Diplomarbeit, 2003
112 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Aufbau der Arbeit
3. Grundlagen des Länderrisikos
3.1 Historische Entwicklung der Länderrisikobewertung. Bei welchen Ereignissen gewann die Länderisikobewertung an Bedeutung?
3.2 Definition des Begriffs Länderrisiko
3.3 Schwierigkeiten der Länderrisikoanalyse aufgrund der Anzahl, der Vielfältigkeit und der Interdependenz der Faktoren
3.4 Politisches Risiko
3.4.1 Unterscheidung zwischen Unwilligkeit und Unfähigkeit des Staates die Schulden zurückzuzahlen
3.4.2 Definition des Begriffs politisches Risiko
3.4.3 Kosten-Nutzen-Analyse der Länder bei Schuldentilgungsentscheidungen
3.4.4 Politische Faktoren
3.5 Wirtschaftliches Risiko
3.5.1 Definition des Begriffs wirtschaftliches Risiko
3.5.2 Wirtschaftliche Faktoren
4. Bedeutung und Funktionen der Länderrisikoanalyse
4.1 Bestimmung der Kapitalvergabekonditionen
4.2 Einfluß auf den Kapitalmarktzugang und auf die Entwicklung eines Landes
4.3 Obergrenze für private Schuldner
4.4 Rechtliche Regulierung auf dem Kapitalmarkt
5. Beschreibung der Methoden der Länderrisikoanalyse
5.1 Quantitative Methoden
5.1.1 Scoring-Verfahren (Länderrating-Verfahren)
5.1.2 Statistische (ökonometrische) Verfahren
5.1.3 Statistisch-mathematische Verfahren
5.2 Qualitative Methoden
5.3 Quantitativ-qualitative Methoden
6. Internationale Rating-Agenturen, Moody’s und Standard&Poor’s
6.1 Rating-Agenturen: Moody´s und Standard&Poor’s
6.2 Abgrenzung des abgeschätzten Länderrisikos durch die Rating-Agenturen
6.3 Länderrisikofaktoren und -methoden von Moody´s und Standard&Poor´s
6.4 Darstellung der Ratingsymbole von Moody´s und Standard&Poor´s
6.5 Anforderungen an ein funktionierendes Rating
7. Theoretische Ansätze
7.1 Politikwissenschaftlicher Ansatz
7.2 Risiko- und wissenssoziologischer Ansatz
7.3 Wirtschaftswissenschaftlicher Ansatz
8. Länderrating am Beispiel zweier Länder: Thailand und Russland
8.1 Thailand
8.1.1 Die Finanzkrise von 1997: Verlauf und Ursachen
8.1.2 Vorgehen der Rating-Agenturen vor und nach der Finanzkrise
8.1.3 Einschätzung der Voraussagefähigkeit und des Informationsgehaltes der Länderratings
8.1.4 Einschätzung der Stabilisierungsfunktion der Länderratings
8.2 Russland
8.2.1 Die Finanzkrise von 1998: Verlauf und Ursachen
8.2.2 Vorgehen der Rating-Agenturen vor und nach der Finanzkrise
8.2.3 Einschätzung der Voraussagefähigkeit und des Informationsgehaltes der Länderratings
8.2.4 Einschätzung der Stabilisierungsfunktion der Länderratings
9. Leistungsfähigkeit und Grenzen der Länderratings der internationalen Rating-Agenturen
9.1 Theoretische Diskussion
9.2 Stabilisierungsfunktion der Länderratings
9.3 Informationsgehalt und Voraussagefähigkeit der Länderratings
10. Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht kritisch die Leistungsfähigkeit und die Grenzen von Länderratings der internationalen Rating-Agenturen Moody’s und Standard&Poor’s. Ziel ist es, zu analysieren, ob diese Ratings in der Lage sind, Länderrisiken verlässlich zu prognostizieren, und welche Auswirkungen falsche Einschätzungen auf die Stabilität der Kapitalmärkte haben können.
3.4.1 Unterscheidung zwischen Unwilligkeit und Unfähigkeit des Staates, die Schulden zurückzuzahlen
Bei der Bewertung des Länderrisikos wird zwischen Zahlungsfähigkeit und Zahlungsunwilligkeit eines Schuldners unterschieden. Diese Unterscheidung trifft staatliche Schuldner, da private Schuldner meistens nur Zahlungsunfähigkeit aufweisen und von der Zahlungsunwilligkeit des Staates abhängen.
