Examensarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Dichtung und Wahrheit
II.1 Autobiographisches Material in Bernhards Werk
II.2 Erinnerung als „Selbsterlebensbeschreibung“
II.3 Von der „Ursache“ zum „Kind“
III. „Jedes Wort ein Treffer, jedes Kapitel eine Weltanklage, und alles zusammen eine totale Weltrevolution bis zur totalen Auslöschung“
IV. Absurdität des Daseins
V. Lachen, Weinen, Brüllen, Kopfschütteln - oder alles auf einmal: Komik und Groteske in Bernhards Kindheits -und Jugenderinnerungen
VI. Schweigen oder „Herr Bernhard, wir danken Ihnen für das ultimative Gespräch“
VII. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die autobiographischen Schriften von Thomas Bernhard nicht als bloßen Kommentar zu seinem Gesamtwerk, sondern analysiert sie als eigenständige literarische Gattung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Autor durch spezifische Erzähltechniken, eine radikale Sprachgestaltung und die permanente Reflexion über Wahrheit, Fiktionalität und Existenz sein eigenes Leben zu einem literarischen Konstrukt verdichtet und sich so der starren Kategorisierung entzieht.
Die Herausforderung der Interpretation von Bernhards Prosa
Bernhards Prosa versperrt sich in weiten Teilen geradezu einer Interpretation, - wegen jener den Leser immer wieder in die Irre führenden und ihn narrenden Grenzverwischung zwischen Fiktionalität und Authentitzität, zwischen reiner Funktionalität der Protagonisten als Rolle oder Transportmittel für Reflexionen und ihrer Konzeption als in sich selbst gefangene Subjekte, die kaum handelnd - nur redend, beschreibend, nachdenkend agieren.
Wagt man es dennoch, nimmt es sich nicht häufig wie eine Abfolge vergeblichster Aktionen aus, zunächst die schwere Tür zu einer tief in einem Salzstock gelegenen Schatzkammer zu öffnen, in der jeder einzelne Text Bernhards in einem eigenen Schatzkästchen verwahrt liegt, um dann an einem gigantischen Schlüsselbund mit Tausenden von Schlüsseln den einen passenden zu finden, mit dem sich jenes eine gewünschte Schatzkästchen öffnen ließe, in welches der Autor seinen Text einzeln, bewusst und akribisch verschlossen, - und noch dazu bereits beim Schreiben so verschlüsselt hat, dass nur ein geklontes Bernhard-Gehirn je einmal in die Lage käme, das Verfasste zu entschlüsseln?
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Interpretation von Bernhards Werk ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die autobiographischen Schriften als eigenständige literarische Gattung zu untersuchen.
II. Dichtung und Wahrheit: Hier wird das autobiographische Material in Bernhards Werk sowie die konzeptionelle Entwicklung von den Kindheits- bis zu den Jugenderinnerungen beleuchtet.
II.1 Autobiographisches Material in Bernhards Werk: Dieses Unterkapitel analysiert den Einsatz von autobiographischen Spurenelementen in verschiedenen Prosaarbeiten des Autors.
II.2 Erinnerung als „Selbsterlebensbeschreibung“: Dieser Abschnitt thematisiert das schriftstellerische Selbstverständnis im Kontext von Erinnerung und Wahrheit.
II.3 Von der „Ursache“ zum „Kind“: Der Autor beschreibt hier die inhaltliche und konzeptionelle Entwicklungstendenz innerhalb der Kindheits- und Jugenderinnerungen.
III. „Jedes Wort ein Treffer, jedes Kapitel eine Weltanklage, und alles zusammen eine totale Weltrevolution bis zur totalen Auslöschung“: Analyse der spezifischen Stilmittel, der Syntax und Rhetorik, die Bernhards autobiographische Schriften prägen.
IV. Absurdität des Daseins: Untersuchung der Ich-Findung und der zugrunde liegenden Existenzanalyse in Bernhards Texten.
V. Lachen, Weinen, Brüllen, Kopfschütteln - oder alles auf einmal: Komik und Groteske in Bernhards Kindheits -und Jugenderinnerungen: Dieses Kapitel widmet sich der Funktion von Komik und Groteske in den Kindheits- und Jugenderinnerungen.
VI. Schweigen oder „Herr Bernhard, wir danken Ihnen für das ultimative Gespräch“: Ein posthum geführtes fiktives Interview reflektiert Bernhards Sicht auf Leben, Werk und Medienbetrieb.
VII. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse hinsichtlich der literarischen Qualität und der Identitätsfindung innerhalb der autobiographischen Schriften.
Thomas Bernhard, Autobiographie, Fiktionalität, Identitätsfindung, Sprachskepsis, Erzähltechnik, Groteske, Existenzanalyse, Selbsterlebensbeschreibung, Literaturwissenschaft, Wahrheit, Lüge, Erinnerung, Ausnahmezustand, Werk-Analyse.
Die Arbeit befasst sich mit den autobiographischen Schriften von Thomas Bernhard und hinterfragt deren Gattungszugehörigkeit sowie die narrative Gestaltung der Lebensgeschichte.
Zentrale Themen sind die Sprachskepsis, die Ambivalenz zwischen Wahrheit und Lüge im autobiographischen Schreiben sowie der Prozess der Identitätsfindung des Protagonisten.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bernhard seine Autobiographie als literarisches Konstrukt gestaltet, in dem Realität und Fiktion permanent miteinander verschmelzen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Erzählverfahren, Rhetorik und die philosophischen Kontexte der behandelten Texte untersucht.
Der Hauptteil analysiert die stilistischen Mittel (z.B. Tiraden), die Rolle von Komik und Groteske sowie die philosophische Auseinandersetzung mit der Absurdität des Daseins.
Wichtige Begriffe sind Selbstfindung, Autentizität, Fiktionalisierung, Existenzanalyse, Erinnerungswerk und Sprachreflexion.
Bernhard verdeutlicht durch seinen Erzähler, dass absolute Wahrheit nicht mitteilbar ist und das autobiographische Schreiben stets ein Akt der subjektiven Formgebung bleibt.
Der Großvater fungiert als ambivalente Mentorfigur, deren Lehrsätze den Protagonisten sowohl prägen als auch im späteren Verlauf zu einer bewussten Abnabelung führen.
Während die frühen Romane oft im Scheitern und Ich-Zerfall enden, zeigen die Jugenderinnerungen eine prozesshafte Entwicklung, die trotz aller Krisen eine Form der Selbstbehauptung ermöglicht.
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