Diplomarbeit, 2005
98 Seiten, Note: 1
1 Was ist Raum, oder wo leben wir eigentlich?
1.1 Disziplinargesellschaft oder Kontrollgesellschaft
1.2 Sicherheit kennt keine Grenzen
1.2.1 Raum und Ort
1.2.2 Sicherheit und gefährliche Orte
1.3 Sicherheit durch Architektur
1.3.1 Crime Prevention Through Environmental Design
1.3.2 Ästhetisierung und Sauberkeit
1.4 Nicht - Orte
1.5 Fazit
2 Shopping Mall – eine Form des öffentlichen Raumes?
2.1 Die Shopping Mall
2.2 Passagen
2.3 Skywalks
2.4 Fazit
3 Konkretisierungen am Beispiel der geplanten Europapassage in HH und ihrer Zugangsmechanismen
3.1 Wirtschaftliche Legitimation des Standortes
3.2 Architektur
3.2.1 Design und Raummobiliar
3.2.2 Architektur der Europapassage
3.2.3 Fazit
3.3 Die Gestaltung der Sicherheit durch Licht
3.3.1 Das gestalterische Mittel Licht in der Europapassage
3.3.2 Fazit
3.4 Kameraüberwachung
3.4.1 Closed Circuit Television
3.4.2 Kameraüberwachung in Shopping Malls
3.4.3 Geplanter Einsatz von Kameraüberwachung in der Europapassage
3.4.4 Fazit
3.5 Sicherheitspersonal
3.5.1 Sicherheitspersonal in einer Shopping Mall
3.5.2 Geplanter Einsatz von Sicherheitspersonal in der Europapassage
3.5.3 Fazit
4 Die Europapassage als Archipel der Sicherheit in der Hamburger Innenstadt – eine Veränderung der Innenstadt?
4.1 Die Theorie der Inseln, oder wie darf ich mich verhalten ?
5 Ausblick – Szenarien
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel des öffentlichen Raums in modernen Innenstädten, insbesondere unter dem Aspekt neuer Technologien der Herrschaft und Verhaltenskontrolle. Ziel ist es, am Fallbeispiel der Europapassage in Hamburg aufzuzeigen, wie durch Privatisierung und architektonische sowie sicherheitstechnische Maßnahmen "Sicherheitsarchipele" entstehen, die exklusive Zugangsmechanismen etablieren und den öffentlichen Charakter städtischen Lebens simulieren.
3.4.2 Kameraüberwachung in Shopping Malls
Die Sicherheit in einer Shopping Mall basiert auf dem Zusammenspiel zwischen der Architektur, den privaten Sicherheitsdiensten und der Videoüberwachung. An den Stellen, wo die Architektur im Rahmen des CPTED nicht mit Übersichtlichkeit arbeitet, werden Videokameras eingesetzt. Videokameras können bis zu 200m weit sehen. Diese Distanz kommt dem vom menschlichen Auge zu erfassenden Blickfeld sehr nahe. Sobald die Übersichtlichkeit wieder gegeben ist, wird die Sicherheit bzw. Konformität durch die Käufer und das Sicherheitspersonal hergestellt.
Die Kamera, ob gezielt versteckt oder deutlich sichtbar, überwacht grundsätzlich alle im Raum, und so dient sie nicht nur der Abschreckung bzw. Ortung unerwünschter (konsumuntauglicher) Personen, sondern sie dient auch als Messinstrument. So genannte 'people counter' überwachen die Eingänge, wobei das Gerät menschliche Gestalten in Zahlen umwandelt. Wer benutzt zu welcher Zeit welche Eingänge oder Ausgänge? Welche BesucherInnen werden zu KäuferInnen? Es ist unmöglich, sich diesem Phänomen zu entziehen: Selbst wenn man diesen Zentren einen Besuch in kritischer, beobachtender Absicht abstattet, wird man zu den BesucherInnen gezählt und durch die Registrierung unweigerlich zu einem statistischen Beweis ihres Erfolges.
