Magisterarbeit, 2004
120 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Großstadt Volkskunde
1.2 Kultur und Alltag
1.3 Methoden der Volkskunde
2 Die Geschichte St. Georgs
2.1 Die Gründung St. Georgs
2.2 Der Namenspatron
2.3 Vor den Toren Hamburgs
2.4 Vorstadt St. Georg
2.4.1 Die Torsperre
2.4.2 Der große Brand
2.4.3 Stiftungen, Wohltätigkeitseinrichtungen und das Krankenhaus St. Georg
2.5 Der Stadtteil St. Georg
2.5.1 Die Eingliederung St. Georgs nach Hamburg.
2.5.2 Die Umwandlung des Borgesch vom Zimmermannsplatz zum mittelständigen Wohnquartier.
2.5.3 Die Verkehrsituation in St. Georg von etwa 1850 bis heute.
2.5.4 St Georg wird Bahnhofs- und Vergnügungsviertel
2.5.5 St. Georg bis zum Ende des 2. Weltkriegs.
2.5.6 Die Nachkriegszeit bis in die 60 er Jahre
2.5.7 Das Alsterzentrum und die weitere Entwicklung
2.5.8 Das heutige Bild des Stadtteils St. Georg
3 Gentrification: Die Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete.
3.1 Die Gentrification, Phase 1 bis 4.
3.2 Folgen der Gentrification
3.3 Übertragung der Phasen 1 bis 4 auf das aktuelle Untersuchungsgebiet St. Georg
3.4 Fazit
4 Überprüfung der ersten Frage der Einleitung anhand der vorangegangen Kapitel
5 Empirische Untersuchung im Stadtteil St. Georg
5.1 Der Bürgerverein zu St. Georg von 1880 RV.
5.2 Der Einwohnerverein St. Georg von 1987 e.V.
5.3 Auswertung und Interpretation der Interviews.
5.3.1 Bilder von St. Georg
5.3.2 Zentrum und Peripherie.
5.3.3 Menschen des Stadtteils.
5.3.4 Veränderungen im Stadtteil und deren Bewertung.
5.3.5 Zur Bewertung der Stadteilberichterstattung in den Medien.
5.3.6 Die Vereine, Mitglieder, Schwerpunkte und Konkurrenz.
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den Stadtteil St. Georg in Hamburg, um festzustellen, ob eine historisch gewachsene Entwicklung erkennbar ist, bei den Bewohnern ein Ortsbewusstsein existiert und ob eine spezifische Stadtteilkultur identifizierbar ist. Dazu werden historische Quellen sowie leitfadengestützte Interviews mit Mitgliedern der zwei lokalen Stadtteilvereine analysiert.
2.4.2 Der große Brand
Am 5 Mai 1842 entwickelte sich in der Nacht ein Feuer, das unaufhaltsam bis zum 8. Mai 1842 in der Innenstadt Hamburgs wütete. 1750 Häuser und öffentliche Gebäude (z. B. das alte Rathaus und zwei Hauptkirchen) wurden vernichtet. Über 10 % der Bevölkerung Hamburgs wurde obdachlos. Die nordöstlich gelegene Strasse "Brandsende" zeigt heute in ihrem Verlauf und mit ihrem Namen die Ausdehnung des verheerenden Feuers an. Der Wallring schützte St. Georg vor dem Brand und den Menschen gelang es, in Brand geratene Bäume, Häuser und andere brennende Teile zu löschen. Durch Funkenflug verursachte Kleinfeuer wurden bekämpft. Dies verhinderte u.a. ein Übergreifen des Feuers auf die Vorstadt.
