Examensarbeit, 2004
93 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
Erster Teil
»Was sind Worte!«
Das Buch „Schlafes Bruder“
1.1 Einleitende Gedanken zum Roman
1.1.1 Warum „Schlafes Bruder“?
1.1.2 Eine kurze Rezeptionsgeschichte
1.1.3 Zu Inhalt und Figurenkonstellation
1.2 Die Leitmotive
1.2.1 Das Motiv „Stein“
1.2.2 Das Motiv „Feuer“
1.2.3 Das Motiv „Wasser“
1.2.4 Das Motiv „Dorf“
1.2.5 Sprachlosigkeit vs. Schreien
1.2.6 Liebe vs. Musik
1.2.7 Liebe vs. Tod
1.2.8 Verschiedene Lesarten
1.2.9 Die Frage der „Schuld“ an einer gescheiterten Existenz
1.3 Das Spiel mit der Sprache als Hauptsache eines literarischen Textes
1.3.1 Möglichkeiten, Wirkungen und Grenzen der Sprache in ‚Schlafes Bruder’
1.3.2 Das Verhältnis von Erzähler und Erzählung
1.3.3 Das Verhältnis vom Erzähler zum Leser
1.3.4 Das Verhältnis vom Leser zur Erzählung
Zweiter Teil
»Er sah das Tönen.«
Die Verwandlung des Buches in einen Kinofilm
2.1 Allgemeine Gedanken zur Literaturverfilmung
2.1.1 Von der Intertextualität zur Intermedialität
2.1.2 Die Intermedialitätsformel
2.1.3 Es gibt keine Literaturverfilmung! Über die Berechtigung des Begriffs
2.1.4 Thesen zur Verfilmbarkeit von Literatur
2.2 Der Vilsmaier-Film »Schlafes Bruder«
2.2.1 Allgemeine Informationen zum Film
2.2.2 Die Erkennung des Genotextes
2.2.3 Die Umsetzung des Genotextes im Film
2.3 Analyse einzelner Szenen
2.3.1 Intermediale Bedienungsanleitung
2.3.2 Die Dorfkulisse und Personen
2.3.3 Die Taufe
2.3.4 Das Hörwunder
2.3.5 Elias’ vergeistigte Liebe
2.3.6 Die Doppelszene
2.3.7 Die Reaktion der Eschberger Bürger
2.3.8 Dialoge anstatt Sprachlosigkeit
2.4 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ und der gleichnamigen Verfilmung von Joseph Vilsmaier unter dem Fokus der Intermedialität. Ziel ist es, durch die Entwicklung einer spezifischen „Intermedialitätsformel“ die Möglichkeiten und Grenzen der Transformation eines literarischen Werkes in das Medium Film zu analysieren, wobei die Abhängigkeit des Films von seiner literarischen Vorlage und die Herausforderung der adäquaten Umsetzung medien-spezifischer Inhalte im Vordergrund stehen.
1.1.1 Warum „Schlafes Bruder“?
Der Roman Schlafes Bruder ist aus verschiedenen Gründen hervorragend dazu geeignet, exemplarisch zur Verdeutlichung der in dieser Arbeit vorgestellten Denkansätze zum Verhältnis von einem Roman und seiner Verfilmung herangezogen zu werden.
Aus rein pragmatischen Erwägungen heraus steht der Roman bereits ganz oben auf der Liste der möglichen Titel – er ist eine außerordentlich erfolgreiche Neuerscheinung der neunziger Jahre und er ist verfilmt worden. Das allein würde selbstverständlich nicht ausreichen. Darüber hinaus stellt das Buch durch seine komplexe Erzählstruktur, die vielschichtigen Lesarten, die möglich sind, das virtuose Spiel mit der Sprache, der extravaganten Beziehung des Erzählers zu seiner Erzählung und zum Leser sehr hohe Anforderungen bei der Konvertierung des Stoffes in ein anderes Medium und es stellt sich die Frage, ob diese Anforderungen nicht eine zu hohe Hürde darstellen.
