Diplomarbeit, 2005
148 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Gesellschaftliches Verständnis von Jugend
2.1 Wechsel sozialer Bezugsgruppen
2.2 Jugendliches Lernen und Sozialisation
2.3 Hauptagenturen der Sozialisation
3. Definition der Kriminalität durch das Recht
3.1 Konsens- und Konflikttheorie
3.2 Normgenese
3.3 Normimplementation
3.4 Registrierungswahrscheinlichkeit und Selektionsprozesse während der Strafverfolgung
4. Jugendkriminalität
4.1 Phänomenologische Entwicklung der Jugendkriminalität
4.2 Aktuelle Jugendkriminalität und Sanktionsentwicklung
4.3 Deliktspezifische Unterschiede zwischen Erwachsenen und Jugendlichen
4.4 Kriminalätiologie im Jugendalter
4.4.1 Soziale Aspekte
4.4.1.1 Schichtspezifische Betrachtungen
4.4.1.2 Arbeitslosigkeit
4.4.1.3 Risikoverhalten/Freizeitgestaltung
4.4.1.4 Sekundäre Devianz
4.4.2 Kontrollfelder
4.4.3 Biologische Faktoren
4.4.4 Viktimisierung
4.4.4.1 Idealtypus des seelisch gesunden Menschen
4.4.4.2 Zusammenhang zwischen Viktimisierung und seelischer Gesundheit
4.4.4.3 Der Gewaltkreislauf
4.4.4.4 Täter-Opfer Beziehungen
4.5 Mehrfachauffälligkeit und Karriereforschung
4.5.1 Modelle und Theorien
4.5.2 Selective incapacitation
4.5.3 Vorhersagbarkeit von Straftatentwicklungen
5. Soziale Einflussgrößen kriminellen Verhaltens
5.1 Die Familie
5.2 Die Gleichaltrigengruppe/Peer Group
5.3 Die Schule
5.4 Empirisch kriminologische Theorien
5.4.1 Der Lerntheoretische Ansatz
5.4.2 Die Kontrolltheorie
5.4.3 Neutralisierungstechniken
5.4.4 Der ökonomische Ansatz
5.4.5 Tatgelegenheit als Prädiktor devianten Verhaltens
6. Kriminalitätsausformungen
6.1 Jugendgewalt
6.1.1 Differenz zwischen Jugendgewalt und Jugendkriminalität
6.1.2 Genese gewalttätigen Verhaltens
6.1.2.1 Männlichkeitsideale
6.1.2.2 Familiäre Situation
6.1.2.3 Rolle der Schule
6.1.2.4 Peer Group
6.1.3 Motive für die Gewaltanwendung
6.1.4 Mädchengewalt/Geschlechteraspekt
6.2 Diebstahlkriminalität
6.2.1 Tataufklärung
6.2.2 Tatbegehungskriterien
6.3 Rechtsextremistisch motivierte Kriminalität
6.3.1 Charakteristika rechtsextremen Handelns
6.3.2 Motive
6.3.3 Identifizierung und Registrierung rechtsextremer Gewalt
6.4 Illegaler Drogenumgang
6.4.1 Tradierte Erfahrungen und Mythen
6.4.2 Beschaffungskriminalität
6.4.3 Kriminalität als logische Konsequenz des Drogenkonsums?
6.5 Kriminalität junger Migranten
6.5.1 Lebensumstände und sozialer Backround
6.5.2 Justiziare Kontrollintensität und Straftatbelastung
7. Diskrepanzen und Konflikte in der Darstellung tatsächlicher Kriminalität
7.1 Das Hellfeld
7.1.1 Die Polizeiliche Kriminalstatistik
7.1.2 Grenzen der Hellfelddarstellung
7.2 Das Dunkelfeld
7.3 Diskrepanzen zwischen Hell- und Dunkelfeld
7.4 Differenzen zwischen Stadt und Land in der Kriminalitätsbelastung
7.4.1 informelle Streitbeilegung
7.4.2 Pendlerwesen
7.4.3 Theoretische Erklärungsversuche der Stadt - Land Unterschiede
7.5 Medial erzeugte Kriminalitätswahrnehmung
7.5.1 Trends und Agenda Setting in den Medien
7.5.2 Kriminalitätsfurcht
8. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Ursachen gegenwärtiger Jugendkriminalität unter Einbeziehung kriminologischer Theorien und analysiert kritisch die Verzerrungen durch Medienberichterstattung sowie die Diskrepanzen zwischen dem offiziellen Hellfeld und dem tatsächlichen Dunkelfeld, um zu einem fundierteren Verständnis jugendlicher Abweichung zu gelangen.