Nach dem Brand waren ca. 20 000 Menschen in Hamburg obdachlos. In St. Georg entstanden in der Gegend vor dem Steintor und in Hammerbrook Hilfswohnungen in leichtem Fachwerkbau, die auf eine Funktionsdauer von 3 bzw. 25 Jahre angelegt waren. Die Hilfswohnungen wurden zu einem festen, niedrigen Mietzins vergeben, um Mietwucher vorzubeugen. In der Zeit von 1831 bis 1849 entwickelte sich St. Georg-Nord von einem Viertel mit vornehmlich ärmeren Bevölkerungsschichten zu einem mittelständisch-kleinbürgerlichen Viertel. Dies hatte seine Ursache u.a. im Zuzug wohlhabender Familien nach dem großen Brand. Die Vorstadt St. Georg wurde als attraktiver Wohnstandort von den Hamburgern entdeckt und die Boden- und Wohnungsspekulation in der Vorstadt nahm allgemein zu. Um 1910 war St. Georg schon das viertteuerste Stadtviertel nach Harvestehude, Rotherbaum und Hohenfelde.
Nach dem großen Brand wurde eine Neuordnung des Hamburger Stadtgebiets und eine Veränderung der Verkehrwege in Angriff genommen. Durch neu angelegte Walldurchbrüche verbesserte sich die Verbindung der Vorstadt St. Georg mit der Hamburger Innenstadt.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfragen und der stadtvolkskundlichen Methodik zur Untersuchung des Stadtteils St. Georg.
2 Die Geschichte St. Georgs: Historischer Abriss über die Entwicklung vom Leprosenheim zum Hamburger Stadtteil unter Berücksichtigung sozialer und baulicher Veränderungen.
3 Gentrification: Die Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete.: Theoretische Erläuterung der Gentrification-Phasen und deren Anwendung auf die städtebauliche Situation von St. Georg.
4 Überprüfung der ersten Frage der Einleitung anhand der vorangegangen Kapitel: Zusammenfassende Analyse, ob St. Georg eine kontinuierliche, gewachsene Entwicklung aufweist.
5 Empirische Untersuchung im Stadtteil St. Georg: Darstellung der Interviewergebnisse mit Vereinsmitgliedern zu Themen wie Ortsidentität, Wohnumfeld und Stadtteilwahrnehmung.
6 Schlussbetrachtung: Synthese der historischen und empirischen Erkenntnisse über die Auf- und Abwärtsbewegungen des Stadtteils.
St. Georg, Hamburg, Stadtvolkskunde, Gentrification, Ortsbewusstsein, Stadtteilverein, Bürgerverein, Einwohnerverein, Stadtentwicklung, Prostitution, Drogenproblematik, Sanierung, Alltagsgeschichte, Wohnumfeld, Innenstadt.
Die Arbeit analysiert die stadtteilgeschichtliche und aktuelle soziale Entwicklung des Hamburger Stadtteils St. Georg unter Berücksichtigung von Aufwertungsprozessen und der Wahrnehmung durch die Bewohner.
Neben der historischen Genese des Stadtteils stehen Gentrification, der Einfluss lokaler Vereine sowie die soziale Integration und Identität der Bewohner im Zentrum der Untersuchung.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine gewachsene Stadtteilentwicklung vorliegt, ob ein spezifisches Ortsbewusstsein bei den Bewohnern existiert und ob eine erkennbare Stadtteilkultur besteht.
Die Arbeit basiert auf einem interdisziplinären volkskundlichen Ansatz, der historische Recherchen mit leitfadengestützten qualitativen Experteninterviews kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Stadtentwicklung, eine theoretische Einordnung von Gentrification-Phasen sowie eine empirische Auswertung von Interviews mit Mitgliedern des Bürgervereins und des Einwohnervereins.
Typische Begriffe sind St. Georg, Gentrification, Stadtvolkskunde, Ortsidentität und Stadtteilentwicklung.
Die Vereine fungieren als zentrale Akteure in der Stadtteilpolitik. Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Motivationen und Zielsetzungen des traditionellen Bürgervereins und des alternativ geprägten Einwohnervereins.
Während Mitglieder des Bürgervereins die durch die Aufwertung bedingte "Verbürgerlichung" des Stadtteils überwiegend positiv bewerten, äußern Mitglieder des Einwohnervereins kritische Sorgen hinsichtlich Verdrängung und des Verlusts der kulturellen Buntheit.
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