Examensarbeit, 2004
110 Seiten, Note: Sehr Gut
1. Einleitung
1.1. Intentionen und Fragestellung
1.2. Methodisches Vorgehen
2. Der Einheitsschulentwurf der Hamburger Schulbehörde: Die ‚Allgemeine Volksschule’
3. Schulraumnot, Lehrermangel, Hunger und Obdachlosigkeit: Die richtige Zeit für eine Schulreform? - Hamburgs Schulwesen nach 1945
4. Die Hamburger Schulreform von 1949 im Meinungsstreit
4.1. Die Entwicklung und Beratung des Gesetzentwurfes in der Schulbehörde
4.1.1. Die Versammlung der Schulaufsichtsbeamten
4.1.2. Die Schuldeputation
4.2. Die Schulreform in der Kritik öffentlicher Verbände und Institutionen
4.2.1. Der Streit in der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens – Der schulpolitische / pädagogische Ausschuss und die Fachschaft höhere Schulen
4.2.2. Die Elternschaft
4.2.3. Die Universität Hamburg
4.2.4. Hamburger Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände
4.2.5. Die Kirchen
4.2.6. Andere Verbände
4.3. Schulpolitische Positionen der Parteien in der Hamburger Bürgerschaft
4.3.1. Die Christlich Demokratische Union (CDU)
4.3.2. Die Freie Demokratische Partei (FDP)
4.3.3. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
4.3.4. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
5. Der Wahlsieg des ‚Hamburg-Blocks’ 1953 – Restauration im Schulwesen?
5.1. Die Phase vor der Wahl und der Wahlkampf im Oktober 1953
5.2. Die Wiedereinführung der vierjährigen Grundschule - Das ‚Gesetz zur Ergänzung des Gesetzes über das Schulwesen der Hansestadt Hamburg vom 25. Oktober 1949’
5.2.1. Die Richtungsentscheidung nach der Wahl
5.2.2. Verhandlungen in der Deputation der Schulbehörde
5.2.3. Diskussion und Entscheidung über das Schulergänzungsgesetz in der Bürgerschaft
5.2.3.1. Die ablehnende Haltung der SPD und die Rechtfertigung des HB
5.2.3.2. Der Verlauf der Lesungen und die Abstimmung
5.3. Die Beurteilung des Ergänzungsgesetzes in der Hamburger Presse
6. Schluss: Zusammenfassung und Erkenntnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Hamburger Schulreform zwischen 1949 und 1954. Das Hauptziel besteht darin, die Gründe für die Einführung der Einheitsschulidee durch die SPD 1949 sowie deren spätere Rückgängigmachung durch den sogenannten „Hamburg-Block“ nach dem Regierungswechsel 1953 zu analysieren.
2. Der Einheitsschulentwurf der Hamburger Schulbehörde: Die ‚Allgemeine Volksschule’
Die Protagonisten einer Schulreform argumentierten auf verschiedene Weise für den Systemwechsel in der Schule. Vier Punkte können herausgearbeitet werden. Oberschulrat Schröder ging in der Denkschrift der Schulbehörde von 1949 auf diese Punkte ein. Dabei wandte er sich erstens gegen die Schule der wilhelminischen Gesellschaft. Sie war eine Schule „der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, die entsprechend der damaligen Klassenschichtung in zwei einander fremde Schulformen zerfiel, von denen die Volksschule die Kinder der großen Masse des Volkes aufnahm, während die höhere Schule mit ihrer Vorschule in der Regel nur von denjenigen Kindern besucht werden konnte, deren Eltern die Kosten der Ausbildung selbst tragen konnten.“
Die höhere Schule galt ihren politischen Gegnern als Standesschule, für deren Besuch nur die entsprechenden Kreise mit genügend Einkommen für Schulgeld und Lernmittel infrage kamen und durch die sich das Bürgertum das Bildungsprivileg für die einflussreichen und finanziell lukrativen Berufe und somit die Macht im Staat sicherte. Zudem seien in der höheren Schule nicht unbedingt die begabteren Schüler zu finden gewesen, sondern vor allem solche, die im Elternhaus genügend Unterstützung – und sei es durch teure Nach- oder Hausaufgabenhilfe – bekamen. Dieses Schulsystem gehörte zu den Angriffspunkten der Klassenkämpfer. In ihren Augen wurden durch die Ungerechtigkeit des Bildungswesen die gesellschaftlichen Schichten und Zustände zementiert, weil nicht die Leistung des Einzelnen, sondern nur seine soziale Herkunft über den Schulbesuch entschied. Dieses in Volks- und höhere Schulen getrennte Schulwesen sollte nun durch einen einheitlichen und organischen Aufbau ersetzt werden. Dabei würde vor allem eine verlängerte gemeinsame Grundschulzeit von sechs Jahren das gegenseitige Verstehen der verschiedenen Volksschichten fördern und Klassengegensätze abbauen. Der Schule wurde somit eine sozial-integrative Funktion zugesprochen.
