziale und politische Realitäten
4 Gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen / Turin unter dem Brennglas
4.1 Bersezios und De Amicis andere Wahrnehmung Turins
4.2 Gesellschaft im Wandel: De Amicis, Zini, Gobetti und andere
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden städtebaulichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozess Turins zwischen 1861 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, wie sich die Stadt vom Status einer königlichen Residenz zur modernen, industriell geprägten Metropole entwickelte und welche Rolle dabei Identitätskrisen, der politische Strukturwandel sowie die kulturelle Reflexion zeitgenössischer Autoren spielten.
4.1 Bersezios und De Amicis andere Wahrnehmung Turins
Das Leben und künstlerische Werk des Piemonteser Schriftstellers Bersezio (1828-1900) sind stark mit der Stadt Turin, der Mentalität seiner Bewohner, ihrem Dialekt und den gesellschaftlichen Umbrüchen seiner Zeit verbunden und können außerhalb dieses Kontextes nur schwer verstanden werden. Dem Bürgertum zuzuordnen, war Bersezio zwar überzeugter Anhänger des Risorgimento, aufgrund seiner engen Beziehung zu Turin verstand er sich aber in erster Linie regionalpatriotisch piemontesisch, und damit eher als ein glühender Verehrer der neu zu konstruierenden italianitá. Er widmete seine Schriften vor allem dem lokalen Publikum und dem gesellschaftlichen Wandel und wurde so zu einem der beliebtesten Turiner Autoren seiner Zeit. Seine Texte schrieb er fast ausschließlich in piemontesischer Mundart, nichtsdestotrotz gelangte er auch im übrigen Italien zu einiger Berühmtheit.
Die Komödie Le miserie d´monssú Travet war wahrscheinlich sein erfolgreichstes Stück, wurde 1863 zum ersten Mal aufgeführt und hatte trotz des Piemontesischen auch einen großen Erfolg beim Publikum und bei den Kritikern außerhalb Turins. Das Stück handelt vom Leben Travets, einem bescheidenen und unauffälligen Angestellten der königlichen Verwaltung. In permanenter Erwartung einer ihm immer und immer wieder versprochenen Beförderung schildert es, wie Travet 32 Jahre lang fleißig und pflichtbewusst seine Arbeit erfüllt und die Demütigungen als kleines Rädchen im großen königlichen Verwaltungssystem stoisch erträgt. Wegen seiner Geduld und Bescheidenheit schafft er es seine Ehre, gegenüber seinen Vorgesetzten zu verteidigen, was ihm Respekt und Anerkennung einbringt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Turins als Provinzhauptstadt ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit an die vier strukturellen Entwicklungsschübe der Stadt.
2 Macht- und Bedeutungszuwachs des Königreichs Savoyen: Das Kapitel analysiert die Ursprünge der savoyischen Macht und die Entwicklung Turins zur strategisch geplanten Residenzstadt unter Einfluss von Barock und Absolutismus.
3 Neuorientierung nach 1864: Hier wird der Schock des Hauptstadtverlustes behandelt und untersucht, wie Turin durch industrielle Ausstellungen und eine neue Bildungsstrategie den Weg zur modernen Industriestadt fand.
4 Gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen / Turin unter dem Brennglas: Dieses Kapitel vergleicht literarische Turinbilder von Autoren wie Bersezio und De Amicis, um den soziokulturellen Wandel und die entstehende industrielle Massengesellschaft zu beleuchten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Transformation Turins zusammen und betont die Rolle von Identität, Tradition und dem neuen industriellen Selbstbewusstsein für die Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg.
Turin, Piemont, Risorgimento, Industrialisierung, Stadtentwicklung, Residenzstadt, Königreich Savoyen, Sozialgeschichte, Literatur, Identität, De Amicis, Bersezio, Moderne, Stadtplanung, Arbeiterbewegung.
Die Arbeit analysiert den Wandel der Stadt Turin von ihrer Zeit als Residenzstadt und Hauptstadt Italiens bis hin zur Entwicklung zur modernen, industriell geprägten Metropole vor dem Ersten Weltkrieg.
Die zentralen Themen sind die städtebauliche Expansion, der wirtschaftliche Strukturwandel durch die Industrialisierung, politische Veränderungen sowie die kulturelle Wahrnehmung dieses Wandels in der Literatur.
Ziel ist es, zu verstehen, wie Turin trotz des Schocks durch den Verlust des Hauptstadtstatus ein neues, industriell fundiertes Selbstbild entwickeln konnte.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus chronologischer Darstellung der historischen Entwicklung und einer querschnittartigen Analyse der soziokulturellen Auswirkungen anhand von zeitgenössischen literarischen Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Machtgeschichte Savoyens, die Reaktion auf den Hauptstadtverlust, die sozioökonomische Transformation sowie die Spiegelung dieser Prozesse in den Werken bedeutender Schriftsteller.
Wesentliche Begriffe sind Industrialisierung, Risorgimento, piemontesische Identität, Stadtplanung, soziale Transformation und die industrielle Entwicklung durch Automobilkonzerne wie Fiat.
Der Code Napoleon brachte eine moderne gesetzliche Basis, die zwar zentralistisch geprägt war, aber auch die Grundlage für zivile Fortschritte schuf und die Stadt für kommende Wandlungsprozesse öffnete.
Die Ausstellungen (z. B. 1884, 1898, 1911) fungierten als Schaufenster der Moderne, die das veränderte Selbstbewusstsein Turins als aufstrebende Industriehauptstadt nach außen trugen.
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