Examensarbeit, 2000
76 Seiten, Note: 2,7
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1. Einleitung
1.1. Zum Thema
1.2. Der Forschungsstand
1.3. Die Quellen
2. Geschlechteranthropologie und Bildungsvorstellungen
2.1. Die Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft
2.1.1. Rousseau
2.1.2. Kant
2.1.3. Fichte
2.2. Die Bildungsbewegungen
2.2.1. Die Philanthropen
2.2.2. Der Neuhumanismus
2.3. Pädagogen
2.3.1. Fröbel
2.3.2. Berta von Marenholtz- Bülow
2.4. Zusammenfassung theoretischer Teil
3. Die Stadt Saalfeld- ein Überblick
3.1. Saalfeld und die Umwälzungen der Zeit
3.2. Saalfeld und seine Mädchenbildung
4. Gesellschaftliche Veränderungen und die Mädchenbildung
4.1. Aufklärung und staatliche Bildungspolitik
4.2. Wirtschaftliche Einflüsse und die Mädchenbildung
4.2.1. Industriebildung und niederes Schulwesen
4.2.2. Wirtschaftliche Einflüsse auf mittlere und höhere Töchterschulen
4.3. Die Anforderungen der sich formierenden bürgerlichen Gesellschaft an die Mädchen
4.3.1. Die Frau als Mutter
4.3.2. Bürgerliche Geselligkeit
4.3.3. Die Stellung der Frau im bürgerlichen Haushalt
4. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Mädchenbildung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf dem theoretischen Rahmen der Geschlechteranthropologie und einer regionalen Fallstudie zur Stadt Saalfeld liegt, um die Diskrepanz zwischen theoretischen Vorgaben und praktischer Bildungsrealität aufzuzeigen.
2.1.1. Rousseau
Es gibt in der Geistesgeschichte des 18. Jh. in Europa kaum einen Schriftsteller dessen Wirkung auf seine Zeit größer war als die von Rousseau. Der 1712 in Genf geborene Philosoph beschäftigte sich unter anderem auch mit Fragen der Geschlechteranthropologie und der darausfolgenden Erziehung der Kinder.
In seinem Erziehungsroman >Emile< beschreibt Rousseau zunächst die Erziehung des Emile, dem sein Hauptaugenmerk gilt. Im fünften Buch seines Werkes entwirft er dann ein Ideal der Erziehung für Sophie, die im Gegensatz zu Emile eine spezifisch weibliche Bildung erhält. Dem Erziehungsplan der Sophie stellt Rousseau eine anthropologische Betrachtung über das Verhältnis von Mann und Frau voraus. Dabei entsteht ein Blickwinkel auf das Verhältnis von Mann und Frau, der für die sich formierende bürgerliche Gesellschaft von großer Bedeutung wurde.
In Deutschland hatte der Erziehungsroman >Emile< eine sehr starke Wirkung. Vor allem die Bildungsbewegung des Philanthropismus, auf die an späterer Stelle noch eingegangen werden soll, schrieb sich die Ideen und Vorstellungen von Rousseau auf ihre Fahnen. Dies gilt auch für die Geschlechteranthropologie und die sich daraus ergebenden Grundsätze der Mädchenbildung. Im Folgenden soll auf diese Vorstellung vom Geschlechterverhältnis eingegangen werden, die von Rousseau entworfen wurde.
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Bildungsdebatten der Aufklärung und den spezifischen Forschungsbedarf hinsichtlich der Mädchenbildung im beginnenden 19. Jahrhundert.
2. Geschlechteranthropologie und Bildungsvorstellungen: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Fundamente der Geschlechterrollen bei Rousseau, Kant und Fichte sowie deren Auswirkungen auf die Bildungsbewegungen und pädagogische Ansätze wie die von Fröbel und Marenholtz-Bülow.
3. Die Stadt Saalfeld- ein Überblick: Der Abschnitt liefert einen historischen und administrativen Kontext der Stadt Saalfeld, um die lokalen Voraussetzungen für das entstehende Mädchenschulwesen zu verdeutlichen.
4. Gesellschaftliche Veränderungen und die Mädchenbildung: Hier werden staatliche Politik, wirtschaftliche Einflüsse und die Anforderungen der bürgerlichen Gesellschaft als Determinanten für die Praxis der Mädchenbildung untersucht.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Erkenntnisse über die theoretische Unterordnung der Frau und die gleichzeitige Eigendynamik des Bürgertums bei der Institutionalisierung der Mädchenbildung.
Mädchenbildung, Geschlechteranthropologie, Aufklärung, Bürgertum, Saalfeld, Bildungsgeschichte, Industriebildung, Frauenrolle, Philanthropismus, Neuhumanismus, Berta von Marenholtz-Bülow, Erziehung, Geschlechterverhältnis, Mädchenschulen, 19. Jahrhundert.
Die Arbeit analysiert die Situation der Mädchenbildung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen theoretischen Konzepten der Geschlechteranthropologie und der praktischen Umsetzung durch das Bürgertum.
Die zentralen Themen umfassen die Bildungsphilosophie der Aufklärung, die Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau sowie die Entwicklung von Schulformen wie Töchterschulen und Industrieschulen.
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie die praktische Bildung von Mädchen über die engen theoretischen Vorgaben der damaligen Zeit hinausging und inwieweit das Bürgertum als treibende Kraft fungierte.
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die theoretische Schriften der Epoche mit regionalen Quellen (z.B. Saalfelder Stadtgeschichte, Zeitungsartikel) vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zu Geschlechterrollen sowie in empirische Abschnitte zur Bildungslandschaft und den sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Stadt Saalfeld.
Mädchenbildung, Geschlechteranthropologie, bürgerliche Gesellschaft, Industriebildung und Frauenemanzipation.
Saalfeld dient als konkretes Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie lokale wirtschaftliche und soziale Veränderungen den Bedarf an Mädchenbildung förderten, oft unabhängig von staatlichen Initiativen.
Der Autor sieht in ihr eine fortschrittliche Pionierin der Mädchenbildung, die sich von den konservativen Denkern der Zeit distanzierte und vehement für eine eigenständige und fundierte Bildung von Frauen eintrat.
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