Diplomarbeit, 2001
113 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
1. Zur Situation der Zielgruppe
1.1 Beschreibung der Zielgruppe
1.1.1 Eine einführende Eingrenzung des Personenkreises
1.1.2 Die Zielgruppe in Sachsen
1.2 Das Bild der Betroffenen in Politik und Gesellschaft
1.2.1 Tendenzen der Meinungsbildung zu Ausländerfragen in Deutschland
1.2.2 Zum Umgang mit Ausländerfragen in Sachsen
1.3 Fluchtgründe und Fluchtwege
1.3.1 Der „Verlust von Sicherheit“ als verstehender Ansatz der Erklärung von Fluchtgründen
1.3.2 Warum Flüchtlinge auf die Hilfe von Schleusern angewiesen sind
1.3.3 Wege der Einreise nach Sachsen
1.3.4 Die Auswirkungen der Flucht auf die besondere Situation Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
1.4 Der Wechsel zwischen den Kulturen
1.4.1 Die allgemeine Bedeutung des Wechsels zwischen den Kulturen
1.4.2 Die Bedeutung der Sprache innerhalb des kulturellen Transformationsprozesses
1.4.3 Lösungsansätze zur Bewältigung sprachbezogener Transformationsprobleme
1.5 Auswirkungen der Migration auf die psychische Verfassung der Betroffenen
1.5.1 Psychische Belastungen auf Grund des Wechsels zwischen den Kulturen
1.5.2 Mögliche psychische Folgeschäden auf Grund des kulturellen Transformationsprozesses
1.5.3 Problemlösungsansätze zur Vermeidung psychischer Folgeschäden
1.6 Zur momentanen Betreuungssituation in Sachsen
1.6.1 Wichtige Aspekte der Ausgangssituation in Sachsen
1.6.2 Die Betreuungssituation in Sachsen an ausgewählten Beispielen
2. Rechtliche Grundlagen des zu entwickelnden Projektes
2.1 Internationale und europäische Rahmenbedingungen des deutschen Ausländerrechtes
2.1.1 Der Einfluss internationaler Vereinbarungen auf die Rechtsstellung Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland
2.1.2 Die europäischen Rahmenbedingungen zur Aufnahme von Flüchtlingen
2.2 Die ausländerrechtlichen Voraussetzungen der Aufnahme und Betreuung Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland
2.2.1 Die staatlichen Beschränkungen einer legalen Einreise von Flüchtlingen
2.2.2 Die rechtlichen Verfahrensweisen beim Eintreffen Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Sachsen
2.2.3 Der Status Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
2.2.4 Das Prüfungsverfahren
2.2.5 Das Ende des Aufenthaltes
2.2.6 Die deutsche Gesetzgebung im Widerspruch zur Wahrung der Rechte Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
2.3 Rechtliche Grundlagen der Betreuung und pädagogischen Versorgung von U.m.F. in Sachsen
2.3.1 Die rechtlichen Rahmenbedingungen des vorläufigen Schutzes und längerfristiger Hilfen zur Erziehung
2.3.2 Die rechtlichen Grundlagen der vormundschaftlichen Vertretung von U.m.F.
2.3.3 Rechtliche Möglichkeiten der Erst- und Folgebetreuung Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
2.4 Entwicklungstendenzen und Perspektiven der nationalen und europäischen Gesetzgebung
2.4.1 Das deutsche Ausländerrecht im Kontext europäischer Entwicklungstendenzen der Asylbewerberzahlen
2.4.2 Perspektiven der nationalen und europäischen Gesetzgebung
3. Die Projektentwicklung als Ergebnis der Grundlagenanalyse
3.1 Ausgangspunkte einer Intervention zur Verbesserung der Betreuung
3.1.1 Zu den besonderen Problemlagen von Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und dem daraus resultierenden Betreuungsbedarf
3.1.2 Die Auswirkungen von Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Intervention
3.2 Geeignete Interventionsformen als Projektangebote
3.2.1 Zur Grundstruktur des Projektes
3.2.2 Zum äußeren Wirkungskreis des Projektes
3.3 Die Projektangebote im Einzelnen
3.3.1 Die Vereinsvormundschaft
3.3.2 Beratung
3.3.3 Sprachliche Förderung
3.3.4 Jugendsozialarbeit
3.3.5 Netzwerkarbeit
3.4 Standortvorschläge zur Betreuung
3.4.1 Zur Notwendigkeit einer Zentralisierung der Betreuung
3.4.2 Zur Auswahl des Projektstandortes und des geeigneten Landkreises für eine Zentralisierung
Schlusswort
Die vorliegende Diplomarbeit entwickelt ein zielgerichtetes sozialpädagogisches Betreuungskonzept für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Sachsen. Ziel ist es, unter Berücksichtigung der spezifischen psychosozialen Belastungen dieser jungen Menschen sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen und bestehenden Versorgungsdefizite im Bundesland ein Modellprojekt zu entwerfen, das eine ganzheitliche Integration und Unterstützung ermöglicht.
