Bachelorarbeit, 2005
53 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Entwicklungsgeschichte der Kunstmuseen
2.1 Begriffsursprung
2.2 Die Entstehung der ersten Museen im 18. Jahrhundert
2.3 Das Museum im 19. Jahrhundert
2.4 Die Lage der Museen im 20. Jahrhundert
3. Die Museen und die Kunst der Gegenwart
3.1 Die Entstehung der Problematik im Umgang mit zeitgenössischer Kunst
3.2 Die künstlerische Moderne
3.3 Die Haltung der Künstler der Moderne gegenüber den Museen
3.4 Die Museumskrise der 60er Jahre
4. Die Entwicklung der Innenraumgestaltung der Museen
4.1 Von der ursprünglichen Problematik bis zur Entstehung der ersten Museen
4.2 Die Raumgegebenheiten in den ersten Kunstmuseen
4.3 Das 19. Jahrhundert
4.4 Das 20. Jahrhundert
4.4.1 Die veränderte Anordnung der Kunstwerke
4.4.2 Die farbliche Umgestaltung der Ausstellungsräume
4.4.3 Das Weiß hält Einzug in die Museen
5. Eine kritische Betrachtung des White Cube
5.1 Brian O’Doherty: In der weißen Zelle – Inside the White Cube
5.1.1 Brian O’Doherty: „Die weiße Zelle und ihre Vorgänger“
5.1.2 Brian O’Doherty: „Das Auge und der Betrachter“
5.1.3 Brian O’Doherty: „Der Kontext als Text“
5.1.4 Brian O’Doherty: „Die Galerie als Gestus“
5.2 Über die scheinbare Neutralität des White Cube
5.3 Die Auswirkungen des White Cube auf das Ausstellungswesen
5.4 White Cube versus Le Vide
5.4.1 Yves Klein: Le Vide
5.4.2 Vergleich der Ansätze von O’Doherty und Yves Klein
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Kunstmuseums mit einem besonderen Fokus auf den "White Cube" – den reduzierten weißen Ausstellungsraum. Ziel ist es, die theoretische und praktische Bedeutung dieses Raumes für die Präsentation moderner und zeitgenössischer Kunst zu analysieren und zu hinterfragen, ob er seinem Anspruch als neutraler Rahmen gerecht wird.
5.4.1 Yves Klein: Le Vide
Während Brian O’Doherty seine Analyse des reinen weißen Ausstellungsraumes als Erster derart differenziert theoretisch formulierte, gab es seit dem Minimalismus und demzufolge bereits vor dem Erscheinen institutionskritischer Arbeiten Bestrebungen, den White Cube auch innerhalb der Kunst selbst zu reflektieren. Der französische Künstler Yves Klein, der vor allem durch seine monochromen, blauen Gemälde Ansehen in der Kunstwelt erlangte, war mit seiner Ausstellung Le Vide der Erste, der den White Cube selbst thematisierte, indem er ihn zu dem zentralen Gegenstand seiner Ausstellung machte.
Am 28. April 1958 eröffnete Yves Klein seine Ausstellung Le Vide in der Pariser Galerie von Iris Clert. Der Titel der Ausstellung, der übersetzt Die Leere bedeutet, bezog sich auf den 20 Quadratmeter großen, weißgetünchten, leeren Galerie-Raum, den der Künstler durch eine aufwendige, an ‚seiner’ Farbe Ultramarinblau orientierte Rahmengestaltung in Szene setzte. Vor der Eingangstür zu dem Galerie-Raum stand ein blauer Baldachin, unter welchem zwei uniformierte Vertreter der Republikaner-Garde das Eintreten der Besucher in den Kern der Ausstellung symbolisch überwachten. Zudem wurden den Besuchern der Ausstellung blaue Cocktails gereicht, die die Körperflüssigkeiten blau einfärbten, sodass sich das Blau auch auf jeden einzelnen Gast persönlich ausweitete.
Während auch die Fenster der Galerie von außen in besagtem und allgegenwärtigem International Klein Blue erschienen, erstrahlte das Innere des Galerie-Raumes in leuchtendem Weiß. „Voller Konzentration auf die eigene malerische Sensibilität“ hatte Yves Klein den Galerie-Raum innerhalb von 48 Stunden mit weißer Farbe ausgemalt. Unter Anwendung einer speziellen Technik wollte er nicht nur einen rein weißen Raum schaffen, sondern zudem die Wände des Raumes in ein eine Einheit bildendes Gemälde verwandeln, welches dem Raum Stabilität zusichern sollte.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den White Cube als paradigmatischen Ausstellungsraum im Kontext der Museumsgeschichte zu hinterfragen.
2. Die Entwicklungsgeschichte der Kunstmuseen: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von den frühen Sammlungen der Renaissance bis zu den öffentlichen Museen des 19. und 20. Jahrhunderts nach.
3. Die Museen und die Kunst der Gegenwart: Hier wird der Konflikt zwischen der Institution Museum und der modernen bzw. zeitgenössischen Kunst sowie die aufkommende Museumskrise der 60er Jahre beleuchtet.
4. Die Entwicklung der Innenraumgestaltung der Museen: Das Kapitel untersucht den Wandel von der dekorativen Präsentation hin zum puristischen, weißen Ausstellungsraum im 20. Jahrhundert.
5. Eine kritische Betrachtung des White Cube: Dieser Hauptteil analysiert die Essays Brian O’Dohertys, die scheinbare Neutralität des White Cube sowie den künstlerischen Gegenentwurf durch Yves Kleins Le Vide.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der White Cube zwar dominierend blieb, jedoch keine finale oder neutrale Lösung für die Kunstpräsentation darstellt und stetigem Wandel unterworfen bleibt.
White Cube, Kunstmuseum, Innenraumgestaltung, Brian O’Doherty, Zeitgenössische Kunst, Ausstellungsarchitektur, Museumsgeschichte, Yves Klein, Le Vide, Institution Museum, Museumsreform, moderne Kunst, Präsentationsformen, Raumkonzeption, Institutionskritik.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des White Cube als dominantes Ausstellungsformat und dessen kritische Auseinandersetzung im Kontext der Museums- und Kunstgeschichte.
Zu den Schwerpunkten zählen die Genese des Kunstmuseums, die Architektur der Ausstellungsräume, die Kritik an der vermeintlichen Neutralität des White Cube sowie das Verhältnis von Kunst und Raum.
Das Ziel ist es, den White Cube nicht als neutrale Gegebenheit, sondern als konstruiertes, historisch gewachsenes System zu entlarven, das die Wahrnehmung von Kunst maßgeblich beeinflusst.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer theoretischen Reflexion, insbesondere unter Einbeziehung der Essay-Reihe von Brian O’Doherty sowie institutionskritischer Perspektiven.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Untersuchung der Museumsgestaltung und die kritische Dekonstruktion des White Cube durch theoretische Analysen und ein Fallbeispiel zur zeitgenössischen Kunst.
Zentrale Begriffe sind White Cube, Institution Museum, Raumkonzeption, Museumsreform, zeitgenössische Kunst und Ausstellungsästhetik.
Yves Kleins Ausstellung dient als ein entscheidendes Fallbeispiel für die künstlerische Reflexion über den leeren Ausstellungsraum und wird O’Dohertys theoretischem Ansatz gegenübergestellt.
Die Autorin schlussfolgert, dass der White Cube trotz aller berechtigten Kritik als "selbstverständliche Konvention" fortbesteht, sich jedoch aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen in Zukunft neuen Wahrnehmungsrahmen unterordnen könnte.
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