Magisterarbeit, 2004
116 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Einführung
2.1 „Tauben im Gras“ im Rahmen des Gesamtwerks
2.2 Der historische Hintergrund – ein Abriss
3. Stilmittel und Erzählstruktur im Überblick
4. Schwierigkeiten bei der Bewältigung einer destabilisierten Gegenwart
4.1 Angst
4.1.1 Kriegsangst und die Rolle der 'Seher'
4.1.2 Individuelle Ängste
4.1.3 Vereinzelung und soziale Angst
4.2 Soziale Defizite
4.2.1 Paarbeziehungen
4.2.1.1 Philipp und Emilia
4.2.1.2 Christopher und Henriette Gallagher
4.2.1.3 Washington Price und Carla
4.2.1.4 Herr Behrend und Vlasta
4.2.1.5 Odysseus Cotton und Susanne
4.2.2 Familienbeziehungen
4.2.2.1 Kontinuität
4.2.2.2 Carla und Heinz
4.2.2.3 Ezra Gallagher
4.2.2.4 Hillegonda
4.2.3 Kommunikation
4.3 Mühsame Suche nach Orientierung und Lebensglück
4.3.1 Weltbilder
4.3.1.1 Amerikanische Weltbilder
4.3.1.2 Christlich-humanistisches Weltbild
4.3.1.3 Die Bedeutung von Kunst und Literatur
4.3.1.4 Wissenschaftliches Weltbild
4.3.1.5 Religion
4.3.1.6 Kontinuität – Unverändertes Weltbild
4.3.2 Persönliches Glück
4.3.2.1 Carla
4.3.2.2 Tochter der Hausbesorgerin
4.3.2.3 Fräulein
4.3.2.4 Emilia
4.3.2.5 Susanne
4.3.2.6 Henriette Gallagher
4.3.2.7 Messalina und Alexander
4.3.3 Psychoanalyse und Psychotherapie
4.4 Kontingenz und Sinnlosigkeit
4.4.1 Titel „Tauben im Gras“
4.4.2 Geschichtsverständnis
5. Schluss
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Schwierigkeiten von Individuen, eine durch den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit destabilisierte Gegenwart zu bewältigen. Sie untersucht, wie sich gesellschaftliche Umbrüche, Ängste und die Suche nach Sinn an den Romanfiguren manifestieren und warum der Versuch einer konstruktiven Lebensbewältigung scheitert.
4.1.1 Kriegsangst und die Rolle der 'Seher'
Das erste und das letzte Erzählsegment fungieren als Rahmen des Romans, der die Situation und die Atmosphäre verdeutlicht und dabei explizit auf die Bedrohung durch einen neuen Krieg eingeht. Die Steigerung dieser Bedrohung während des Romanverlaufs, dessen erzählte Zeit nur etwa 18 Stunden umfasst – vom Läuten zur Frühmesse (II 14) bis Mitternacht (II 218) –, ist im Vergleich beider Abschnitte unübersehbar.
Die Kriegsangst als wichtige kollektive Befindlichkeit der Zeit speist sich aus dem Gefühl, in einem „Spannungsfeld“ (II 11) zu leben, in einer geopolitisch besonders prekären Lage eines geteilten Deutschlands in „östliche Welt, westliche Welt, man lebte an der Nahtstelle, vielleicht an der Bruchstelle“ (II 11). Dieses Gefühl wird verstärkt durch den Eindruck, dass die Gegenwart nicht mehr als eine „Atempause auf dem Schlachtfeld“ (II 11) ist, ein Krieg wie in Korea, einem ebenfalls geteilten Land, möglicherweise kurz bevorsteht und sich ein solcher aufgrund des Ost-West-Konflikts erneut zu einem Weltkrieg entwickeln könnte.
Die mentale Bereitschaft für einen neuerlichen Krieg fehlt größtenteils, „man hatte noch nicht richtig Atem geholt“ (II 11), die im persönlichen Bereich erlittenen Verluste und einschneidenden Lebensveränderungen noch nicht bewältigt. Trotzdem wird bereits für den nächsten Krieg gerüstet; das „verteuerte das Leben“ und „schränkte die Freude ein“ (II 11).
Die Medien verkünden, täglich neu, heraufziehendes Unheil und tragen mit teils bedrohlichen, teils Hilflosigkeit und Verzweiflung andeutenden Schlagzeilen, im Roman auffällig durch typographische Hervorhebung, zur weiteren Verängstigung der Menschen bei.
1. Einleitung: Zusammenfassung der pessimistischen Momentaufnahme der frühen Bundesrepublik in Koeppens Roman.
2. Einführung: Einordnung des Romans in Koeppens Gesamtwerk und Abriss der historischen Ausgangslage.
3. Stilmittel und Erzählstruktur im Überblick: Analyse der Montagetechnik und des multiperspektivischen Erzählens als Mittel zur Darstellung der zeitgenössischen Realität.
4. Schwierigkeiten bei der Bewältigung einer destabilisierten Gegenwart: Hauptteil, der die durch Krieg und Umbruch entstandenen psychischen und sozialen Defizite, die Suche nach Orientierung und die Erfahrung von Kontingenz analysiert.
5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse: Scheitern aller Bewältigungsversuche und die düstere Weltsicht des Autors.
Wolfgang Koeppen, Tauben im Gras, Nachkriegsliteratur, Bundesrepublik Deutschland, Existentialismus, Angst, soziale Isolation, Sinnlosigkeit, Kontingenz, Geschichtsverständnis, Orientierungslosigkeit, Paar- und Familienbeziehungen, Zeitkritik.
Die Arbeit untersucht, wie die Romanfiguren in Koeppens „Tauben im Gras“ versuchen, in einer als unsicher und destabilisiert empfundenen Nachkriegszeit Halt zu finden und ihre Lebensprobleme zu bewältigen.
Zu den Schwerpunkten zählen das kollektive und individuelle Gefühl der Angst, soziale Defizite innerhalb von Beziehungen, das Suchen nach Orientierung durch verschiedene Weltbilder und die Erfahrung von Sinnlosigkeit.
Das Ziel ist es, die spezifischen Schwierigkeiten der Figuren bei der Bewältigung der destabilisierten Gegenwart herauszuarbeiten und aufzuzeigen, warum jedweder Ansatz zur konstruktiven Lösung dieser Probleme scheitert.
Die Arbeit entwickelt eine literarische Interpretation und bleibt dabei konsequent werkimmanent. Soziologische oder sozialpsychologische Theorien werden nicht direkt angewendet, sondern auf literarischer Ebene integriert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Grundgefühls der Angst, die Analyse sozialer Defizite in Paar- und Familienkontexten, die Suche nach Werten und Sinn sowie die Konfrontation der Figuren mit Kontingenz und Geschichtsverlust.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Angst, Sinnlosigkeit, Nachkriegsliteratur, soziale Isolation und das Scheitern von Lebensentwürfen.
Die Arbeit identifiziert Politiker und Medien als jene 'Auguren', die die Katastrophen herbeireden und die Bevölkerung durch ihre Weissagungen und Propaganda in ihrer Orientierungslosigkeit weiter verunsichern.
Die 'Wand aus Glas' ist ein zentrales Bild für die fundamentale Unfähigkeit der Figuren, wirklich miteinander zu kommunizieren und sich emotional zu öffnen, was zu ihrer fortwährenden Isolation führt.
Das Scheitern ist auf tiefe soziale Defizite, fehlende Kommunikation, Misstrauen und die Überlagerung durch existenzielle Ängste und materielle Sorgen zurückzuführen, die echte menschliche Nähe unmöglich machen.
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