Die Bedeutung der Sprache innerhalb des kulturellen Transformationsprozesses
Betrachtet man Sprache als ein System logischer Operationen, welches die Wirklichkeit nach strukturierten Regeln in eine symbolische Form überführt (vgl. Meyers Lexikon, 1991, S. 3581), so erscheint es einfach, den plötzlichen Wechsel in eine Zweitsprache zu bewältigen. Die Betroffenen müssten dann lediglich ausreichend Wissen über die neue Sprache erwerben, um sich durch sie ebenso gut wie über die Muttersprache verständigen zu können. Jedoch werden bei einem solchen theoretischen Ansatz die sozialen und psychischen Funktionen der natürlichen Sprachen vernachlässigt.
Irmhild Kothe-Meyer geht davon aus, dass Sprache mehr ist als ein Vermittler kognitiver Prozesse. Sie verweist darauf, dass die Muttersprache ebenso wie das Über-Ich während des identifikatorischen Prozesses erworben wird. Über die Muttersprache wird es dem Individuum möglich, mit seinem sozialen Umfeld zu kommunizieren und durch Rückkopplungen über das eigene Verhalten seine Ich-Identität und Zugehörigkeit zu definieren. Innerhalb dieses Prozesses der Interaktion werden unter anderem Riten, Bräuche, Werte und Normen, welche spezifische Merkmale eines Kulturkreises darstellen, von dem Individuum verinnerlicht (vgl. Kothe-Meyer, S. 69 ff).
Welche Probleme sich aus dem plötzlichen Wechsel in eine neue Sprachwelt ergeben und warum die Ich-Identität der Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Zufluchtsland in Frage gestellt wird, soll im Folgenden gezeigt werden. In Deutschland stehen die U.m.F. einer neuen Kultur gegenüber, welche dem symbolischen und emotionalen Kontext der Muttersprache nicht mehr entspricht. Während innerhalb fliehender Familien oder gleichsprachiger Gruppen die Erstsprache weiter praktiziert wird, können allein flüchtende Minderjährige nicht auf diesen Schutzraum zurückgreifen. Da weder eine psychische Entlastungsmöglichkeit durch die eigenständige freie Kommunikation mit den vertrauten Worten des Heimatlandes noch eine Mittlerfunktion der Eltern zum neuen Umfeld möglich sind, ist der Einschnitt für diese Klientel besonders gravierend.
1. Zur Situation der Zielgruppe: Dieses Kapitel analysiert die Lebensumstände, Fluchtmotive und die spezifischen psychischen Belastungen der Minderjährigen durch den kulturellen Wechsel.
2. Rechtliche Grundlagen des zu entwickelnden Projektes: Es werden die ausländerrechtlichen Rahmenbedingungen sowie die jugendhilferechtlichen Zuständigkeiten und Probleme bei der Vormundschaft in Sachsen detailliert erläutert.
3. Die Projektentwicklung als Ergebnis der Grundlagenanalyse: Auf Basis der vorangegangenen Analyse werden konkrete Interventionsangebote, wie Vereinsvormundschaften und Netzwerkstrukturen, für das Betreuungsprojekt konzipiert.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, U.m.F., Sachsen, Sozialpädagogik, Integration, Betreuungssituation, Vormundschaft, Fluchtursachen, kultureller Transformationsprozess, psychische Belastung, Jugendhilfe, Clearingverfahren, Sprachförderung, Rechtsgrundlagen, Projektentwicklung.
Die Diplomarbeit untersucht die Betreuungssituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Sachsen und entwickelt auf Basis einer fundierten Grundlagenanalyse ein sozialpädagogisches Betreuungskonzept.
Die Arbeit behandelt die soziale Situation der Flüchtlinge, psychologische Auswirkungen von Flucht und Migration, rechtliche Hürden im Asyl- und Jugendhilferecht sowie praktische Ansätze zur Verbesserung der Betreuungsqualität.
Das Ziel ist die Schaffung eines Projektvorschlags, der vorhandene Mängel in der Betreuung ausgleicht und den spezifischen Bedürfnissen der Minderjährigen in einem neuen kulturellen Umfeld gerecht wird.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie auf Expertenbefragungen (Einzelinterviews) von Fachkräften in verschiedenen Jugendämtern und betreuenden Einrichtungen in Sachsen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Analyse der Zielgruppen-Problemlagen, eine rechtliche Einordnung der Status- und Betreuungsfragen sowie die konkrete Ableitung von Interventionsangeboten für das Projekt.
Wichtige Begriffe sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (U.m.F.), Integration, Jugendhilfe, Vormundschaft, Sachsen und psychische Belastung.
Die Untersuchung zeigt erhebliche regionale Unterschiede: Während etwa Chemnitz spezielle Angebote und Sprachförderung durch externe Träger einbindet, fehlt in anderen untersuchten Regionen solches spezifisch qualifiziertes oder muttersprachliches Personal weitestgehend.
Die Vormundschaft ist der zentrale rechtliche Schlüssel, um Minderjährigen Zugang zu Leistungen der Jugendhilfe nach dem SGB VIII zu ermöglichen. Ohne sie bleibt der Personenkreis oft rechtsschutzlos und ohne notwendige erzieherische Hilfen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