Der Unterschied zwischen Zahlungsfähigkeit und –willigkeit wird folgendermaßen definiert: „Die Versuche, das Risiko der Zahlungseinstellung zu bestimmen, basieren auf zwei unterschiedlichen theoretischen Ansätzen. Ein Ansatz sieht den Grund von Zahlungseinstellungen in einer unbeabsichtigten Verschlechterung der Schuldendienstfähigkeit des kreditnehmenden Landes. Im Gegensatz dazu sieht der andere Ansatz (wenn zwar ökonomisch gesehen eine Rückzahlung möglich ist) eine Umschuldung oder eine Zahlungseinstellung als eine vom Kreditnehmer getroffene rationale Wahlhandlung, die einer Abwägung von Kosten und Nutzen der Zahlungseinstellung folgt.“ Aus den obigen Definitionen wird ersichtlich, daß Zahlungseinstellung oder die Bitte um Umschuldungen nicht nur aufgrund der Verschlechterung der ökonomischen Lage eintritt, sondern auch aufgrund des politischen Willens der Regierung eintreten kann. Diese politische Entscheidung erfolgt im Rahmen der ökonomischen Lage, die die Rückzahlung eigentlich ermöglicht. Um die Wahrscheinlichkeit solcher politischen Entscheidung einzuschätzen, werden politische Faktoren betrachtet.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Länderrisikoanalyse, deren Bedeutung für Marktteilnehmer und die Rolle von Rating-Agenturen bei strategischen Entscheidungen.
2. Aufbau der Arbeit: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und der inhaltlichen Struktur der Arbeit.
3. Grundlagen des Länderrisikos: Definition des Länderrisikobegriffs sowie Erläuterung der politischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren und deren Interdependenzen.
4. Bedeutung und Funktionen der Länderrisikoanalyse: Analyse der Auswirkungen von Ratings auf Kapitalvergabekonditionen, Kapitalmarktzugang und die Rolle als Obergrenze für private Schuldner.
5. Beschreibung der Methoden der Länderrisikoanalyse: Vorstellung und Bewertung der verschiedenen quantitativen, qualitativen und gemischten Verfahren zur Erstellung von Länderratings.
6. Internationale Rating-Agenturen, Moody’s und Standard&Poor’s: Detaillierte Betrachtung der beiden marktführenden Agenturen, ihrer Methoden, Ratingsymbole und Anforderungen an ein funktionierendes Rating.
7. Theoretische Ansätze: Diskussion der Thematik aus politikwissenschaftlicher, risiko- und wissenssoziologischer sowie wirtschaftswissenschaftlicher Sicht.
8. Länderrating am Beispiel zweier Länder: Thailand und Russland: Empirische Analyse der Finanzkrisen, des Vorgehens der Agenturen und der Voraussagefähigkeit der Ratings in diesen konkreten Fällen.
9. Leistungsfähigkeit und Grenzen der Länderratings der internationalen Rating-Agenturen: Synthese der theoretischen Diskussion und der empirischen Ergebnisse hinsichtlich der Stabilität und Informationsgehalt der Ratings.
10. Schlussfolgerung: Zusammenfassendes Urteil über die Rolle, Macht und Überwachungsnotwendigkeit der Rating-Agenturen im globalen Finanzsystem.
Länderrisiko, Länderrating, Rating-Agenturen, Moody’s, Standard&Poor’s, Finanzkrise, Zahlungsunfähigkeit, Zahlungsunwilligkeit, politisches Risiko, wirtschaftliches Risiko, Kapitalmarkt, Informationsasymmetrie, Souveränes Risiko, Bonität, Kapitalabfluss.
Die Diplomarbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen der Länderrisikoanalyse durch die internationalen Rating-Agenturen Moody’s und Standard&Poor’s.
Die Themen umfassen die Definition des Länderrisikos, die methodischen Ansätze zur Bewertung, die Rolle der Rating-Agenturen auf globalen Kapitalmärkten sowie eine kritische Hinterfragung ihrer Vorhersagefähigkeit.
Es soll beantwortet werden, ob Rating-Agenturen aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit und Rolle geeignet sind, Länderrisiken zu prognostizieren, und wie sie zur Stabilität oder Destabilisierung von Kapitalmärkten beitragen.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischen Ansätzen (politikwissenschaftlich, soziologisch, ökonomisch) und einer praktischen, empirischen Untersuchung anhand der Finanzkrisen in Thailand (1997) und Russland (1998).
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Länderrisikos, die methodische Beschreibung der Ratingerstellung, die Analyse der beiden Agenturen Moody’s und S&P sowie den detaillierten Vergleich der Länderbeispiele Thailand und Russland.
Die Kernbegriffe sind Länderrisiko, Rating-Agenturen, Finanzkrise, Zahlungsunfähigkeit, Kapitalmarkt, Informationsasymmetrie und Bonitätsbewertung.
Die Unterscheidung ist zentral, da ein Staat selbst bei ausreichenden Ressourcen die Rückzahlung politisch verweigern kann („Unwilligkeit“), während eine „Unfähigkeit“ auf einem objektiven Mangel an finanziellen Mitteln basiert.
Sie betonen ihre Funktion als „Information gathering agencies“, die relative Risiken im Vergleich ordnen, lehnen jedoch die Verantwortung für absolute Marktprognosen oder Kaufempfehlungen explizit ab.
Dies beschreibt die Beobachtung, dass Rating-Agenturen ohne staatliches Mandat eine immense Autorität auf den Finanzmärkten ausüben und faktisch Regeln für das Verhalten globaler Akteure setzen.
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