Diplomarbeit, 2001
110 Seiten, Note: 2,1
1 Einleitung
1.1 Soziale Integration durch das Recht (nach T. H. Marshall)
1.2 Konzeptionen von Integration (nach Hoffmann-Nowotny und Esser)
2 Soziale Integration durch das Recht?
2.1 Indikatoren für soziale Integration
2.1.1 Demographische Situation
2.1.2 Sprachkenntnisse
2.1.3 Schulischer Erfolg
2.1.4 Integration im Arbeitsmarkt und berufliche Stellung
2.1.5 Soziale Kontakte und Wohnsituation (Segregation)
2.2 Politische Integration - Das Staatsbürgerschaftsrecht
2.2.1 Inklusions- und Exklusionseffekte der Staatsbürgerschaft
2.2.2 Staatsbürgerschaft in Deutschland und Frankreich heute
2.2.3 Rechtliche Regelungen in Deutschland und Frankreich
2.3 Auswirkungen auf die soziale Integration von Ausländern –Theorie und Wirklichkeit
2.3.1 Entwicklung des Aufenthaltsstatus
2.3.2 Anzahl der Einbürgerungen
2.3.3 Politische Partizipation
2.3.4 Regelungen und Auswirkungen für die zweite und dritte Generation
2.4 Zusammenfassung: Integration durch Staatsbürgerschaft?
3 Kulturelle Rechte und ihre Integrationsfunktionen
3.1 Begriffsverständnisse von kulturellen Rechten
3.2 Kulturelle Rechte in der Theorie von T. Parsons
3.3 Indikatoren für kulturelle Integration
3.4 Die Verwirklichung der kulturellen Rechte der Einwanderer in der „Culture française“
3.5 Die Verwirklichung der kulturellen Rechte der Einwanderer in der „deutschen Kultur“
3.6 Die kulturelle Integration im Vergleich
4 Die Zukunft der Einwanderungsgesellschaft – eine Analyse
4.1 Integrationschancen der Bevölkerung ausländischer Herkunft
4.2 Demographischer Wandel und Einwanderungssituation: Wie muß das Zusammenleben in Zukunft geregelt sein, ohne daß es zu einer Kluft in der Gesellschaft kommt?
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Integration von Ausländern und Einwanderern in Frankreich und Deutschland. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen und Staatsbürgerschaftsrechte die tatsächliche soziale, politische und kulturelle Integration der Migranten beeinflussen.
1.1 Soziale Integration durch das Recht (nach T. H. Marshall)
Diese Arbeit basiert vor allem auf den klassischen Positionen von T. H. Marshall. Dieser hat mit seinem Essay „Citizenship and Social Class“ (1950) die Soziologie der Staatsbürgerschaft wesentlich mitgegründet. Marshalls Konzept beruht auf der Wahrnehmung der aus dem kapitalistischen Klassensystem resultierenden Erscheinungen extremer Formen sozialer Ungleichheit. Marshall untersuchte nun, welchen Beitrag moderne Staatsbürgerrechte leisten können, um den gesellschaftsspaltenden Tendenzen moderner Klassengesellschaften entgegenzuwirken.
Dieses Konzept läßt sich wunderbar auf die heutige Situation der Integration von Ausländern und Einwanderern übertragen. Zwar können wir heute kaum noch von einer Klassengesellschaft sprechen, aber die Theorievorstellungen lassen sich auch sehr gut mit dem heute meist verwendeten Schichtmodell der Gesellschaft verbinden.
Die Ausländer und ihre Nachkommen stellen heute einen Sonderfall dar für die Integration von Personen oder Gruppen in der Gesellschaft, vor allem dadurch, daß sie weder praktisch noch theoretisch dieselben Rechte wie die Einheimischen besitzen und außerdem in vielen Bereichen (wie dem Arbeitsmarkt oder dem Bildungssystem) nicht voll integriert sind. Nach Mackert steht Marshall in der Tradition des Liberalismus und englischen Empirismus, da sein Interesse vor allem auf die Frage gerichtet ist, „ob eine grundsätzliche menschliche Gleichheit, die in einem gemeinsamen Status aller Mitglieder einer Gesellschaft zum Ausdruck kommt, mit einem System sozialer Ungleichheit vereinbar ist“ (Mackert 1999, S. 56). Marshall hält das Modell einer modernen Staatsbürgerschaft für die Lösung des Problems: Durch verschiedene Rechte, die mit der Staatsbürgerschaft verbunden sind, soll jedem Menschen ein Anspruch auf einen Anteil am gesellschaftlichen Erbe und somit angemessene Lebensumstände als Maß eines zivilisierten Lebens garantiert werden (vergl. Marshall 1981, S. 38).
1 Einleitung: Einführung in das zentrale Thema der sozialen Integration, die Abgrenzung von populären Assimilationsforderungen und die theoretische Grundlage durch Marshall, Esser, Hoffmann-Nowotny und Parsons.
2 Soziale Integration durch das Recht?: Empirische Untersuchung verschiedener Integrationsindikatoren, wie Demographie, Sprache, Schule und Arbeitsmarkt, sowie ein Vergleich der Staatsbürgerschaftsrechte.
3 Kulturelle Rechte und ihre Integrationsfunktionen: Analyse der theoretischen Bedeutung kultureller Rechte für die Integration und deren praktische Umsetzung in Frankreich und Deutschland, insbesondere durch Medienpartizipation.
4 Die Zukunft der Einwanderungsgesellschaft – eine Analyse: Synthese der Erkenntnisse und Ausblick auf die notwendige Anpassung von Integrationskonzepten angesichts demographischer Entwicklungen wie der EU-Osterweiterung.
Soziale Integration, Staatsbürgerschaftsrecht, Deutschland, Frankreich, Einwanderung, Assimilation, Partizipation, Kulturelle Rechte, Arbeitsmarkt, Bildungssystem, Segregation, Ausländer, Migranten, Staatsangehörigkeit, Einbürgerung.
Die Arbeit analysiert die Mechanismen und Erfolge der Integration von Ausländern in Deutschland und Frankreich unter besonderer Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen.
Die zentralen Felder sind die soziale Integration (Bildung, Arbeit), die politische Integration (Staatsbürgerschaftsrecht, Wahlen) und die kulturelle Integration (Medien, kulturelle Rechte).
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss das Staatsbürgerschaftsrecht und staatliche Regelungen auf die tatsächliche soziale, politische und kulturelle Eingliederung von Einwanderern haben.
Der Autor nutzt einen komparativen Ansatz zwischen Deutschland und Frankreich, gestützt auf soziologische Theorien (Marshall, Parsons, Esser) und die Auswertung empirischer Daten und Statistiken.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Blöcke: Die soziale Integration durch rechtliche Strukturen, die politische Teilhabe durch Staatsbürgerschaft sowie die kulturelle Dimension der Integration.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Integration, Assimilation, Staatsbürgerschaft, Einbürgerung, Migrationsgesellschaft und Partizipation.
Der Autor deutet darauf hin, dass das französische Schulsystem eine spätere Aufteilung in hierarchische Bildungswege vornimmt, was Einwandererkindern mehr Zeit zur Defizitverringerung bietet als das frühe, selektive System in Deutschland.
Die Schlussfolgerung der Arbeit ist, dass der bloße Besitz der Staatsbürgerschaft oft überschätzt wird; er ist zwar identitätsstiftend, löst aber nicht automatisch strukturelle Integrationsprobleme im Bildungs- oder Arbeitsmarkt.
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