Neben der fehlenden Möglichkeit, sich dem Phänomen der Registrierung zu entziehen, ist es aus juristischer Sicht ein ganz legaler Vorgang. Obwohl Einkaufszentren ebenso wie Passagen meist in privater Hand sind, haben sie nur allzu oft einen „öffentlichen Charakter“, bzw. sind baulich so in das Stadtbild integriert, dass ein Passieren notwendig ist (vgl. Alisch, http://www.aktuelle-kamera.org/). Die Kontrolle über die persönliche Freiheit der Passanten wird meist nur durch einen längeren Umweg möglich. Am Beispiel der Europapassage würde das bedeuten den direkten, aber kameraüberwachten Weg durch die Passage zu meiden.
1 Was ist Raum, oder wo leben wir eigentlich?: Das Kapitel führt in die theoretischen Konzepte der Disziplinargesellschaft nach Foucault und der Kontrollgesellschaft nach Deleuze ein und definiert den Wandel des öffentlichen Raums.
2 Shopping Mall – eine Form des öffentlichen Raumes?: Hier werden die Shopping Mall, Passagen und Skywalks als neue, privatisierte Raumstrukturen analysiert, die den Konsum in den Mittelpunkt stellen.
3 Konkretisierungen am Beispiel der geplanten Europapassage in HH und ihrer Zugangsmechanismen: Dieser Hauptteil konkretisiert die theoretischen Erkenntnisse am Beispiel der Europapassage durch eine Untersuchung von Architektur, Licht, Videoüberwachung und Sicherheitspersonal.
4 Die Europapassage als Archipel der Sicherheit in der Hamburger Innenstadt – eine Veränderung der Innenstadt?: Das Kapitel bettet die Europapassage in die stadtplanerische Entwicklung ein und analysiert die Auswirkungen als neuen "Sicherheitsarchipel" sowie Möglichkeiten des Widerstands.
5 Ausblick – Szenarien: Der Ausblick thematisiert Risse und Nischen innerhalb der Kontrollgesellschaft und diskutiert, wie durch kreative Raumaneignung Kontrolle hinterfragt werden kann.
Kontrollgesellschaft, Europapassage, öffentlicher Raum, Sicherheitsarchipel, Überwachung, Architektur, Ausschlussmechanismen, New Penology, Privatisierung, Konsum, Stadtentwicklung, Sicherheit, Widerstand, Nicht-Orte, CPTED.
Die Arbeit untersucht den Wandel des öffentlichen Raums in Innenstädten hin zu kontrollierten, konsumorientierten Orten und analysiert am Beispiel der Hamburger Europapassage, wie dies durch architektonische und sicherheitstechnische Mittel umgesetzt wird.
Die zentralen Themen umfassen die soziologischen Konzepte von Raum und Kontrolle, die Entstehung "privater" öffentlicher Räume wie Shopping Malls sowie Strategien zur Sicherheit durch Überwachung und Gestaltung.
Das Ziel ist es, die unsichtbaren Ausgrenzungsmechanismen in modernen Passagen aufzudecken und zu zeigen, wie durch "Sicherheitsarchipele" soziale Segregation im städtischen Raum forciert wird.
Die Arbeit nutzt eine fundierte Theorieanalyse (Deleuze, Foucault, Simon, Feeley, Newman) in Kombination mit einer Fallstudie der Europapassage, basierend auf Medienberichten und einem dokumentierten Interview mit der Projektleitung.
Der Hauptteil analysiert die konkreten Kontrollmechanismen der Europapassage: architektonische Gestaltung, Lichtkonzepte, Kameraüberwachungssysteme und das Sicherheitspersonal.
Die wichtigsten Begriffe sind Kontrollgesellschaft, Sicherheitsarchipel, Überwachung, Privatisierung, Ausschluss, Architektur, Konsum und Widerstand.
Der Begriff beschreibt den Charakter der Passage als kontrollierte, in sich geschlossene Insel inmitten der Innenstadt, die durch Barrieren (physisch und symbolisch) nur für ein bestimmtes Klientel zugänglich ist.
Die New Penology liefert das theoretische Modell für das Risikomanagement, bei dem nicht mehr individuelle Straftäter im Fokus stehen, sondern die effiziente Verwaltung und statistische Einschätzung ganzer Gruppen, um unliebsames Verhalten präventiv aus konsumorientierten Räumen fernzuhalten.
Das Radioballett ist ein Beispiel für einen künstlerischen, aktionistischen Widerstand, bei dem durch Radioanweisungen in öffentlichen Räumen alltägliche Gesten verfremdet wurden, um die geltenden Kontroll- und Verbotsmechanismen durch spielerische Aneignung zu konterkarieren.
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