Magisterarbeit, 2005
75 Seiten, Note: Sehr gut
1 BEGEGNUNG MIT DER MACHT: ZU EINER POLITISCHEN SIGNIFIKATION DER OBERFLÄCHE
2 OBERFLÄCHEN DES POLITISCHEN: ‚DIE WEISE VON LIEBE UND TOD DES CORNETS CHRISTOPH RILKE’
2.1 SEHNSÜCHTE
2.1.1 Abwesende Heimat
2.1.2 Abwesende Frauen
2.1.3 Abwesende Männer
2.2 AHNUNGEN
2.2.1 Poesie und Andacht
2.2.2 Frauenopfer I
2.2.3 Männerbund und Poetologie des Abendmahls
2.3 SCHÖPFUNGSGESCHICHTEN
2.3.1 „Cornet!“
2.3.2 „Mann!“/Frauenopfer II
2.4 EIN GEMALTER BRIEF
2.5 ENTSCHEIDUNGEN
2.5.1 Weibliche Feste und männliche Träume
2.5.2 Investitur/Devestitur
2.5.3 Frauenopfer III
2.5.4 Fahne: Fetisch und leerer Signifikant
2.5.5 Krieg und Gartenpartys
3 UNBEGRIFFLICHKEIT UND MACHT
Die Arbeit untersucht, wie in Rilkes Prosagedicht „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ politische Identität durch ästhetische Praktiken und Oberflächensignifikationen konstituiert wird. Dabei wird die These verfolgt, dass sich ästhetische und politische Paradigmen bei Rilke nicht trennen lassen, sondern als wechselseitige Imaginationen fungieren, die aus der materiellen Präsenz von Zeichen ihre Autorität beziehen.
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke
Rast! Einmal wieder ruhen. Träumen von den heimischen Truhen und sich ruhig im Grase dehnen und das Sehnen und Kühlewähnen der verrauschenden Lichtfontänen nicht mehr senden in alle Welt. […] Brand! Und er klirrt an der Glätte. Über die Kette der Minarette flackt schon Geknatter. Weiße Wände heben die Hand. Aber ein satter Nachtgevatter ist ohne Blende über die niederen Nelken geneigt. Schweigt. Lüsterne Flüsse ahnen allen Bestatter. Der von Langenau bricht – und das Licht ist das Tor – vom Gesicht aus der Nacht durch die Wacht in den Chor und sendet flatternder Fahnen Gewicht hell heiß aus den brechenden Brettern hervor. Verwirrt das Gehöft. Durchklirrt die Gefahr und schirrt seine Stute. Und der ganzen staunenden Mädchenschar – ihr girrt noch geblufft über Tag und Jahr der Rilkesche Rhythmus im Blute.
1 BEGEGNUNG MIT DER MACHT: ZU EINER POLITISCHEN SIGNIFIKATION DER OBERFLÄCHE: Das Kapitel analysiert Rilkes Briefe als Ausgangspunkt für die Frage, wie politische Identität durch ästhetische Imagination und materielle Symbole erzeugt wird.
2 OBERFLÄCHEN DES POLITISCHEN: ‚DIE WEISE VON LIEBE UND TOD DES CORNETS CHRISTOPH RILKE’: Dieses Hauptkapitel untersucht, wie das Prosagedicht durch das Abwesenheitsparadigma und spezifische Motivik (Heimat, Frauen, Männer) eine kollektive politische Identität stiftet.
3 UNBEGRIFFLICHKEIT UND MACHT: Das Fazit fasst zusammen, dass politische Macht als unbegreifliches Phänomen auf ästhetische Praktiken der Oberflächensignifikation angewiesen ist, um für das Kollektiv erfahrbar und institutionalisierbar zu werden.
Rainer Maria Rilke, Cornet, Politische Imagination, Ästhetik, Macht, Identitätsfindung, Männerbund, Oberflächensignifikation, Frauenopfer, Symbolik, Literaturwissenschaft, Moderne, Politische Identität, Materialität, Signifikant
Die Arbeit untersucht das Wechselverhältnis von Ästhetik und Politik in Rilkes Frühwerk, insbesondere im „Cornet“, und analysiert, wie politische Identität imaginiert und symbolisch verankert wird.
Im Zentrum stehen die Konstituierung kollektiver Identität, die Rolle von Geschlechterrollen in männerbündischen Strukturen, die Funktion von Riten und die Bedeutung der materiellen Oberfläche bei der Sinnstiftung.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass politische Sinnstiftung bei Rilke untrennbar mit einer poetologischen „Praxis der Oberfläche“ verbunden ist, in der das symbolische Objekt (z.B. die Fahne) die Lücke transzendenter Sinnhaftigkeit füllt.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftlich orientierte literaturwissenschaftliche Analyse, die unter anderem Konzepte von Carl Schmitt, Ernesto Laclau und die Psychoanalyse (Freud) zur Deutung der Textstrukturen heranzieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine genaue Lektüre des Textes, wobei Themen wie Sehnsüchte, die Funktion von Frauenopfern, die Bedeutung der Fahne als Fetisch und die „Schöpfungsgeschichten“ der Identität detailliert nachgezeichnet werden.
Wichtige Begriffe sind Politische Imagination, Oberflächensignifikation, Männerbund, Frauenopfer, leere Signifikanten und ästhetische Praxis.
Die Fahne fungiert als zentrales Symbol und „leerer Signifikant“, der die männliche Identität stiftet und als fetischistisches Ersatzobjekt für reale (abwesende) Bezugspunkte wie die Mutter oder die Geliebte dient.
Das Frauenopfer dient im Text als notwendiges Instrument, um die Einheit und Stabilität des Männerbundes zu gewährleisten, indem erotische Ansprüche auf den natürlichen Körper durch ein symbolisches Opfer ausgeschlossen werden.
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