1. Einleitung: Beleuchtet die Tradition der Schulreformen in Hamburg und legt die Intention sowie die Fragestellung der Arbeit dar.
2. Der Einheitsschulentwurf der Hamburger Schulbehörde: Die ‚Allgemeine Volksschule’: Erläutert die pädagogischen Beweggründe und Ziele hinter dem Entwurf der ‚Allgemeinen Volksschule‘ von 1949.
3. Schulraumnot, Lehrermangel, Hunger und Obdachlosigkeit: Die richtige Zeit für eine Schulreform? - Hamburgs Schulwesen nach 1945: Analysiert die schwierigen äußeren Rahmenbedingungen des Hamburger Schulwesens in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
4. Die Hamburger Schulreform von 1949 im Meinungsstreit: Dokumentiert den parlamentarischen Prozess und die umfangreiche Kritik seitens Institutionen, Verbänden und Parteien am Entwurf von 1949.
5. Der Wahlsieg des ‚Hamburg-Blocks’ 1953 – Restauration im Schulwesen?: Untersucht den Regierungswechsel 1953 und die anschließende Rücknahme der Schulreform durch das Schulergänzungsgesetz.
6. Schluss: Zusammenfassung und Erkenntnisse: Reflektiert die Ursachen des Scheiterns der Schulreform und fasst die historischen Erkenntnisse zusammen.
Hamburger Schulreform, Einheitsschule, Allgemeine Volksschule, Hamburg-Block, Bildungsgeschichte, Nachkriegszeit, SPD, CDU, FDP, Grundschule, Schulpolitik, Lehrervertretung, Bildungsungerechtigkeit, Reformpädagogik, Schulergänzungsgesetz.
Die Arbeit untersucht die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung um das Hamburger Schulsystem im Zeitraum von 1949 bis 1954, insbesondere den Kampf um die Einführung und spätere Rücknahme der sechsjährigen Grundschule.
Im Zentrum stehen die Struktur des Schulsystems, die Rolle der verschiedenen politischen Parteien, die Einflüsse von Interessengruppen wie Verbänden, Kirchen und Universität sowie die Auswirkungen der materiellen Nachkriegsnot auf das Schulwesen.
Das primäre Ziel ist es zu analysieren, warum die sozialdemokratisch initiierte Schulreform von 1949 bereits vier Jahre später nach dem Wahlsieg des bürgerlichen „Hamburg-Blocks“ wieder rückgängig gemacht wurde.
Die Arbeit basiert fast ausschließlich auf einer regionalgeschichtlichen Analyse von Primärquellen aus dem Hamburger Staatsarchiv, darunter Sitzungsprotokolle der Schulbehörde, der Deputation und der Bürgerschaft sowie zeitgenössische Zeitungsberichte.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des ursprünglichen Einheitsschulentwurfs, die Analyse der äußeren Bedingungen nach 1945 sowie die detaillierte Nachzeichnung des Meinungsstreits um das Schulgesetz von 1949 und dessen Revision 1953/54.
Wichtige Begriffe sind „Einheitsschule“, „Allgemeine Volksschule“, „Restauration“, „Bildungsgerechtigkeit“ sowie der „Hamburg-Block“ als entscheidender politischer Gegenspieler der Reform.
Die Kirchen waren vor allem am Religionsunterricht interessiert und lehnten eine rein „religionskundliche“ Basis ab. Sie übten erheblichen Druck auf die Schulbehörde aus, um einen christlich orientierten Religionsunterricht zu sichern.
Die Universität sah in der Reform eine Bedrohung für die wissenschaftliche Elitebildung und das humanistische Gymnasium. Sie argumentierte primär aus der Perspektive der höheren Schule und kritisierte die soziale Nivellierung.
Die Mehrheit der Eltern stand der sechsjährigen Grundschule ablehnend gegenüber, teils aus Tradition, teils aus Sorge um das Leistungsniveau und die Zukunftschancen ihrer Kinder im gegliederten Schulsystem.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

