Diplomarbeit, 2002
166 Seiten, Note: 1,3
1. Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit
1.1 Aggression
1.2 Funktionen und Formen von Aggression
1.2.1 Die expressive Aggression
1.2.2 Die instrumentelle Aggression
1.2.3 Die angstmotivierte Aggression
1.2.4 Die relationale Aggression
1.3 Klassifikation und Epidemiologie der aggressiven Störung
1.3.1 Klassifikation
1.3.2 Epidemiologie der aggressiven Störung
1.3.3 Geschlechterunterschiede in der Auftretenshäufigkeit und Symptomatik aggressiver Verhaltensauffälligkeiten
1.4 Entwicklungsverlauf aggressiver Verhaltensweisen
2. Theorien zur Entstehung des Phänomens Aggression
2.1 Die Triebtheorie nach Sigmund Freud
2.2 Das Instinktmodell nach Konrad Lorenz
2.3 Die Frustrations-Aggressions-Theorie
2.4 Lerntheoretische Ansätze
2.4.1 Lernen am Modell nach Albert Bandura
2.4.2 Klassisches Konditionieren
2.4.3 Operantes Konditionieren
2.5 Multifaktorielle Modelle
3. Risikofaktoren aggressiven Verhaltens
3.1 Genetische, prä- und perinatale Faktoren
3.2 Familiäre Faktoren
3.3 Peer Beziehungen
3.4 Intelligenz und schulische Leistungen
3.5 Kognitive und soziale Fertigkeiten
3.6 Psychische Begleiterkrankungen
3.7 Schutzfaktoren
4. Prosoziales Verhalten
4.1 Klassifikation prosozialer Verhaltensweisen
4.2 Entwicklung prosozialen Verhaltens
4.3 Bedingungen prosozialen Verhaltens
5. Prävention und Intervention im Grundschulalter – Verschiedene Lösungsansätze
5.1 Elterntrainingsprogramme
5.2 Kindzentrierte Programme
5.2.1 Trainings zur Förderung sozialer und kognitiver Fertigkeiten
5.2.2 Trainings zur Förderung sozialer Kontakte zu Gleichaltrigen
5.3 Trainingsprogramme mit Lehrern
5.4 Multimodale Verhaltenstrainings
5.5 Multimodales Verhaltenstraining nach Petermann und Petermann
5.5.1 Gesamtaufbau
5.5.2 Ziele des Trainings mit dem Kind
5.5.3 Ziele des Trainings mit den Eltern
5.5.4 Evaluation der Ergebnisse
5.5.5 Ausblick
6. Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Trainings im Rahmen einer Hausaufgabenbetreuung von Grundschülern
7. Planung eines Trainings zum Abbau von aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens
7.1 Rahmenbedingung der Einrichtung
7.2 Rahmenbedingung der Gruppe
7.2.1 Kurzbeschreibung der einzelnen Kinder
7.2.2 Gruppensituation
7.2.3 Stabilität der Gruppe
7.2.4 Heterogenität der Gruppe
7.3 Gliederung und Ablauf des Trainings
7.4 Techniken und Inhalte des Trainings
8. Dokumentation des Verlaufs des Konzepts
8.1 Stundenübergreifende Ziele
8.2 Erste Stunde: Einfühlungsvermögen fördern
8.2.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.2.2.1 Erarbeitung gemeinsamer Regeln
8.2.2.2 Spieleinheit„Roboter“
8.2.2.3 Entspannungsphase „Ein kleiner Delphin“
8.2.2.4 Rollenspiel: Das Igelspiel
8.2.2.5 Reflexion
8.2.2.6 Übertragung auf den Alltag
8.3 Zweite Stunde: Differenzierte Wahrnehmung
8.3.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.3.1.1 Spieleinheit „Kippbilder“
8.3.1.2 Entspannungsphase „Zauberteppich“
8.3.1.3 Spieleinheit: „Gefühle richtig zuordnen“
8.3.1.4 Der Detektivtest
8.3.1.5 Reflexion und Übertragung auf den Alltag
8.4 Dritte Stunde: Kooperation (und Kommunikation) fördern
8.4.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.4.1.1 Spieleinheit: Partnerübung: „Rettungsboot“
8.4.1.2 Entspannungsphase „Insel“
8.4.1.3 Spieleinheit „Das Eselsbild“ ein Konfliktpuzzle
8.4.1.4 Reflexion: Übertragung auf den Alltag
8.4.1.5 Rollenspiel