3.1 Konsens- und Konflikttheorie
Normen enthalten Gebote, die zur Gewährleistung eines erträglichen Zusammenlebens notwendig sind. Strafrechtler behaupten regelmäßig, dass Straftatbestände auf einem Konsens der mündigen und eigenverantwortlich handelnden Bürger zurückgehen. Dieses normative Ideal beschreibt den Inhalt der Konsensustheorie. (vgl. Walter 2001, S. 74) Dem gegenüber steht die Konflikttheorie. Sie betrachtet Normen als Festschreibung des Siegers nach einem vorausgegangenen Konflikt. Dieser Theorie folgend würde nicht zwangsläufig die plausibelste und sinnvollste Lösung in ein Gesetz umgewandelt werden, sondern diejenige, welche am ehesten den Ansichten des Siegers entspricht. In der Politik spricht man in diesem Fall von einem „Kuhhandel“ zwischen den an der Gesetzgebung beteiligten Parteien.
„Aus den einschlägigen Strafgesetzen folgt, wer sich in welchem Maße hat durchsetzen können.“ (Walter 2001, S. 75)
Gerade das jüngere Schrifttum scheint aktuell eher der Auffassung zu sein, Genese und Implementation mit Aspekten der Konflikttheorie besser erklären zu können. Der Autor schließt sich für den weiteren Teil der Arbeit dieser Sicht an, gibt aber zu bedenken, dass Normen immer auch Schwache in ihren individuellen Freiheiten schützen wollen und somit nicht ausschließlich Ergebnis von Konflikten sein können. Gerade gesellschaftlich eher Randständige hätten andernfalls wohl kaum die Möglichkeit, ihre originären Interessen wirksam vorzutragen und umzusetzen. In welchem Maße individuelle Absichten die Normgenese beeinflussen und welche Funktion Normen zukommt, wird nun folgend dargelegt.
1. Einleitung: Stellt das Problem der einseitigen Kriminalitätswahrnehmung von Jugendlichen durch Medien und Gesellschaft dar und formuliert das Ziel der Arbeit, Ursachenforschung und Medienkritik zu verbinden.
2. Gesellschaftliches Verständnis von Jugend: Definiert Jugend als soziale Übergangsphase und beleuchtet die Rolle von Sozialisationsinstanzen sowie den Wunsch nach Autonomie.
3. Definition der Kriminalität durch das Recht: Erläutert den strafrechtlichen Kriminalitätsbegriff, die Entstehung von Normen (Normgenese und -implementation) und die Rolle staatlicher Selektionsprozesse.
4. Jugendkriminalität: Beleuchtet das passagere Wesen jugendlicher Delinquenz, deren phänomenologische Entwicklung und die Problematik der Intensivtäter.
5. Soziale Einflussgrößen kriminellen Verhaltens: Analysiert die Einflüsse von Familie, Schule und Peer Group auf delinquentes Verhalten und erörtert verschiedene kriminologische Theorien.
6. Kriminalitätsausformungen: Untersucht spezifische Deliktbereiche wie Jugendgewalt, Diebstahlkriminalität, Rechtsextremismus und Drogenkonsum auf ihre Ursachen und tatsächliche Ausprägung.
7. Diskrepanzen und Konflikte in der Darstellung tatsächlicher Kriminalität: Diskutiert die Problematik des Hell- und Dunkelfeldes sowie die mediale Verzerrung der Realität und deren Folgen für die Kriminalitätsfurcht.
8. Schlussbetrachtung: Führt die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines differenzierteren Umgangs mit Statistiken und medialen Darstellungen jugendlicher Devianz.
Jugendkriminalität, Sozialisation, Kriminalätiologie, Hellfeld, Dunkelfeld, Medienberichterstattung, Kriminalitätsfurcht, Normgenese, Mehrfachauffälligkeit, Viktimisierung, Jugendgewalt, Rechtsradikalismus, Stigmatisierung, Prävention, Soziale Kontrolle
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Darstellung aktueller Jugendkriminalität unter Berücksichtigung kriminologischer Ursachenforschung und der Problematik der Kriminalitätswahrnehmung.
Die Schwerpunkte liegen auf den Sozialisationsinstanzen, den Diskrepanzen zwischen offiziellen Statistiken und der Realität sowie dem starken Einfluss der Medien auf das öffentliche Sicherheitsgefühl.
Ziel ist es, das aktuelle Bild der Jugendkriminalität von gängigen Vorurteilen zu entzerren und die komplexe Ursachenstruktur hinter dem Phänomen darzulegen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kriminologischer Theorien und empirischer Studien zum Kriminalitätsaufkommen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von sozialen Einflussgrößen (Familie, Schule, Peer Group) und spezifischen Kriminalitätsausformungen wie Gewalt, Diebstahl, Extremismus und Drogenkonsum.
Zentrale Begriffe sind Jugendkriminalität, Hell- und Dunkelfeld, Medienwirkung, Viktimisierung sowie kriminologische Theorien zur Normgenese.
Medien werden als ein entscheidender, oft realitätsverzerrender Faktor beschrieben, der durch Skandalisierung und einseitige Berichterstattung die Kriminalitätsfurcht in der Bevölkerung künstlich erhöht.
Die Arbeit identifiziert diese Gruppe als einen kleinen Prozentsatz, der für einen überproportionalen Anteil an Straftaten verantwortlich ist, warnt jedoch vor einer medialen Stigmatisierung als Vorbote einer neuen Kriminalitätsqualität.
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