Auch der Film selbst drängt sich förmlich auf für eine Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Text und bewegtem Bild. Die für deutsche Verhältnisse extrem aufwändige Produktion, der hohe Werbeaufwand, der namhafte Regisseur und die gute Besetzung lassen – noch unabhängig von der Einschätzung der Qualität des Films –den Schluss zu, dass hier ein Kunstwerk entstanden ist, das zumindest von seinen Rahmenbedingungen her überhaupt eine Chance hat, einem Vergleich mit einem unbestritten guten Buch standhalten zu können; eine Chance, die eine drittklassige, lediglich auf schnellen Kommerz ausgelegte Produktion sicherlich von Anfang an nicht hätte.
1.1 Einleitende Gedanken zum Roman: Einführung in die Eignung des Romans für die Untersuchung sowie eine Begründung für die Auswahl der Vilsmaier-Verfilmung als Praxisbeispiel.
1.2 Die Leitmotive: Detaillierte Analyse der zentralen Symbole wie Stein, Feuer und Wasser sowie der thematischen Gegensatzpaare, die das erzählerische Grundgerüst bilden.
1.3 Das Spiel mit der Sprache als Hauptsache eines literarischen Textes: Untersuchung der sprachlichen Besonderheiten Schneiders und der ambivalenten Rolle des Erzählers und dessen Beziehung zum Leser.
2.1 Allgemeine Gedanken zur Literaturverfilmung: Theoretische Auseinandersetzung mit Intertextualität, Intermedialität und der Entwicklung einer spezifischen methodischen Formel zur Untersuchung von Verfilmungen.
2.2 Der Vilsmaier-Film »Schlafes Bruder«: Anwendung der theoretischen Formel auf den konkreten Film, inklusive allgemeiner Hintergrundinformationen und einer Einschätzung des Transformationsprozesses.
2.3 Analyse einzelner Szenen: Exemplarische Untersuchung spezifischer Schlüsselszenen, um den Erfolg der filmischen Interpretation in Bezug auf den Genotext zu verifizieren.
2.4 Zusammenfassung: Abschließende Evaluation der Ergebnisse, die den Film als kinotechnisch beeindruckend, aber als Literaturverfilmung als unbefriedigend bewertet.
Schlafes Bruder, Robert Schneider, Literaturverfilmung, Intermedialität, Joseph Vilsmaier, Leitmotive, Erzählstruktur, Sprachlosigkeit, Genotext, Phänotext, Transformation, Roman, Kinofilm, Erzählerfigur, Intertextualität
Die Hausarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Literatur und Film anhand von Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ und dessen Adaption durch Joseph Vilsmaier, wobei ein besonderer Fokus auf dem Prozess der medialen Transformation liegt.
Im Zentrum stehen die Analyse der Leitmotive und der Sprachgewalt des Romans sowie die theoretische Fundierung des Intermedialitätsbegriffs zur Bewertung der filmischen Umsetzung.
Die zentrale Fragestellung ist, wie ein Roman in einen Film „übersetzt“ wird, ob dabei eine Hierarchie besteht und welche Kriterien eine „gelungene“ Literaturverfilmung ausmachen.
Der Autor nutzt eine strukturanalytische Methode, die auf einem von ihm entwickelten Intermedialitätsmodell basiert, um den zweifachen Medienwechsel vom Roman zum Film und zurück zur Analyse zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Deutung der literarischen Motive und Sprachkunst sowie eine anschließende intermediale Analyse spezifischer Szenen des Films im Vergleich zur Vorlage.
Wichtige Begriffe sind Genotext, Phänotext, Intermedialität, Erzählerfigur, Sprachlosigkeit und die kritische Hinterfragung des Begriffs „Literaturverfilmung“.
Der Erzähler ist im Roman eine komplexe Instanz, die den Leser steuert und das Scheitern des Protagonisten mit moralischen Kategorien verknüpft; sein Fehlen im Film wird als ein Hauptgrund für die strukturelle Schwäche der Verfilmung identifiziert.
Während er den Film als handwerklich aufwändiges und beeindruckendes Kinowerk anerkennt, beurteilt er ihn aus der spezifischen Perspektive der Literaturverfilmung als unbefriedigend, da der Film die komplexe Vielschichtigkeit der Vorlage zugunsten einer linearen Erzählweise opfert.
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