Bachelorarbeit, 2002
32 Seiten, Note: 2,3
1 Einführung - die Normalbiografie des ostdeutschen Jugendlichen
2 Der Sozialisationsbegriff
2.1 Der Sozialisationsbegriff im Marxismus-Leninismus
3 Staatliche Sozialisationsinstanzen in der DDR - der Staat als Erziehungsberechtigter?
3.1 Die Vorschulische Erziehung in Krippe und Kindergarten
3.2 Das Schulsystem der DDR
3.3 Berufsfindung in einer Planwirtschaft
3.3 Hochschule im Sozialismus
4 Freizeit oder Teilzeit? Cliquen und Jugendorganisationen in der DDR
4.1 Die Jugendorganisationen der DDR
4.2 Formalisierung und Symbolisierung in den Jugendorganisationen
4.3 Jugendclubs als Grauzone zwischen Privatheit und Öffentlichkeit
5 Heimatland DDR - Mentalitätsentwicklung und nationale Identität
5.1 Identifikation mit der DDR im Allgemeinen
5.2 Identifikation mit dem Marxismus-Leninismus im Speziellen
6 Resümee - Sozialisationsziele und Erfolge
Diese Arbeit untersucht die staatlichen Sozialisationsinstanzen in der DDR und deren Einfluss auf die Mentalitätsentwicklung Jugendlicher. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die staatlich geforderte Identifikation mit dem Marxismus-Leninismus tatsächlich verinnerlicht wurde oder ob eine Distanzierung zum System stattfand.
3.1 Die vorschulische Erziehung in Krippe und Kindergarten
Als erste staatliche Sozialisationsinstanz fungierte in der DDR die Kinderkrippe, in der Säuglinge in den ersten Lebenswochen bis dreijährige Kleinkinder betreut wurden. Begleitet von dem vor allem in westdeutschen Medien vielzitierten Vorwurf, dass ein Großteil der elterlichen Erziehungspflichten an den Staat abgegeben wurde, befanden sich 95 Prozent der Kinder ab dem zweiten Lebensjahr überwiegend ganztägig in einer Krippe (vgl. Wensierski 1994: 50). Im Jahre 1989 besuchten 94 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen den Kindergarten (vgl. Trommsdorff 1996: 52). In einer Gesellschaft, „die auf die Mitarbeit der Frauen in der Volkswirtschaft angewiesen war“ (ebd.: 176) und in der im Jahre 1990 „mehr als 90% der Frauen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren berufstätig“ waren (ebd.: 177), kann die vorschulische Betreuung lediglich als eine an die Eltern gerichtete Entlastung durch den Fürsorgestaat DDR verstanden werden.
Auffällig ist hierbei eine besonders frühe Vermittlung bereits komplexer ideologischer Grundwerte in der Phase der primären Sozialisation. Statt dem Erlernen dieser Werte steht hier aufgrund des jungen Alters der Sozialisanden die distanzlose und unkritische Internalisierung im Vordergrund. Allerdings bleibt die Umsetzung dieser Erziehungsziele in der Praxis schwer vorstellbar, klingen sie doch wenig altersgerecht.
1 Einführung - die Normalbiografie des ostdeutschen Jugendlichen: Dieses Kapitel erläutert die staatlichen Anforderungen an die "sozialistische Persönlichkeit" und definiert die untersuchte Altersspanne sowie das Untersuchungsvorhaben.
2 Der Sozialisationsbegriff: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Sozialisation gemäß der klassischen Soziologie dargelegt und in den marxistisch-leninistischen Kontext übertragen.
3 Staatliche Sozialisationsinstanzen in der DDR - der Staat als Erziehungsberechtigter?: Dieses Kapitel analysiert das Erziehungssystem von der Krippe über die Schule bis hin zur Hochschule und deren ideologischen Anspruch.
4 Freizeit oder Teilzeit? Cliquen und Jugendorganisationen in der DDR: Der Fokus liegt auf der Rolle von Jugendverbänden wie der FDJ und dem Versuch, auch die private Freizeitgestaltung politisch zu kontrollieren.
5 Heimatland DDR - Mentalitätsentwicklung und nationale Identität: Hier wird anhand empirischer Daten untersucht, wie sich die Identifikation der Jugendlichen mit dem Staat und seiner Ideologie über die Zeit verändert hat.
6 Resümee - Sozialisationsziele und Erfolge: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die Reichweite der sozialistischen Erziehungsziele und den tatsächlichen Erfolg der politischen Sozialisation.
DDR, Jugend, Sozialisation, Sozialistische Persönlichkeit, FDJ, Marxismus-Leninismus, Mentalität, Erziehung, Identifikation, Planwirtschaft, Politisierung, Alltagsschizophrenie, Bildungssystem, Jugendweihe, DDR-Geschichte.
Die Arbeit untersucht die politische Sozialisation von Jugendlichen in der DDR, also wie der Staat versuchte, junge Menschen im Sinne seiner Ideologie zu formen.
Die Schwerpunkte liegen auf den staatlichen Erziehungsinstanzen (Krippe, Schule, Hochschule), den Jugendorganisationen (insb. FDJ) sowie der Entwicklung der Mentalität und nationalen Identität der Jugendlichen.
Das Ziel ist es, zu bewerten, inwieweit die staatliche Forderung nach einer "sozialistischen Persönlichkeit" tatsächlich umgesetzt wurde und ob die Jugendlichen eine kritische Distanz zum System entwickelten.
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien, insbesondere des Zentralinstituts für Jugendforschung (ZIJ) zu DDR-Zeiten.
Der Hauptteil analysiert, wie staatliche Vorgaben in den verschiedenen Bildungsphasen und in der Freizeitgestaltung durchgesetzt wurden und wie die Jugendlichen darauf reagierten.
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, DDR-Bildungssystem, FDJ, marxistisch-leninistische Ideologie und Mentalitätswandel.
Ja, laut Arbeit beschreibt dieser Begriff das Phänomen, dass Jugendliche in der Öffentlichkeit systemkonform auftraten, während sie im privaten Kreis eine kritische oder abweichende Haltung einnahmen.
Eine Mitgliedschaft war oft die Voraussetzung für den Zugang zu weiterführenden Bildungswegen oder Freizeitangeboten, wurde jedoch von vielen Jugendlichen eher als formelle Pflichtübung wahrgenommen.
Die übermäßige Politisierung und die Abstraktion der Ideologie führten bei vielen Jugendlichen zu einer Übersättigung und letztlich zu einer Entfremdung vom politischen System.
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