8.4.1.6 Reflexion: alternative Lösungen finden
8.5 Vierte Stunde: Gefühle erkennen
8.5.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.5.1.1 Maskenball
8.5.1.2 Entspannungsgeschichte „Dunkle Wolke“
8.5.1.3 Spieleinheit: verschiedene Gesichts- und Gefühlsausdrücke
8.5.1.4 Reflexion: Übertragung auf den Alltag
8.5.1.5 Pantomimisches Rollenspiel
8.6 Fünfte Stunde: Aktives Zuhören
8.6.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.6.1.1 Spieleinheit. „wortlose Gespräche“
8.6.1.2 Entspannungsphase „Wiese“
8.6.1.3 Erzählen, Zuhören, Wiedergeben
8.6.1.4 Rollenspiel: aktives/passives Zuhören
8.6.1.5 Reflexion und Übertragung auf den Alltag
8.7 Sechste Stunde: Konflikte angemessen lösen
8.7.1 Spezifische Ziele und Ablauf
8.7.1.1 Laufspiel
8.7.1.2 Entspannungsphase „Regentropfen“
8.7.1.3 Rollenspiel: Konflikte schlichten
8.7.1.4 Rollenspiel: Alltagskonflikte
8.7.1.5 Reflexion
9. Auswertung der Ergebnisse
9.1 Überprüfung der Konfliktlösekompetenzen im Rollenspiel
9.2 Beobachtungsbogen für aggressive und prosoziale Verhaltensweisen
9.3 Einschätzung der Trainingsmitarbeit der Kinder
9.4 Reflexion der Ergebnisse
10. Diskussion und Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen und Faktoren aggressiven Verhaltens bei Grundschulkindern und entwickelt ein Training zu dessen Abbau sowie zur Förderung prosozialen Verhaltens in einer Hausaufgabengruppe. Ziel ist es, durch spielerische Interventionen soziale Kompetenzen zu stärken, die Konfliktfähigkeit der Kinder zu verbessern und durch Beobachtungsmethoden den Erfolg des Programms zu evaluieren.
1.1 Aggression
Ein Verhalten kann dann als aggressiv bezeichnet werden, wenn es darauf abzielt eine andere Person oder einen Gegenstand zu schädigen oder die grundlegenden Rechte eines anderen zu verletzen. Die Absicht der Schädigung muss hier im Vordergrund stehen, wobei in diesem Zusammenhang schwer nachvollzogen werden kann, wann ein problematisches Verhalten absichtlich oder ohne Vorsatz gezeigt wurde (Petermann, Jugert, Tänzer & Verbeek, 1997, S.12).
In der Literatur wird zwischen verschiedenen Formen der Aggression unterschieden. Die Aggression kann offen (Schlagen, Treten etc.) gezeigt oder verdeckt (Diebstahl, Lügen etc.) ausgeführt werden. Sie kann körperlich (andere stoßen, treten oder schlagen) oder verbal statt finden (jemanden beschimpfen, bedrohen, kränken) (Cierpka, 1999, S.15). Aggression kann sich nach außen (gegen andere Personen, Gegenstände) oder nach innen richten (gegen die eigene Person). Sie kann sich direkt oder indirekt (boshafte Gerüchte verbreiten) äußern (Petermann & Warschburger, 1998). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich aggressive Verhaltensweisen als sehr heterogen erweisen können.
Die Intensität und Stabilität des negativen Verhaltens erweisen sich als bedeutsam für die Beurteilung, ob es sich um aggressives Verhalten im Sinne einer Verhaltensauffälligkeit handelt. Einzubeziehen ist auch der Entwicklungsstand des Kindes: die negativen Verhaltensweisen müssen signifikant häufiger auftreten als bei Personen in einem vergleichbaren Alter (Petermann & Warschburger, 1998, S.127). Für die klinisch-diagnostische Einschätzung aggressiven Verhaltens im Kindesalter bieten Klassifikationssysteme, wie beispielsweise das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM) oder die Internationale Klassifikation Psychischer Störungen (ICD) Beurteilungskriterien (vgl. Kapitel 4.).
1. Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit: Das Kapitel definiert Aggression, unterscheidet zwischen verschiedenen Formen wie instrumenteller oder relationaler Aggression und betrachtet epidemiologische Aspekte.
2. Theorien zur Entstehung des Phänomens Aggression: Hier werden klassische und moderne Entstehungsmodelle wie die Triebtheorie, Frustrations-Aggressions-Theorie und lerntheoretische Ansätze erläutert.
3. Risikofaktoren aggressiven Verhaltens: Es werden verschiedene Einflüsse auf die Entwicklung aggressiven Verhaltens analysiert, darunter biologische, familiäre, soziale Faktoren und Peer-Beziehungen sowie Schutzfaktoren.
4. Prosoziales Verhalten: Das Kapitel definiert prosoziales Verhalten, dessen Klassifikation, Entwicklung und förderliche Bedingungen.
5. Prävention und Intervention im Grundschulalter – Verschiedene Lösungsansätze: Es werden diverse Trainingsprogramme für Eltern, Kinder und Lehrer sowie multimodale Ansätze wie das Training nach Petermann und Petermann vorgestellt.
6. Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Trainings im Rahmen einer Hausaufgabenbetreuung von Grundschülern: Hier wird der praktische Teil der Arbeit, die Implementierung eines Trainings in einer Hausaufgabengruppe, begründet und konzeptionell vorbereitet.
7. Planung eines Trainings zum Abbau von aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens: Dieses Kapitel beschreibt die Rahmenbedingungen, die Gruppenzusammensetzung sowie den Ablauf und die Techniken des geplanten Trainings.
8. Dokumentation des Verlaufs des Konzepts: Dies ist ein ausführlicher Bericht über die einzelnen Trainingseinheiten, ihre Ziele, Übungen und die Reflexion der Gruppenprozesse.
9. Auswertung der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden deskriptiv ausgewertet, wobei insbesondere die Konfliktlösekompetenzen und die Trainingsmitarbeit der Kinder analysiert werden.
10. Diskussion und Ausblick: Das Training wird kritisch reflektiert, die Wirksamkeit bewertet und Anregungen für zukünftige sozialpädagogische Interventionen gegeben.
Aggression, Grundschulalter, prosoziales Verhalten, Verhaltenstraining, Prävention, Intervention, Konfliktlösung, Sozialkompetenz, Erziehungsverhalten, Entwicklungspsychopathologie, Verhaltensauffälligkeit, Peer-Beziehungen, soziale Fertigkeiten, Selbstkontrolle, Empathie.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und dem Abbau von aggressivem Verhalten bei Kindern im Grundschulalter und setzt dabei einen Fokus auf die Förderung prosozialer Kompetenzen durch ein gezieltes Training.
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung aggressiven Verhaltens, der Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren sowie der praktischen Erprobung und Evaluation eines multimodalen Verhaltenstrainings.
Ziel ist es, ein effektives Training zum Abbau von Aggressionen zu implementieren und dessen Erfolg hinsichtlich der Steigerung sozialer Kompetenzen bei den Kindern der Hausaufgabenbetreuung zu überprüfen.
Die Wirksamkeit des Trainings wurde deskriptiv durch systematische Verhaltensbeobachtungen (vor und nach dem Training) sowie durch die Überprüfung der Konfliktlösekompetenzen in Rollenspielen evaluiert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Entstehungsmodelle und Risikofaktoren von Aggression sowie einen empirischen Teil, in dem ein konkretes Training geplant, durchgeführt und evaluiert wird.
Aggressionsabbau, prosoziales Verhalten, Sozialtraining, Verhaltensbeobachtung, Grundschulpädagogik.
Dies erfolgte durch standardisierte Rollenspiele zu Konfliktsituationen vor und nach dem Training, anhand derer die Kinder alternative Lösungswege aufzeigen mussten.
Die Arbeit betont, dass Eltern wichtige Modelle und Faktoren für die Entwicklung aggressiven Verhaltens sind; die Miteinbeziehung der Eltern ist daher essenziell für nachhaltige Trainingserfolge.
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